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Worauf man bei Belagsverlegung auf Holzdielen achten sollte

In der Sanierung, aber auch bei der Belagsverlegung auf neu eingebauten Holzdielen wird die Feuchtemessung dieses Untergrundes von Parkett- und Bodenlegern häufig sträflich vernachlässigt. Mit kostspieligen Folgen, wie diese drei Schadensfälle zeigen.

Schadensfall Belagsverlegung auf Holzdielen
Schadensfall 1: Die Gipsspachtelmasse hat sich aufgrund der zu hohen Feuchte des neu eingebauten Dielenbodens vom Untergrund abgelöst. -

Die Frage nach dem "Warum" – Warum wurde keine Holzfeuchte gemessen? – stellt sich meistens erst dann, wenn ein Schaden eingetreten ist. Die häufigste Ausrede ist, wir besitzen kein Gerät, mit dem man die Holzfeuchte messen kann. Diese Ausrede schützt den Verarbeiter aber nicht vor der Verantwortung. Ebenso wenig wie das Motto: Es hat ja in den vergangenen Jahren auch ohne Messung nie Probleme gegeben.

Die Holzfeuchtemessung ist heutzutage sehr einfach und die Geräte preiswert. Zerstörungsfreie Messgeräte funktionieren nach dem Prinzip der elektrischen Impedanz. Messgeräte mit Einstechfühlern messen den elektrischen Widerstand. Dass jeder Parkett- und Bodenleger im Rahmen seiner Prüfpflicht zur Prüfung der Untergrundfeuchte verpflichtet ist, wissen eigentlich alle. Ausgenommen von dieser Prüfung sind bekanntlich Fertigteilestriche, Span- und OSB-Platten. Nicht jedoch Dielen: Unmittelbar vor Beginn der Ausführung der Bodenbelagsarbeiten muss die Holzfeuchte der Dielen überprüft werden. Die Holzfeuchte muss in geschlossenen, beheizten Räumen unmittelbar vor der Verlegung 9 % plus/minus 3 % betragen.

Bei der Verlegung von Parkett- und Bodenbelägen auf Dielenböden sollten weiterhin unbedingt folgende grundsätzliche Hinweise beachtet werden:

  1. Die Dielen müssen in Nut und Feder verlegt sein.
  2. Die Dielen müssen zu allen aufgehenden Bauteilen einen ausreichenden Randabstand besitzen, dieser Abstand beträgt in der Regel mind. 10 mm.
  3. Gemäß Merkblatt TKB-8 „Beurteilen und Vorbereiten von Untergründen für Bodenbelag- und Parkettarbeiten“ sowie gemäß Kommentar und Erläuterungen VOB DIN 18365 Bodenbelagsarbeiten ist eine fachgerechte, dauerhafte Hinterlüftung der Dielung zu gewährleisten. Die Hinterlüftung kann beispielsweise so ausgeführt werden:
  • Vor den Spachtelarbeiten sind 10 mm dicke Randstreifen an den aufgehenden Wänden zu stellen, die nach dem Erhärten der Spachtelmasse zu entfernen sind.
  • In diesem umlaufenden Randstreifen (in dem sich keine Spachtelmasse befindet) sind in einem Abstand von ca. 6 bis 10 cm Löcher mit einem Durchmesser von ca. 6 bis 8 mm durch die Dielen zu bohren.
  • Es müssen in jedem Fall Sockelleisten mit Hinterlüftung eingebaut werden.
Die drei nachfolgend aufgezeigten Schadensbeispiele bei der Verlegung von elastischen Bodenbelägen auf einen Holzdielenuntergrund sollten jedem Parkett- und Bodenleger eine Warnung sein. Alle drei erheblichen Schäden mussten die Bodenleger verantworten, da sie keine Feuchtemessung der Holzdielung durchgeführt hatten.

Schadensfall 1


Im Rahmen der Sanierung eines Schulgebäudes wurde in zahlreichen Räumen die alte Dielung entfernt und durch eine neue Dielung ersetzt. Die Dielung wurde mit einer Dispersionsgrundierung grundiert und mit einer Gipsspachtelmasse gespachtelt. Anschließend wurde ein Linoleumbelag geklebt. Bereits zwei Monate nach den Bodenbelagsarbeiten lösten sich in allen Räumen, in denen auf den neu eingebauten Dielenboden Bodenbelagsarbeiten ausgeführt wurden, der Linoleumbelag und die Spachtelmasse vom Dielenboden ab. Die Spachtelmassenschollen zeichneten sich deutlich im Linoleumbelag ab.

Schadensfall Belagsverlegung auf Holzdielen

Schadensursache


Aufgrund der Trocknungsspannungen der neuen Dielung erfolgte der Abriss der Spachtelmasse vom Untergrund. Da nahezu die gesamte Spachtelmasse vom Dielenboden abgerissen war, haben die Trocknungsspannungen des Holzes die Haftzugfestigkeit der Grundierung und der Spachtelmasse bei weitem übertroffen.

