Fachhandel Bekommt das Teppichboden-Klassifizierungssystem „eurofloor“ eine neue Chance? - Ein textiler Überzeugungstäter"> Fachhandel Bekommt das Teppichboden-Klassifizierungssystem „eurofloor“ eine neue Chance? Ein textiler Überzeugungstäter

Vor sieben Jahren überraschte Claus Unterbuchberger die Branche mit einem Klassifizierungssystem für Teppichböden. Nach Auflösung der ETG sieht der Fachhändler für sein „eurofloor-Zertifikat“ als Alternative zum ETG-Siegel eine neue Chance.

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    Oben Fachhändler Claus Unterbuchberger: Wertschöpfung mit Teppichboden dank eurofloor.
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    Links Klassifiziert von eurofloor. Das herstellerneutrale Label soll Beratungsklau vorbeugen.

Es dürfte in den letzten Jahren im Bodenbelagfachhandel nicht viele gegeben haben, die mit ähnlicher Leidenschaft und vergleichbarer Überzeugung an das textile Produkt geglaubt haben wie Claus Unterbuchberger. Der Inhaber eines Teppichbodenfachmarktes in Martinsried bei München setzte auf den Textilbelag, als viele seiner Kollegen längst das hohe Lied der Hartbeläge sangen. Seine ungebrochene Teppichboden-Euphorie stützt Unterbuchberger in erster Linie auf das von ihm 2001 konzipierte Klassifizierungssystem für Teppichböden „eurofloor“. Dank „eurofloor“ habe man die Umsätze bei Teppichböden nicht nur gehalten, sondern mit bestimmten Herstellern, wie beispielsweise Vorwerk, in schwierigen Zeiten sogar vervielfachen können. Als Unterbuchberger die Branche vor sieben Jahren mit seinem Klassifizierungssystem überraschte, versuchte der Marketingexperte aus München, die Europäische Teppich Gemeinschaft (ETG) für sein System zu gewinnen. Doch der Qualitätszirkel der europäischen Teppichbodenhersteller zeigte ihm die kalte Schulter. „Die ETG hat mir damals einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wenige Wochen, nachdem boden wand decke über unser System berichtet hatte, stellte die ETG ihre auf Sternen basierende Klassifizierung vor. Von da an habe ich gewusst, dass wir gegen Titaten nicht ankommen können“, sagt Unterbuchberger.

Rückblickend fühlt sich Unterbuchberger von der ETG kopiert. Mit der ETG anlegen wollte sich der Münchner am Ende allerdings nicht. Eine juristische Auseinandersetzung hätte in seinen Augen nichts gebracht, „weil wir die Klassifizierung anhand des Werksabgabepreises vornehmen und die ETG ihrem System subjektive Qualitätseinstufungen zu Grunde gelegt hat. Damit waren die Systeme am Ende nicht vergleichbar.“

„eurofloor“ und das dazugehörige Fashion-Floor-Center blieben daraufhin eine regionale Angelegenheit. Aber: Eine handvoll Teppichbodenfachhändler rund um München arbeiten bis heute offenbar sehr erfolgreich mit dem System. Inzwischen befindet sich die ETG in Auflösung und Unterbuchberger sieht darin die Chance, seinem Zertifizierungssystem „zum Wohle der verbleibenden 500 Fachhändler in Deutschland“ doch noch zum flächendeckenden Durchbruch zu verhelfen. Nachtragend ist er dabei nicht. Im Gegenteil. Man habe den Kontakt zu den Verantwortlichen in Wuppertal immer gehalten. „Es ist bekannt, dass gute und notwendige Ideen erst einmal skeptisch diskutiert und sogar bekämpft werden, ehe man dazu übergeht, diese umzusetzen“, gibt sich Unterbuchberger optimistisch.

In den nächsten Wochen will der Marketingmann deshalb noch einmal bei wichtigen Herstellern vorsprechen, um für sein System zu werben, und dabei gute Argumente ins Feld führen. Analog zur Hotellerie soll das 5-Sterne-System von „eurofloor“ dem Endverbraucher beim Teppichbodenkauf eine echte Entscheidungshilfe an die Hand geben. Zusätzlich werden dabei mit „Home“, „Business“ und „Nature“ konkrete Anwendungsziele für das textile Produkt vorgegeben. Von den Beanspruchungs- und Komfortklassen der ETG hält Unterbuchberger nichts. „Wie wollen Sie denn einen Komfortwert objektiv messen? Komfort ist relativ. Ein kurzer Flor kann beispielsweise unheimlich beanspruchbar sein, dafür aber keinen Komfortwert haben. Damit haben Sie in der gleichen Gruppe schon Klassifizierungsunterschiede. Das stiftet doch nur Verwirrung.“ Statt wie bisher Teppichboden unstrukturiert im Laden anzubieten, werden bei „eurofloor“ die Teppichböden beliebiger Hersteller in einer Musterbibliothek, dem Fashion-Floor-Center, nach Wertebenen sortiert angeboten. Basis der Klassifizierung ist der jeweilige Fabrikabgabepreis. Der Verkaufspreis für den Handel ergibt sich nach Couponaufschlag und Multiplikation mit einem bestimmten Prozentsatz. Damit sei es möglich, Teppichboden-Alternativen auf einer gesicherten Wertebene miteinander zu vergleichen.

Vor allem soll aber der Verkauf gewinnen und mit „eurofloor“ endlich ein probates Mittel gegen den Beratungsklau (Stichwort: Internet) in den Händen halten. Die Flut von Piktogrammen und Labels, die derzeit auf Teppichrücken prangen, seien, so Unterbuchberger, für jeden Verkäufer ein Graus. Herstellerlabels für sich alleine genommen würden den Konsumenten immer herausfordern, diese Herstellerqualität anderswo preislich zu überprüfen. „Fragen Sie bei qualifizierten Fachhändlern nach, ob Bibliotheksmuster in der Größe 40 mal 60 Zentimeter künftig mit einem originalen Herstelleretikett oder mit dem neutralen „eurofloor Fashion Floor Guide“ gelabelt sein sollen. Die Mehrheit wird sich für eine neutrale Lösung entscheiden, weil jeder Händler sein Geschäft und seinen Beratungsaufwand sichern will.“

Stefan Heinze stefan.heinze@holzmannverlag.de

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