Christian Löher, Geschäftsführer der Bona Deutschland, setzte sich auf dem Sachverständigentag in Feuchtwangen mit aktuellen Entwicklungen bei Fußbodenölen auseinander. Und verriet, wann ein Parkettboden richtig geölt ist.
Parkett ölen in Perfektion
Die Eindringtiefe von Ölen variiert zwischen 0,2 bis 4,0 mm, erklärte Löher in seinem Referat über das richtige Ölen von Parkett. Damit das Öl tiefer in die Oberfläche eindringen kann, werden Lösemittel verwendet. Nachwachsende und damit nachhaltige Rohstoffe kommen zum Einsatz, aber auch synthetische Materialien.
Als Trockenstoffe (Sikkative) verwendet man zum Beispiel Cobalt, Zirkonium, Mangan, Zink sowie Calcium. Das ist insofern beachtenswert, da Cobalt in dem Verdacht steht, krebserregend zu sein.
Auch der wichtige Hautverhinderer Butanonoxim soll, wie es gelegentlich heißt, krebserregende Substanzen enthalten. Lösemittelanteile sind zum Beispiel bei Pflegeölen kaum verzichtbar. Diese enthalten relativ hohe Lösemittelanteile, weil sie ansonsten wegen ihrer Dickflüssigkeit kaum zu verarbeiten wären. Man unterscheidet vier verschiedene Typen von Ölen:
1 Öl- oder Öl-Wachs- Kombination
Wir betrachten hier die konventionell gehärtete oder UV-getrocknete Öl- oder Öl-Wachs-Kombination. Herkömmliche Öle bzw. Öl-Wachse sind dadurch gekennzeichnet, dass sie diffusionsdurchlässig und offenporig sind. Sie feuern das Holz stark an und haben darüber hinaus den Vorteil, keine Seitenverleimung zwischen den Verlegelementen zu bewirken. Sie sind partiell re paraturfähig und sehr sparsam im Verbrauch. Reine Öle sind allerdings ohne eine fachgerechte Pflege im Fußbodenbereich nicht denkbar.
Der Pflegeaufwand ist bei den genannten Produkten generell relativ hoch. Die Anschmutzung ist stärker gegenüber versiegelten Flächen, auch die hygienischen Ansprüche oder die der Chemikalienbeständigkeit sind gegenüber Versiegelungen reduziert. Weiterhin sorgt die Offenporigkeit für einen intensiveren „hygroskopischen Austausch“, das Parkett „arbeitet mehr“.
Weitere Nachteile sind die Selbstentzündungsgefahr und der länger anhaltende Geruch. Infolgedessen sind zum Beispiel Innenflächen von Schränken niemals geölt, erläutert Löher.
2 Werkseitig UV-geölte Produkte
Werkseitig UV-geölte bzw. gewachste Parkettoberflächen werden mittels Walzenauftragsmaschinen erzeugt. Dabei erfolgt die Trocknung durch Polymerisation, die mit dem UV-Licht angeregt wird. Im Grunde handelt es sich um verdünnte Lacke, denn auf diese Weise entsteht an der Oberfläche des Holzes ein sehr dichter Schutzfilm aus ausgehärtetem Öl, der einer Versiegelung sehr ähnlich ist (UV-Film) und einer intensiven Pflege bedarf.
3 Werkseitig oxidativ trocknende Öle
Im Trend liegen bei den werkseitig geölten Parkettelementen derzeit die oxidativ trocknenden Varianten. Deren Fertigung geschieht folgendermaßen: Die mit Walzen aufgetragenen Öle werden in großen Umluft-Düsentrocknern durch Sauerstoffaufnahme gehärtet, wobei der Prozess durch Wärme beschleunigt werden kann.
Dadurch sind die platzgreifenden Hordenwagen, auf denen ansonsten das zu trocknende Parkett gut abgestapelt werden muss, nicht mehr in dem Maße notwendig. Die Öle polymerisieren mit Hilfe von Sauerstoff. Bei dieser chemischen Reaktion verbinden sich die Moleküle zu Molekülketten und bilden auf diese Weise ein zähelastisches Material.
Hinsichtlich der weiteren bauseitigen Einpflege sind die Angaben von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Das A und O ist aber die richtige Sättigung des Bodens. Erst dann kann er seine Stärken voll ausspielen. Es gilt allerdings auch, den Boden nicht zu übersättigen, führte Löher an einigen Bildbeispielen aus.
4 Hartwachs-Öl konventionell oder werkseitig getrocknet
Die vierte Variante des Ölens, die der bauseitigen UV-Trocknung mit entsprechender maschineller Ausrüstung, hat sich nicht durchgesetzt, so Löher. Die Norm hält sich hinsichtlich des Auftrages und der Pflege bzw. Nachbehandlung bei werkseitig geölten Varianten zurück, denn dort gibt es keine entsprechenden Hinweise. Für die bauseitigen Maßnahmen gelten in der DIN 18356 Parkettarbeiten die Vorschriften, wie sie auch für das Versiegeln aufgeführt sind.
Gleiches gilt für die Pflegeanweisungen. Die handwerklich aufgebrachten Systeme sind gesondert geregelt, die werkseitig behandelten nicht. Und auch das Merkblatt geht nicht auf diese Varianten ein. Hier besteht Handlungsbedarf, sagt Löher.
Hinsichtlich der Frage des Ölens und Wachsens gegenüber einer Versiegelung ist ein intensives Kundengespräch über die Vor- und Nachteile inklusive Pflegeberatung im Vorfeld der Auftragserteilung vonnöten, wobei der Auftragnehmer gerade wegen fehlender allgemeingültiger Vorschriften bei den werkseitig geölten Systemen die Einpflege genauestens nach Herstellervorschrift anbieten und durchführen sollte. Löher regte darüber hinaus an, Wartungsverträge zu offerieren. Bei größeren Objekten könne man das Pflegepersonal unterweisen.
Fazit:
◆ Ein Parkettboden ist erst richtig geölt, wenn er seine vollständige Sättigung erreicht hat.
◆ Die Festkörper sowie das verwendete System spielen hierbei eine entscheidende Rolle.
◆ Bei zu geringer Sättigung bilden sich schnell Laufstraßen und Vergrauungen und die Wasserbeständigkeit wird geringer.
◆ Bei Übersättigung bilden sich Schlieren und Glanzgradunterschiede.
◆ In jedem Fall unbedingt die Vorschriften des Herstellers beachten.
◆ Vorherige Beratung des Auftragnehmers ist bei geölten Parkettflächen das A und O.
◆ Gleiches gilt für Pflegemaßnahmen, deren Einhaltung erst für ein dauerhaft gutes Oberflächenbild sorgt.
Walter Pitt walter.pitt@t-online.de