Schadensbeseitigung


Der neu verlegte Linoleumbelag und die Verlegewerkstoffe mussten vollständig entfernt werden. Nach dem Trocknen der neuen Dielen wurde erneut grundiert, gespachtelt und ein neuer Linoleumbelag verlegt.

Der Bodenleger hatte nicht die Holzfeuchte der Dielung gemessen, die war offensichtlich gerade bei der neu eingebauten Dielung eindeutig zu hoch. Deshalb musste der Bodenleger den Schaden in Höhe von 25.000 Euro verantworten. Der Bodenleger hat seinen Fehler ohne jegliche Auseinandersetzung mit dem Bauherrn akzeptiert und den Schaden zu seinen Lasten beseitigt.

Schadensfall 2


In einem 120 Jahre alten Mehrfamilienwohnhaus wurde im Erdgeschoss auf den alten Dielenboden in allen Räumen PVC-Belag verlegt. Die Dielen waren direkt auf einer Holzkonstruktion des Kriechkellers verbaut. Auf die Dielen wurde eine Gipsfaserplatte fest verschraubt. Die Gipsfaserplatte wurde grundiert, mit einer Gipsspachtelmasse gespachtelt und der PVC-Belag verklebt. Nach 18 Monaten reklamierte der Bauherr folgende Schäden:
  • Der Fußboden hatte sich in Teilbereichen abgesenkt. In diesen Teilbereichen wurde der PVC-Belag zur Begutachtung des Schadens entfernt.
  • Die Gipsfaserplatten waren feucht und brüchig.
  • Die Schraubenköpfe waren zum Teil verrostet.
  • Gipsspachtelmasse und PVC-Belag ließen sich problemlos von der Gipsfaserplatte ablösen, hatten keinerlei Haftung zum Untergrund.
  • Die Dielen waren feucht, leicht verformt, an einigen Stellen sogar eingebrochen.
  • Ein vom Bodenleger eingeschaltetes Institut für Innenraumtoxikologie stellte an der Holzkonstruktion des Kriechkellers den Befall mit dem holzzerstörenden Pilz Serpula lacrymans (Echter Hausschwamm) fest. Weiterhin wurde ein Schimmelpilzwachstum festgestellt.

Schadensursache

Schadensfall Belagsverlegung auf Holzdielen

Ein Sachverständiger stellte für den eingetreten Schaden folgende Ursachen fest: In den Kriechkeller konnte durch drückendes Hangwasser und defekter bzw. nicht mehr vorhandener vertikaler Kellerabdichtung sowie einer fehlenden Ableitung des Oberflächenwassers im befestigten Außenbereich im verstärktem Maße Feuchtigkeit eindringen. Dass es bisher noch nicht zu größeren Feuchteschäden an der Holzkonstruktion und der Dielung gekommen war, ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass die Zwischenräume zwischen den einzelnen Dielen relativ groß sind und so die Feuchtigkeit in die Räume über dem Kriechkeller entweichen konnte, ohne Feuchteschäden anzurichten. Außerdem vermutete der Sachverständige aufsteigende Feuchte aus dem angrenzenden Erdreich. Die ermittelten Feuchtewerte der Holzkonstruktion und der Dielen lagen zum Zeitpunkt des Gutachtens über den zulässigen Werten.

Durch den gewählten Fußbodenaufbau und hier besonders durch den PVC-Belag (Sd-Wert = 40 m) konnte die Feuchte aus dem Kriechkeller nicht mehr in die Räume über dem Kriechkeller entweichen/aufsteigen. Dadurch wurden die eben beschriebenen Feuchteschäden verursacht.

Dass diese Schadensursache zutreffend ist, bestätigt auch das Gutachten des vom Bodenleger eingeschalteten Instituts für Innenraumtoxikologie. Im Punkt Auswertung heißt es hier: Zusätzlich zur Bestimmung des holzzerstörenden Pilzes wurde eine Einschätzung bezüglich des Schadensalters erwünscht.

Auf der Grundlage der vorliegenden Proben wird das Schadensalter auf 1,5 bis 2 Jahre geschätzt (die Belagsarbeiten wurden vor 18 Monaten ausgeführt). Man kann nicht vollständig ausschließen, dass bereits vor den durchgeführten Sanierungsmaßnahmen im Bereich des Kriechkellers ein beginnendes Wachstum des nachgewiesenen holzzerstörenden Pilzes oder ein Altbefall vorhanden war – zweifelsfrei wurde aber das Wachstum infolge des eingebauten Fußbodenaufbaus begünstigt und sogar hervorgerufen.

Schadensbeseitigung


Der Umfang der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen wurde in Zusammenarbeit mit einem Holz- und Bautenschützer sowie einem Statiker/Planer durchgeführt. Grundlage war unter anderem die DIN 68800 Teil 4 sowie das WTA-Merkblatt 1-2-05/D. Die Gesamtkosten beliefen sich auf fast 22.000 Euro

Schadensfall Belagsverlegung auf Holzdielen

Der Bodenleger hatte zwei Fehler zu verantworten: Er hatte nicht die Dielenfeuchte gemessen und hatte auch keine Hinterlüftung seiner Fußbodenkonstruktion vorgesehen. Für die Mängel des Kriechkellers konnte er nicht haftbar gemacht werden. Bei der außergerichtlichen Einigung haben sich Bauherr und Bodenleger die Kosten für den Schaden zu jeweils 50 Prozent geteilt.

