Infloor/Girloon: Carpet made in Germany - Den Maulwurf macht keiner nach"> Infloor/Girloon: Carpet made in Germany Den Maulwurf macht keiner nach

Im ostwestfälischen Herzebrock-Clarholz produziert eine der wohl am dichtesten arbeitenden Tuftingmaschinen der Welt feine Veloursteppiche für Infloor/Girloon. Veredelt werden diese mit moderner Chromjet-Drucktechnik. Dafür ist der Hidden Champion bis weit über die Landesgrenzen bekannt. Der Teppichhersteller hat für boden wand decke die Werkstüren geöffnet.

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    1 (v. r.) Ulrich Dresing und Stefanie Ritterbach, beide geschäftsführende Gesellschafter bei Infloor/Girloon, und Christian Grube, Verkaufsleiter Girloon, sowie Axel Kukielski, Gesamtverkaufsleitung Infloor, sorgen dafür, das Infloor/Girloon ein Name in der Branche ist.
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    3 Im kreativen Zentrum, der Design-Abteilung bei Infloor/Girloon, beginnt der Weg des Teppichs. Sonderdesigns auf Wunsch und spezielle Farbwünsche sind realisierbar.
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    4 Im Werk in Herzebrock-Clarholz stehen insgesamt zwölf Webstühle. Sie werden bei ­Girloon besonders gepflegt, wer nach Flusen auf Maschine oder Boden sucht, findet nichts.
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    2 Laufbahn gefällig? Bei der Gestaltung der Drucke sind praktisch alle Designs möglich. Sogar Logos können gedruckt werden.
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    2 Mit der Chromjet-Druckanlage bringt der Hersteller individuelle Logos auf den Belag.
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    3 Bei Infloor/Girloon wird mit einer Chromjet-Druckanlage in einer Auflösung von einer Million Pixel pro Quadratmeter gedruckt. Angeschlossen sind Dämpfer und Trockner.
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    1 Im Farblabor werden gemäß Kundenwunsch die entsprechenden Kolora- tionen gemischt. Grenzen gibt es hier fast keine.

Teppichboden – was sonst! Das ist nicht nur der Titel der Infloor/Girloon-Initiative zur Stärkung des Teppich-Images, sondern gelebtes Motto im gesamten Unternehmen. Hier wird Leidenschaft für den textilen Bodenbelag spürbar und das seit Generationen von der Führungsspitze bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter. Mehr als 100 gibt es davon in Herzebrock-Clarholz und sie alle kennen Ulrich Dresing und Stefanie Ritterbach mit Namen. Für die beiden geschäftsführenden Gesellschafter, im übrigen Vater und Tochter, keine Besonderheit, sondern selbstverständlich. „Ein gutes und persönliches Verhältnis zu unseren Mitarbeitern ist essentiell für den langfristigen Erfolg im Unternehmen“, erklärt Ulrich Dresing. Ihm und seiner Tochter gelingt das immer wieder aufs Neue. Viele Mitarbeiter werben sogar bei ihren nahen Familienmitgliedern für das Unternehmen, weshalb teilweise ganze Familien für Infloor/Girloon tätig sind. Wer sich bis heute regelmäßig an seiner ehemaligen Arbeitsstelle blicken lässt ist Dresings erster Mitarbeiter. „Herr Hübsche hat gemeinsam mit mir und meiner Frau das Unternehmen in der Anfangsphase begleitet“, erinnert sich Dresing an seinen treuen Wegbegleiter.

Er wollte mehr

Damals, 1977, gehörte die Marke Girloon noch nicht zum Unternehmen. Ulrich Dresing ist mit dem elterlichen Teppichgroßhandel aufgewachsen. Doch er wollte mehr: Teppich herstellen. Gemeinsam mit Hübsche ist ihm das gelungen. Die Geschichte von Infloor beginnt mit dem Tuften in einer 500 m2 großen Halle. „Eine Tufting-Maschine allein brauchte damals rund 300 m2, an das Färben und Beschichten vor Ort war also nicht zu denken“, erinnert sich Dresing. Das haben zu Gründungszeiten externe Unternehmen übernommen. Von dort aus wurden der Teppich zum Kunden gebracht. Eine gute Startstrategie, denn man habe vom ersten Jahr an verdient.

