Der Trend zu großformatigen Dielen im Wohnbereich ist ebenso ungebrochen wie der zu Holz und Holzverbundbelägen im Garten. Es wird sogar an übergreifenden Lösungen für beide Verwendungsbereiche gearbeitet. Optisch geht es nach dem Dehnen von Länge und Breite nun in die Tiefe.
Erkundung der dritten Dimension
Was man von hölzernen Fußbodenelementen heute erwartet, ist preußisches Gardemaß: Formate, die ganze Räume überbrücken, und Breiten, die das Maximum dessen bieten, was der Stamm zulässt. Jetzt ist die dritte Dimension dran. Es geht in die Tiefe. Oberflächen mit händisch herausgearbeiteten Strukturen, die alle Merkmale des natürlichen Holzes optimal betonen, mit groben Ästen (für Mengenspezialisten eine Herausforderung bei der Fertigung), erhaben herausgehobelt, markanten Rissen und kontrastreichem Splintholz prägen ihren Charakter. In Verbindung mit oxidativ trocknenden Ölen und Wachsen lockt die Haptik des Unverwechselbaren. Holzfußböden fangen immer mehr an, im Auge des Betrachters zu leben, und zeigen je nach Blickwinkel ein vollkommen anderes Farb- und Erscheinungsbild.
Dielenhersteller haben nach langer Zeit der Zurückhaltung enthusiastisch den Wettbewerb mit den Laminat- oder Vinylböden aufgenommen und finden zunehmend Spaß daran, sich von deren technisch geprägten Reproduktionen antreiben zu lassen. Um die Zukunft der Produktgestaltung brauchen sich Hersteller hölzerner Bodenbeläge, die im Segment der großformatigen Dielen eindeutig mehr auf die abgesperrte als auf die massive Variante setzen, nicht zu sorgen. Handwerkstechniken liegen noch genügend in der Schublade. Doch man geht auch neue Wege. Merkwürdigerweise hat noch keiner versucht, geschwungene Dielen, einstmals in Norddeutschland erdacht und jetzt als „Bolefloor“-Böden echte Hingucker auf großen Messen für draußen und drinnen, in belags- oder schichtstoffkaschierte Trägerplatten für den Fußbodengebrauch umzumünzen. Die lange Reaktionszeit hat Gründe. Während die nahezu vollständige Ausbeute und damit die ökologische Effizienz ein ganz wesentlicher Grund für die Entwicklung der dem Wuchs angepassten hölzernen Dielen ist, würde eine Reproduktion nur ungewollten Mehraufwand von Material und Technik bedeuten.
Verlegetechnik contra „Größenwahn“
Andererseits haben Dielenabmessungen auch ihre Grenzen. Nicht nur, dass die Natur im Gegensatz zur fotografierten Trägerplatte schlicht und einfach nicht mehr hergibt, auch die Verlegetechnik limitiert den „Größenwahn“. Geht man davon aus, dass diese Elemente nicht auf Lagerhölzern, sondern mengenmäßig erfolgversprechend auf Estrichen aufgebracht werden, sind die Anforderungen an die Ebenheit umso höher, je größer das Element ist. Und selbst wenn eine „Quasi-Tischplatte“ unter der Maxidiele liegt, muss die Arretierung mit handwerklichen Mitteln abgesichert werden. Geschieht dies nicht, ist die praxisbekannte Hohlstellenproblematik systemimmanent. Die Bäume wachsen eben nicht in den Himmel.
Bei den Hölzern im Innengebrauch bleibt die Eiche das Maß der Dinge. Das wird sicherlich auch noch einige Jahre so sein. Es gibt jedoch Hinweise, dass sich auch andere Arten wieder bemerkbar machen. Vor allem die Esche wird immer wieder ins Spiel gebracht und erfüllt auch technisch alle Anforderungen, eine größere Rolle zu spielen - abgesehen von der Verfügbarkeit.
Weil der große Anteil an farbkernigem Material aber wenig steuerbar, vergleichsweise hoch und dazu in unseren Landen wenig beliebt ist, dürfte die Esche es weiterhin schwer haben. Allerdings gibt es ein Schlupfloch. Der Thermobehandlung gegenüber erweist sich dieses Holz als ausgesprochen zugeneigt. Das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen zu mechanischen und physikalischen Eigenschaften von thermisch im Vakuum pressgetrocknetem Holz. Entsprechend hat sich die Thermoesche sowohl für den Innenausbau oder auch im Außenbereich zu einem der wichtigsten Fußbodenhölzer gemausert.