An dieser Stelle der Hinweis auf die Hinweispflichten des Parkett- und Bodenlegers: Kriechkeller aus Holzkonstruktionen in alten Gebäuden sind immer mit sehr viel Vorsicht und Bedenken zu betrachten, hier spielt fast immer Feuchtigkeit eine Rolle. Schriftliche Bedenkenanmeldung, Messung der Dielenfeuchte und eine fachgerechte Hinterlüftung nehmen den Parkett- und Bodenleger bei jeder Reklamation aus der Schusslinie.

Schadensfall 3


In vier Büroräumen im Dachgeschoss eines Theatergebäudes wurden die alten Dielen teilweise durch neue Dielung ausgebessert. Anschließend wurde grundiert, gespachtelt und ein PVC-Belag verlegt. Nach ca. fünf Monaten reklamierte der Bauherr „wellenförmige Aufwölbungen“ im PVC-Belag. Die Ebenheitstoleranzen bewegten sich am Rande der zulässigen Bereiche, Stolperkanten waren nicht vorhanden.

Schadensursache


Bei den „wellenförmigen Aufwölbungen“ handelte es sich um sogenannte Schüsselungen im gesamten Dielenboden, die sich im PVC-Belag abzeichneten. Die Spachtelmasse war fest mit dem Dielenboden verbunden, ebenso war der PVC-Belag auf der Spachtelmasse fest arretiert. Unter Schüsselungen der Dielen versteht man die Schwund- bzw Quellformen des Holzes durch Feuchtigkeitsaufnahme bzw. -abgabe. Bei konvexen Schüsselungen, also Aufwölbungen der Dielen nach oben, sind die Dielen an der Unterseite wesentlich intensiver getrocknet als an der Oberseite, die gespachtelt wurden und auf der sich der PVC-Belag befindet (sogenannte Untertrocknung).

Ein solcher Schaden kann nur durch eine fachgerechte Hinterlüftung der Dielenkonstruktion verhindert werden. Dadurch wird der Luftaustausch zwischen Raumluft und der Luft im Blindboden gewährleistet und die Auffeuchtung oder Untertrocknung der Dielung verhindert.

Schadensbeseitigung


Da sich die Ebenheitstoleranzen am Rande der zulässigen Bereiche bewegten und Stolperkanten nicht vorhanden waren, war der volle Gebrauchsnutzen des Fußbodens gewährleistet, d.h. es gab keinerlei Nutzungseinschränkungen des Fußbodens. Lediglich der Geltungsnutzen, d. h. das Aussehen der Belagoberfläche war beeinträchtigt. Sachverständige äußern sich zu dieser Problematik wie folgt: „Solche Unebenheiten liegen in der Regel innerhalb der Toleranzen der DIN 18202. Dennoch sind sie störend. Es gibt noch keine einheitliche Regelung zur Beurteilung solcher Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche von Böden. Es ist Ermessenssache der Beteiligten, diese Unregelmäßigkeiten zu akzeptieren oder nicht.

Schadensfall Belagsverlegung auf Holzdielen

Bei ausgeprägter Sichtbarkeit der Unregelmäßigkeiten ist eine Wertminderung wegen Schönheitsfehler je nach Nutzungsart des Bodens zwischen 5 % für gewerbliche Bereiche und 15 % in Räumen mit hohem Geltungsnutzen, bezogen auf den Werklohn, angemessen. Diesen Schaden muss derjenige tragen, der auch tatsächlich für die Einschränkung des Geltungsnutzen verantwortlich ist.“

Die Schüsselung und damit das Abzeichnen der Dielen kann durch geeignete Maßnahmen bis zu einem gewissen Grad durch eine nachträgliche Hinterlüftung rückgängig gemacht werden. Diese nachträgliche Hinterlüftung kann man wie folgt ausführen:

  • Vor den Sockelleisten sind Löcher von ca. 6 bis 8 mm Durchmesser in einem Abstand von ca. 10 bis 15 cm zu bohren und zwar an die Seiten, die die vollständige Hinterlüftung der Blindböden ermöglicht, praktisch im rechten Winkel zur Verlegerichtung der Dielen.
  • Diese Löcher sind mit Lüftungssieben abzudecken, um Verschmutzungen und Beschädigungen der Blindböden zu verhindern. Diese Vorgehensweise wurde auch in den vier Büroräumen praktiziert. Der Bauherr war mit der nachträglichen Hinterlüftung einverstanden.
Der Bodenleger hatte keine fachgerechte Hinterlüftung des Dielenbodens ausgeführt und auch nicht den Feuchtegehalt der Dielung gemessen. Deshalb hat der Bodenleger die nachträgliche Hinterlüftung zu seinen Lasten ausgeführt.

Wolfram Steinhäuser

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