Als bei Dresing der Wunsch aufkam, das Fertigwarenlager der Produktion anzuschließen, waren die Voraussetzungen dafür schnell geschaffen. 2002 erfolgte der Zukauf von Girloon. Damit gewann das Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten am Markt. Die technische Herausforderung speziell im Webbereich sei damals enorm gewesen. Der Schwerpunkt lag im Objektgeschäft; über Jahrzehnte hinweg hat sich dieses zum Hauptabsatzbereich der Marke Girloon entwickelt. Bis zu 70 Prozent der Herstellung fallen darauf ab, die restlichen rund 30 Prozent sind dem Handelsbereich bestimmt.

1999 sah Stefanie Ritterbach die Zeit gekommen, ins Unternehmen ihrer Eltern einzusteigen. Die studierte Pharmazeutin ist  mit dem Teppichboden großgeworden und folgte schließlich ihrer eigentlichen Berufung: Nach zahlreichen praktischen und theoretischen Schulungen ist sie in die Chefetage von Infloor eingetreten.

Eine samtige Nische

Die Misslage auf dem Teppichbodenmarkt hat beim Hersteller kaum Spuren hinterlassen. „Als Anbieter, der nicht im Preiswert-Segment mitspielt, blieb unser Umsatz stabil“, erklärt Dresing. Aber mehr noch: 2013 hat das Unternehmen sogar ein Plus von 16 Prozent verzeichnet. Ein Beweis dafür, dass der Teppichhersteller seine Nische auf dem Markt gefunden hat. „Spezialitäten, die keiner sonst kann, sind  unser Erfolgsrezept“, sagt Dresing. Großhandelslistungen, auch im Objektbereich, stehen dabei im Fokus bei Infloor. Dessen Verkaufsleitung liegt in den Händen von Axel Kukielski. „Bei Infloor gilt, wie bei Girloon auch, dass die Kollektionen durchgehalten werden und so keine Verunsicherung bei den Kunden geschaffen wird“, erklärt Kukielski. Sein Kollege Christian Grube, Verkaufsleiter für Girloon, fügt hinzu: „Ein weiterer Aspekt, mit dem sich unsere Marke von den anderen abhebt, ist die hundertprozentige Nachhaltigkeit. Unsere Produkte sind ohne Ausnahme mit dem Blauen Engel zertifiziert, damit stehen wir allein.“ Allein steht das Unternehmen auch mit dem Besitz einer Tufting-Maschine, die aus dem ehemaligen Girmes-Bestand stammt. Für die 1/20-Teilung, die feinstmögliche, sind hier 3.200 Nadeln und Fäden auf vier Metern Breite im Einsatz. Sie tuften feinste Velours. Mit dem verlegefertigen System Magic und den seit zum Teil mehr als 60 Jahren nahezu unverändert produzierten Webartikeln Samtflor, Hochflor und Standard, macht sich Girloon einzigartig. „Unser Hochflor mit 1,1 Millionen Noppen pro Quadratmeter ist der Klassiker unter unseren samtweichen Teppichen“, sagt Dresing. Er nennt ihn den Maulwurf, weil er so weich ist wie das samtige Fell des grabenden Untergrundbewohners. „Das Nachahmen dieser Qualitäten ist noch keinem am Markt gelungen“, erklärt Dresing, „ohne die zum Teil 70 Jahre alten Webstühle von Girmes, wäre das auch uns nicht gelungen.“ Insgesamt arbeitet Infloor/Girloon heute auf 20.000 m2 mit 14 Tufting-Maschinen und zwöf Webstühlen.

