Herbert Schmitmeier, geschäftsführender Gesellschafter Intermarket Diese Krise steht in keinem Lehrbuch

Herbert Schmitmeier
Herbert Schmitmeier. - © Heinze

Diese Krise steht in keinem Lehrbuch

Berührt die Krise unsere Branche?

Ja, es wird unbequem. Der IFO-Index zeigt bedrohliche Züge. Die Branche wird sich auf höhere Preise einstellen und Flexibilität in ihre Kosten-/Ertragsplanung bringen müssen.

Als „bauabhängige Branche“ spüren wir den wirtschaftlichen Aufschwung und den Abschwung als letzte. Lange Laufzeiten der Projekte, von der Planung bis zur Fertigstellung, machen die Branche zum chronischen Konjunkturnachzügler. Auswirkungen spüren wir wohl im 2. Quartal 2009.


Welche Auswirkungen?

Fehlende Gewerbesteuereinnahmen und damit Investitionen der öffentlichen Hand, Erhöhung der Sparquote und Konsumzurückhaltung – diese Krise steht in keinem Lehrbuch. Eine exakte Vorhersage der wirtschaftlichen Weltmarkt- und Binnenkonjunktur durch einen „volkswirtschaftlichen Wahrsager“ wäre die 500-Milliarden-Euro-Frage.

Die Lagebeurteilung ist das eine, die Psychologie das andere. Wenn es gelingt, die Krise vernünftig zu erklären, fällt die Reaktion der Menschen weniger extrem aus. Es geht weniger um die Rettung von Unternehmen, denn die Märkte sind überbesetzt, es geht darum, ob wir in unserer Branche für künftige Entwicklungen gerüstet sind.


Welche Rezepte greifen jetzt?

Rezepturen sind ausprobierte Ratgeber. Lokale, regionale Rezepte sind der internationalen Küche vorzuziehen. Sich kümmern um den Kunden von morgen, Vertrauen auf- und ausbauen, Kundenloyalität jeden Tag bestätigen, Konzentration auf wenige Lieferanten, das sind nachhaltige Rezeptbestandteile, die Anbietern und Nachfragern schmecken und Umschlagsgeschwindigkeiten erhöhen. Der Branche empfehle ich lokale wie regionale Netzwerke, die die Marktzugangsgeschwindigkeit erhöhen. Das einzelne Produkt löst bei zunehmender Austauschbarkeit keine Kaufimpulse aus, es degeneriert zum Beschaffungsprodukt.

Mit wertigen Produkten langfristig Kundenbindung sichern, aus Preis- / Mengengeschäften aussteigen und Nachhaltigkeit über ressourcensparende Produkte dokumentieren.

Der berühmte Ökonom Léon Walras sagte dazu: Wer den Nachbarn imponieren wolle, müsse im Garten Möhren anpflanzen – nach kurzer Reifezeit könne er die herumzeigen. Wer den Enkeln etwas hinterlassen wolle, müsse Walnussbäume pflanzen. Auf den führenden Etagen haben die Möhren- die Nussbaumpflanzer verdrängt. Das Ergebnis ist bekannt.