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Designbelag hört nicht auf zu schüsseln Wundersames Wachstum

Designbelag ist nicht gleich Designbelag. Der ausführende Parkett- und Bodenleger sollte über ausreichende Fachkenntnisse verfügen, wie der Bodenbelag aufgebaut ist. Vor allem, wenn der Estrich noch nicht belegreif ist.

Wundersames Wachstum
Deutliche Spitznähte und Verformungen, im Gegenlicht erkennbar. -

Die Termine drängten. Die bisherige Wohnung des Bauherren war bereits zum Monatsende wieder vermietet, die Monteure des Lieferanten hatten ihre Arbeit so organisiert, dass exakt die zwei eingeplanten Tage genutzt werden mussten, die privaten Helfer zum Möbelpacken standen just zu diesem Zeitpunkt parat und der Bauherr hatte seinen restlichen Jahresurlaub in Anspruch genommen.

Alles war also minutiös vorbereitet , allein der Estrich war auch nach sechs Wochen noch nicht belegreif, wie der aus der Feuerwehr bekannte Estrichleger nach seinen Feuchtemessungen des herkömmlichen Zement­estrichs mit einem Auflegegerät ermittelt hatte. Was war zu tun?

Was tun, wenn der Estrich noch nicht belegreif ist?

Man telefonierte, überlegte und kam schließlich zu einer Lösung: Noch ein paar Tage Heizgeräte in den Räumen aufstellen und dann würde der Designbelag das schon verzeihen: "Insbesondere dann, wenn man eine kombinierte Trittschall-/Dampfbremse darunter legt“, sagte der scheinbar universell kundige Berater aus der Baumarktabteilung, in der der Bodenbelag gekauft wurde.

"Bringen Sie einfach die Fußleisten etwas später an, dann kann die eventuelle Restfeuchte durch die Randfugen entweichen.“ Diese unkonventionelle Empfehlung gab er dem Verlegeunternehmen weiter, das – auf diese Weise ermutigt – an die Arbeit ging. Der Boden wurde wie empfohlen verlegt, die Randfugen offen gelassen beziehungsweise die Fußleisten noch nicht angebracht, der Einzug erfolgte – wobei man die neuen Möbel vorausschauend nicht ganz an die Wände heranrückte, um eventueller Schimmelbildung in schlecht zu belüftenden Bereichen entgegenzuwirken. "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, dachte sich der Bauherr.

Schadensbild: Designbelag schüsselt konkav

Allein, nach sechs Wochen waren die einzelnen Großformate des Designbelages im gräulichen Eichenlandhausdielendekor deutlich erkennbar konkav geschüsselt und die Randfugen des Bodenbelages lagen in nahezu allen Bereichen geschlossen an der Wand vor. Flugs erschienen die Monteure des Baumarktes, schnitten in den dafür zugänglichen Bereichen den Boden frei und verließen den Bauherren mit der mündlichen Zusicherung, die Verformungen würden sich im Laufe der Zeit schon legen.

Doch bereits sechs Wochen später ergab sich das gleiche Bild wie zuvor: Konkave Schüsselungen der Einzelelemente und geschlossene Randfugen, der gesamte Boden war also weiter gewachsen. Guter Rat ist eigentlich teuer. Doch nicht in diesem Fall: Alle Beteiligten in dem kleinen Ort kannten sich und man wollte sich nicht streiten. Also holte man einen ortsansässigen Sachverständigen für Bodenbelag­arbeiten, der lediglich seine Meinung zum Sachverhalt mitteilen sollte – ohne ein für alle Seiten verbindliches Gutachten anzufertigen. Dabei kam er ziemlich schnell auf den Punkt.

Schadensanalyse: Hygroskopischer Holzwerkstoff

Nachdem der Gutachter an zwei Stellen den Estrich als ausreichend trocken geprüft hatte, schaute er sich den Designbelag genauer an. Es handelte sich um ein fernöstliches Produkt mit einem sehr individuellen Produktaufbau, gekennzeichnet mit dem Kürzel WPC ("wood plastics composites").

Den Kern des Trägers bildete ein hygroskopischer Holzwerkstoff. Dieser habe nicht unwesentlich zu dem ungewöhnlichen Materialwachstum in dem noch immer nicht ganz trockenen Neubau beigetragen, erläuterte der befreundete Gutachter.

Zwar wären aus seiner Sicht die Pflichten und Maßnahmen vor Beginn der Verlegung nicht fachgerecht eingehalten worden, aber ausschlaggebend für die markanten Erscheinungsbilder seien seiner Erfahrung nach in erster Linie die sehr feuchteempfindlichen Eigenschaften, die sich in einem weniger oder nicht hygroskopischen Material weit schwächer gezeigt hätten.

Schadensbeseitigung: Neuverlegung mit Alternativmaterial

Er riet zur Aufnahme des aus seiner Sicht nicht funktionierenden Designbelages, diesmal allerdings unter Berücksichtigung der Prüfpflichten des Bodenlegers und Neuverlegung mit einem Alternativmaterial auf geeigneter Basis. Dieser Empfehlung wurde im ersten Teil entsprochen. Im zweiten folgte allerdings der Austausch mit einem keramischen Fliesenbelag.

Das war natürlich für die Produktkategorie Designbelag generell keine gute Werbung, denn sie offenbarte, dass die Bandbreite der Qualitäten und Produktansätze doch sehr groß ist und für den späteren Erfolg eine fundierte professionelle Beratung nötig ist. In diesem Fall teilte man sich die Kosten, wie es unter alten Bekannten üblich ist, und auch der Baumarkt kam dem Kunden durch die kostenlose Lieferung der Fliesen entgegen.

Schadensfälle aus der Parkettlegerpraxis

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Alle Schäden wurden verständlich aufbereitet und mit Handlungsanleitungen unterlegt, um Verlegearbeiten zu erleichtern. Die zahlreichen Schadensbilder unterstützen Bodenleger und Gutachter bei der täglichen Verlege­praxis und helfen, Schäden bereits in ihrer Entstehungs­ursache zu vermeiden.Das 114 Seiten umfassende Fachbuch kann bei www.holzmann-medienshop.de zu einem Preis von 29,90 Euro inkl. MwSt. bestellt werden.

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