Gedruckt wird, was geht

Dabei wird nicht nur traditionell gearbeitet, auch eine moderne Chromjet-Drucktechnik kommt zum Einsatz. Die Anlage mit 16 Farbstationen à 64 Module und acht Düsen pro Modul ermöglicht laut Infloor/Girloon den Print mit 8.192 Düsen in einer Druckdichte von einer Million Pixel pro Quadratmeter. Mehr als 50 Edelstahl-Tanks stehen zum Farbeanmischen bereit. Das Füllvermögen der Tanks reicht von 6.000 bis zu 250 Liter. So können auch kleinere Menge angerührt werden, ganz nach individuellem Bedarf. Kunden können bereits ab einer Auftragsmenge von 100 m2 ihren persönlichen Druck anfordern. „Oft geben Architekten oder Planer nur einige Anhaltspunkte für das Design, dann sind unsere Textildesignerinnen gefragt“, erklärt Dresing.

Damit der Kunde selbst prüfen kann, ob Design, Farbe und Qualität stimmen, wird an einer kleinen Chromjet-Druckanlage ein Musterstück angefertigt, ehe der eigentliche Druck auf den Inhouse-hergestellten Teppichen beginnt.

Der Produktionsablauf ist so angeordnet, damit zwischen Garnverarbeitung, dem Weben und Tuften, Bedrucken, der Rückbeschichtung, Endkontrolle und Lagerung keine unnötigen Wege zurückgelegt werden müssen. „Wir kontrollieren die einzelnen Produktionsstufen, so gewährleisten wir ein einwandfreies Produkt“, erklärt Ritterbach.

Bei der Rückenbeschichtung setzt Infloor/Girloon auf ein flexibles Gewebe, das auf einer zuvor aufgebrachten Latex-Schicht angedrückt wird. Hat ein Belag die Phase der Rückenbeschichtung durchlaufen, kommt er zur Endkorrektur und wird entweder gleich zum Kunden geliefert oder eingelagert.

Im Fertigwarenlager liegen rund 300.000 m2 an verkauftem oder verkaufbarem Teppich. Je nach Auftragseingang kann es sogar sein, dass die Ware noch am selben Tag das Werk verlässt. „Damit unsere Kunden zeigen können, dass in ihren Objekten Girloon-Qualität liegt, reichen wir ein Zertifikat mit“, erläutert Ritterbach. „Das Produktsortiment von Girloon/Infloor-Produkten ist so umfassend, dass wir für jeden gehobenen Objekt- und Wohnbereich das passende bieten können“, fasst die Geschäftsführerin zusammen.

Ein Teppich macht Politik

„Zu unserem Kundestamm gehören Unternehmen wie SAP, Daimler, Ford und Porsche sowie die Kinoketten Cinemaxx und Cinestar, aber auch die LBS oder Signal Iduna“, erklären Grube und Kukielski. Aber die Web- und Tuftingwaren liegen nicht nur in ganz Europa, fast weltweit hat das Unternehmen schon die Hotellerie beliefert. Sogar in Neuseeland liegen Infloor/Girloon-Teppich. Der textile Belag hat es sogar bis in die Politik geschafft: Beim Fernseh-Duell der Kanzlerkandidaten standen Angela Merken und Peer Steinbrück bereits auf Girloon.

Statement für den textilen Belag

Überzeugt ist man hier nicht nur vom eigenen Produkt, sondern auch von dessen Eigenschaften im Vergleich zu nicht textilen Bodenbelägen: „Einfache Reinigung, Pflege und Halt­barkeit, Raum- und Wohnqualität sowie Schalldämmung sind nur einige der Aspekte, die für einen Teppichboden sprechen“, meint Stefanie Ritterbach. Daher ist „Teppichboden – was sonst“ für sie keine Frage, sondern ein Statement.

Mehr zu dem, was Teppichboden alles kann, erfahren Sie im Buch "Teppichboden - textiler Tausendsassa".