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Die Udo-Herrmann-Kolumne Was wir von Piloten lernen können

Exklusiv in bwd stellt Udo Herrmann in seiner Kolumne ­Bausteine aus dem "Erfolgskonzept für Handwerker" vor. Lesen Sie heute, warum für einen guten Start in die Woche der Fahrzeugcheck am Freitag so wichtig ist.

Montag früh, 6.48 Uhr. Das Telefon klingelt. "Chef, ich bin krank und kann heute nicht zur Arbeit kommen. Ich gehe jetzt zum Arzt und ich glaube, das wird mit mir die ganze Woche nichts mehr." Jetzt heißt es schnell umplanen. Welche Baustelle war für den nun entschuldigten Mitarbeiter geplant? Wer kann für den kranken Kollegen einspringen? Wer übernimmt dessen Montagefahrzeug? Als wären diese Umplanungen nicht schon schwierig genug, wartet dann nicht selten schon die nächste Herausforderung: "Chef, so kann ich mit dem Sprinter nicht losfahren. Rufen Sie mal beim Kunden an, dass ich etwa eine Stunde später komme." Am Freitagnachmittag wurde das Fahrzeug abgestellt. Der Tank steht auf Reserve, im Armaturenbrett leuchtet die Warnlampe "Scheibenwaschflüssigkeit auffüllen". Das Fahrzeug ist außen dreckig und so keine Visitenkarte für den Betrieb. Im Laderaum stehen noch die Müllsäcke der in der vergangenen Woche fertig gestellten Baustelle.

Solche Situationen haben mich früher fast zur Weißglut gebracht. Immer wieder mal fand ein Ersatzmann das Firmenfahrzeug in einem chaotischen Zustand vor. Das führte dazu, dass wir gleich am Montagmorgen den ursprünglich mit dem Kunden vereinbarten Termin nicht halten konnten und zu spät an der Baustelle vorfuhren, das hatte dann einen verärgerten Kunden zur Folge. Der Mitarbeiter, der als Ersatzmann einspringen musste, hatte nicht nur den Stress mit der Umplanung seiner Wochenaufgaben, sondern war zusätzlich genervt davon, erstmal Ordnung in das vorgefundene Auto zu bringen.

Bei einer Teamsitzung sprach ein Mitarbeiter diesen Missstand an und bat um eine Lösung, falls diese Situation wieder so oder so ähnlich eintritt. Einer aus der Mannschaft hatte dann die zündende Idee: "Wir machen es wie die Piloten!" Er hatte bei einem Rundflug beobachtet, wie der Kapitän eines Sportflugzeuges seine Maschine startklar machte. Schon nach wenigen Tagen hatten wir seinen Vorschlag in die Tat umgesetzt. Jetzt gibt es auf der Fahrerseite aller Fahrzeuge eine einlaminierte Checkliste. Diese haben wir einfach auf der Rückseite der Sonnenblende befestigt. Immer wenn das Auto auf dem Betriebsgelände geparkt wird, sind die Lenker angehalten, folgende Punkte zu prüfen und bei Bedarf zu korrigieren. Insgesamt sind das 21 Punkte. Hier einige Beispiele von Punkten, die auf der Liste aufgeführt sind:

  • Füllstand Tank mindestens ein Drittel!
  • Sauberkeit Führerhaus?
  • Ordnung im Fahrzeug?
  • Fahrzeug richtig geparkt?
  • Ölstand?

Ich empfehle, die Liste gemeinsam mit den bei Ihnen beschäftigten Mitarbeitern an den eigenen Betrieb anzupassen. Dafür bietet sich z.B. eine Teamsitzung an. Je nach Fahrzeug, den bisher aufgetretenen Missständen oder den Vorschlägen aus der einberufenen Runde entsteht ein Werkzeug, das für spürbare Verbesserung im Fuhrpark sorgt. Piloten checken ihr Fluggerät beim Abstellen und vor dem Start. Ein bewährtes System seit Jahrzehnten. Warum soll das nicht auch im Handwerksbetrieb funktionieren?

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Udo Herrmann

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