Der deutsche Outdoormarkt boomt
Dank Hitzetechnik werden die Möglichkeiten immer zahlreicher, den Indoorboden mit gleicher Holzart, Oberflächenbehandlung und -struktur als Outdoorbelag auf der dem Wohnzimmer angeschlossenen Terrasse weiterzuführen. Das könnte auch das Parketthandwerk interessieren, denn Garten-Homing ist sehr beliebt. Das berichtet zum Beispiel der Verband der Deutschen Möbelindustrie VDM in seiner jüngsten Presseveröffentlichung und stellt dabei fest, dass die Liebe zu hochwertigen Möbeln im Garten die Terrassendielen impliziert. Der Trend existiere länderübergreifend, aber der deutsche Outdoor-Markt ist einer aktuellen Studie zufolge der größte in Europa.
Auf natürliches Massivholz wird in Zeiten zunehmender Alternativen für den Draußenboden ungern verzichtet. Das Angebot tropischer Harthölzer bleibt vielfältig: Bangkirai ist immer nochgefragt, aber Afri Kulu (Mukulungu), ein sehr hartes und formstabiles Holz aus Westafrika, oder FSC-Mururé bzw. FSC-Itauba erweitern mittlerweile die Palette. Den heimischen Anteil bestreiten vor allem Lärche und Douglasie. Alternativen wie Stauseehölzer, größtenteils in der Holzart Walaba, nicht nur äußerst dauerhaft, sondern auch ökologisch von vielen guten Argumenten begleitet, stehen für den Außeneinsatz parat.
Aber auch der WPC-Sektor punktet zunehmend, wobei sich die Anbieter dieser Produkte vor Jahren zu einer Qualitätsgemeinschaft zusammengeschlossen haben mit klaren Vorstellungen von den Materialien, die mit unter den Schirm kommen.„Der Holzanteil muss mindestens 50 Prozent ausmachen und aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Andere Naturfasern, wie Reishülsen oder Bambus, die erst noch unter großem Aufwand importiert werden müssen, dürfen nicht untergemischt werden. Das Polymer muss aus sortenreinem Kunststoff bestehen“, heißt es.
Reishülsen erweisen sich als farbstabil
Die Güterichtlinien scheinen den vielfältigen WPC-Produkten, deren thermische Längenausdehnung immer noch gegenüber Holz ein beachtenswerter Nachteil ist, Aufwind zu verleihen. Dabei zeigen die von der WPC-Gemeinschaft ausgeschlossenen Reishülsen in Form der „Resysta“-Dielen nachweislich gute Eigenschaften, vor allem auch eine sehr gute Farbstabilität. Vom namhaften Dresdener Entwicklungs- und Prüflabor Holztechnologie (eph) wurden die Beläge, die mit einer großen Farbvielfalt daherkommen, ausführlichen künstlichen Bewitterungsvergleichen mit Wettbewerbsprodukten unterzogen. Schmutzabweisung, Flecken-, Kratzer und Schimmelresistenz, Formstabilität, keine Splittergefahr und einfache Reinigung werden bei den aus 95% recyceltem Holz und Kunststoff bestehenden Dielen von Trex, nach eigenen Angaben größter Hersteller von sogenannten „holzalternativen Terrassendielen“, hervorgehoben. Zum Gesamtpaket gehören 20- bis 25-jährige Garantien gegen Verblassen und Verschmutzen.
Bambushaltige Outdoorbeläge, d.h. in diesem Falle aus Sägeabfall der Parkett- und Plattenproduktion in Verbundwerkstoffen aufgearbeitete natürliche Polymere mit mindestens 60 Prozent Bambusfaseranteil, werben ebenfalls mit Farbstabilität, geringem Pflegeaufwand und einer splitterfreien Lauffläche. Zusätzlich verzieren die charakteristischen und unverwechselbaren Bambusknötchen (Nudo) kunstvoll aufgebracht die beidseitig nutzbaren Oberflächen des Produktes, das der Bambusparkettspezialist Bambeau aus Frechen unter dem Namen Econudo BPC vertreibt.
Sehr interessant sind auch die hitzeimprägnierten, mehrlagig abgesperrten Terrassendecks, bestehend aus der Holzart Hevea, das bekanntermaßen aus ausgedienten indonesischen und malaysischen Kautschukbäumen gewonnen wird. Das sehr formstabile Produkt, ebenfalls mit dem Vorzug wissenschaftlich erfolgreich durchgeführter Dauerhaftigkeitsprüfungen versehen, wird unter dem Namen tech-Deck als „Terrassendiele der Zukunft“ vermarktet.
Walter Pitt walter.pitt@t-online.de
