Auf mehr als zehn Millionen Kubikmeter schätzen Experten die Menge nutzbaren Exotenholzes über- und unterhalb des Wasserspiegels im Blommesteinsee in Surinam. Die Ernte hat längst begonnen.
Holzernte unter Wasser
Der Blommesteinsee, auch als Brokopondo Meer bekannt, liegt mitten in Surinam, das früher Teil der Kolonie Niederländisch-Guayana war. Zur Energiegewinnung hatte ein amerikanischer Aluminiumkonzern den Stausee in den sechziger Jahren angelegt. Auf der überschwemmten Fläche, die mit 1.600 Quadratkilometer dreimal so groß wie die des Bodensees ist, wurden einst die wertvollen Urwaldstämme stehen gelassen, die mit ihren aus dem Wasser herausragenden Spitzen heute für eine bizarre Kulisse sorgen.
Jos Dennebos, Dielenhersteller aus den Niederlanden, hat mit einheimischen Partnern, die über die Nutzungsrechte an den Bäumen im See verfügen, vor einiger Zeit mit der Holzernte unter Wasser begonnen. Die im Wasser stehenden Teile der Stämme werden im eigenen Sägewerk aufgearbeitet. Wie groß die Menge an wertvollsten Hölzern wie Greenheart, Basralokus, Purple Heart (Amaranth), Rode Kabbes (Andira), Gele Kabbes (Faveira) oder Zwarte Kabbes (Sucupira) im Brokopondo Meer ist, lässt sich kaum abschätzen. Eine langfristige Versorgung dürfte indes gewährleistet sein.
Der Wald im Wasser
Experten gehen von weit mehr als zehn Millionen Kubikmeter nutzbaren Holzes aus. Denn der Wald, der vor zirka 40 Jahren im Stausee versank, ist fast unberührt. Bei der Zersetzung des Holzes entsteht übrigens Methan, das den Treibhauseffekt in der Atmosphäre unterstützt. Für die Nutzung kann man so genannte Methanrechte beantragen.
Das Holz scheint von hervorragender Qualität zu sein. Spannungsfreiheit und im Vergleich zu sonstigen schweren Tropenhölzern eine nahezu problemlose Trocknung sind die Parameter, die am meisten ins Auge fallen. Wissenschaftliche Untersuchungen führten bereits zu erstaunlichen Ergebnissen. Noch ist das Stauseeholz für sehr hochwertige Terrassendielen nur in geringem Umfang am Markt. Vielleicht entstehen daraus auch bald Parkettfußböden.
Dazu zeichnet sich ab, dass das Holz von der Rainforest Alliance zertifiziert werden könnte, ehe später womöglich die FSC-Zertifzierung folgt. Etwas weiter ist Dennebos in diesem Bestreben bei seinem zweiten Projekt in unmittelbarer Nähe des Stausees. Dort besitzt der Niederländer eine weitere Konzession. Das Holz wird sehr aufwändig inventarisiert und nach der Freigabe in einem schonenden Verfahren genutzt.
Arbeitsplätze geschaffen
Die Waldbewohner, die Dennebos dort beschäftigt, erhalten die Möglichkeit, sich ein Einkommen zu erwirtschaften. In weiterer Folge soll eine Infrastruktur geschaffen werden, die bestehende Auflagen berücksichtigen und bestandsschonend vorangetrieben werden soll. Erst mit einem Wegenetz wird es möglich, das Holz aus dem dichten tropischen Regenwald in das am Surinameriver eingerichtete Camp zu schleppen. Von dort geht es auf dem Wasser zur Weiterverarbeitung in den Hafen von Paramaribo, der Hauptstadt des Landes.
Die Hölzer aus dem „Dennebosprojekt“ werden übrigens über den Korschenbroicher Holzimporteur F. W. Barth & Co. in den deutschsprachigen Ländern vertrieben. Als einzige deutschsprachige Fachzeitschrift der Bodenbelagbranche war boden wand decke mit Holzspezialist Walter Pitt vor Ort, um den umtriebigen Jos Dennebos auf einer spannenden Reise in die Wälder Surinams zu begleiten, und die spektakuläre Gewinnung der Urwaldriesen aus dem Wasser aus allernächster Nähe zu beobachten. Dabei erlebte der Redakteur sogar, wie es ist, als Schiffbrüchiger aus dem Brokopondo Meer geborgen zu werden.
boden wand decke wird ausführlich von den Dennebos-Projekten in Surinam berichten.
