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Workcamp Parquet 2019 Vor dem Verfall gerettet

Das Workcamp Parquet fand dieses Jahr vom 1. bis 7. September in Polen statt. 58 Handwerker aus 20 Ländern beteiligten sich an der Sanierung von alten Parkettböden auf Schloss Brzeg. Bodenlegermeister Georg Spiegel war bereits zum zweiten Mal dabei.

Es war für mich wieder ein ganz tolles Erlebnis“, sagt Georg Spiegel, Bodenlegermeister aus Vorarlberg, der bereits zum zweiten Mal bei dem internationalen Projekt Workcamp Parquet dabei war. „Es bereichert einfach meinen Horizont als Handwerker, zu sehen, wie die Kollegen aus anderen Ländern ausgebildet sind und in der Praxis arbeiten“, berichtet der Experte, der auch den Sieger des Bundeslehrlingswettbewerbs 2019, Julian Enzelsberger, auf die EuroSkills 2020 in Graz vorbereitet.

Wie René Caran, Organisator des Workcamp Parquet betont, liegt die Stoßrichtung der Veranstaltungsreihe bei der Weitergabe von altem Handwerkswissen, das für die Restaurierung von historischen Gebäuden jetzt und in Zukunft gebraucht werde (siehe auch Beitrag in der bwd-Septemberausgabe, ab Seite 66). Gleichzeitig wird bei diesem internationalen Erfahrungsaustausch, bei dem nicht nur europäische Handwerker, sondern auch Teilnehmer aus Amerika oder Australien anreisen, ein Charity-Projekt verwirklicht: Das Team rund um René Caran wählt ein Objekt aus, für das die finanziellen Mittel für eine Renovierung nicht ausreichen würden und saniert dieses kostenlos. Finanziert wird das Projekt zu 46 Prozent von den teilnehmenden Handwerkern, zu 23 Prozent über Sponsoren aus der Indus­trie und zu 31 Prozent über private Zuwendungen.

Straffes Programm

Was genau stand bei den Handwerkern in der Arbeitswoche Anfang September auf dem Programm? „Wir haben in einem Raum des Schlosses einen alten Kassettenboden herausgenommen und aufbereitet. Danach verlegten wir die Elemente neu in einem anderen, kleineren Raum und schützten sie mit einem UV-Lack. In einem weiteren Raum haben wir auf einer Fläche von 50 Quadratmetern selbst einen Tafelparkettboden aus Massivholz angefertigt und verlegt – das war eine ziemliche Herausforderung. Zusätzlich ölten oder lackierten wir noch über 200 Quadratmeter Flächen, sodass diese in neuem Glanz erstrahlen können“, berichtet Georg Spiegel.

Die größte Schwierigkeit stellte für ihn demnach vor allem die Sprache dar. „Manche Kollegen konnten leider nur sehr wenig Englisch, sodass die Kommunikation manchmal eine echte Herausforderung war. Mit Händen und Füßen ist es dann aber doch gut gegangen, schließlich hatten wir ja ein gemeinsames Ziel, das wir unbedingt erreichen wollten. So etwas schweißt zusammen, aber man hat die unterschiedlichen Temperamente schon gesehen. Bei einer solchen Größe kommt es natürlich immer zu Gruppenbildungen, das ist ganz normal.

Ich habe mich im Kreise der Kollegen aber sehr wohl gefühlt und auch viel gelernt, als ich beispielsweise zum ersten Mal mit einer Kopiersäge Herzen und andere Formen zur Übung schneiden durfte. Die alten Hasen fertigten einen sehr schönen Intarsien-Adler aus zwei Hölzern an – das ist echte Handwerkskunst. Diese Aufgabenstellungen waren nicht nur für mich neu, sondern auch für viele andere Kollegen. Genau für solche seltenen Techniken ist ja das Workcamp gedacht, weil jeder über eigene Arbeitsmethoden verfügt, die man sich dann abschauen kann. Wir mussten auch manchmal improvisieren, als beispielsweise der Unterboden in einem schlechteren Zustand als erwartet war und wir viel ungeplante Zusatzarbeit investieren mussten“, so der 32-Jährige.

Nächstes Mal wieder mit dabei

Was hat der Bodenhandwerker aus Leidenschaft von seinem Aufenthalt in Polen mitgenommen und was rät er seinen Kollegen im In- und Ausland? „Ich werde auf jeden Fall wieder mitmachen, entweder gleich nächstes Jahr in Belgien und auf alle Fälle 2021 in Russland. Ich habe nicht nur sehr viel von den Kollegen gelernt, sondern es war auch spannend und lustig in der Gruppe. Ich kann nur jedem Handwerker raten, einmal über den Tellerrand zu sehen und einfach mitzumachen.

Sicher hat man eine gewisse Schwellenangst, aber das ist aus meiner Sicht ganz unnötig, weil alles bestens organisiert ist und jeder, ob jung oder alt, von so einem internationalen Austausch nur profitieren kann. Man wächst einfach mit der Aufgabe und die Kameradschaft beflügelt einen nochmals zusätzlich. Ein herzliches Dankeschön an René Caran und sein Team für die tolle Organisation“, zieht Georg Spiegel sein ganz persönliches Resümee.

Thomas Mayrhofer

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