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Teppichböden, Designbeläge, Parkett und Laminat Über was wir 2018 sprechen

Auf der Domotex in Hannover präsentierte die Fußbodenbranche zum Jahresauftakt eindrucksvoll Neuheiten und Trends. Wir haben für Sie das Angebot gesichtet: Teppich bleibt modular und wird fotorealistisch bedruckt, Designbeläge gehen die Wand hoch.

Über was wir 2018 sprechen
Optisch bilden Metallic-Reflexe über alle Belagsarten hinweg in diesem Jahr eine dessinatorische Klammer. Hier ein Beispiel von Unilin. -

Was gibt es Neues? Diese Frage muss der objektive Messebesucher häufig mit Achselzucken beantworten. Innovationen geschehen selten aus dem Nichts heraus. In der Regel bedarf es dazu technischer Neuentwicklungen, die häufig auf der Vorstufe stattfinden. Es benötigt neue Herstellungsverfahren oder Maschinentechniken, um etwas Neues auf den Markt zu bringen. Und siehe da, auf der Domotex 2018, die vom 12. bis 15. Januar in Hannover über die Bühne ging und 45.000 Fachbesucher aus mehr als 100 Nationen anlockte, ist uns ein echter Impulsgeber für Innovationen aufgefallen: Eine neue digitale Drucktechnologie für Teppichböden.

Weltneuheit beim Teppichboden

Bis dato gilt das Chromojet-Verfahren bei Teppichböden als Maß aller Dinge. Doch das könnte sich schnell ändern. Infloor zeigte auf seinem Stand erste Teppichboden-Prototypen, die das Unternehmen aus Herzebrock mit der weltweit ersten Digitaldruckmaschine kreiert hatte. Die fotorealistischen Holz- und Steindekore bedeuten einen optischen Quantensprung. "Wir haben auf einer 1x1-Meter-Druckanlage eineinhalb Jahre Tinten, Konturschärfe und Farbvielfalt getestet“, sagt Gesamtverkaufsleiter Christian Grube. Zur Messe meldet Infloor nun Serienreife auf Basis einer vier Meter breiten Drucktechnologie. Infloor bringt im Frühjahr mit "Stock und Stein“ die erste digital bedruckte Teppichplankenkollektion auf den Markt. Mit Blick auf die Hotellerie soll die Kollektion Ende des Jahres um Bahnenware ergänzt werden. Im Gegensatz zum Chromojet-Vefahren, das Infloor pro Design auf maximal acht Farben limitiert hat, erlaubt die Colaris Digitaldrucktechnologie eine unendliche Farbvielfalt.  Infloor präsentierte auf der Domotex ein Muster, das auf einem Quadratmeter über 116.000 unterschiedliche Farben und Nuancen beinhaltete. Anders als beim Chromojet-Verfahren, wo die Farben im Vorfeld angemischt werden müssen, werden diese bei Colaris aus den vier Grundfarben im Druckprozess gemischt. Neben den technischen Möglichkeiten dürfte vor allem aber das Nachhaltigkeitsargument Chromojet zur Technologie von gestern werden lassen. Externe Prüfer bescheinigten, dass Infloor mit Colaris Digitaldrucktechnologie pro Jahr 90 % Wasser, etwa 570 Tonnen CO2 und bis zu 80 % Energie einsparen werde. Das Bundesumweltministerium bezuschusst diese Technologie übrigens. Nichts­destotrotz mag es Hersteller geben, für die die "Chromojet“-Technologie vielleicht auch in Zukunft ausreichend sein wird. Allerdings sei die Frage erlaubt: Wann ziehen Ege, Halbmond & Co. nach?

Der Trend hin zum Modularen erfährt beim Teppichboden, das zeigte die Domotex 2018, eine Bestätigung. Infloor hat vor vier Jahren mit selbsthaftenden Modulen angefangen und erwirtschaftet inzwischen 20 Prozent seines Umsatzes mit Planken. "Hätten wir dieses Segment nicht, hätten wir wahrscheinlich analog zum Branchendurchschnitt ein Minus von 16 bis 17 Prozent“, sagt Grube. So allerdings sei man in der Lage, jährlich einen kleinen Umsatzzuwachs zu generieren, der dem Thema Module geschuldet ist.

Hat der deutsche Markt endgültig seinen Vorbehalt gegenüber Teppichfliesen ausgeräumt? Vieles spricht dafür: Auf der Domotex gab das belgische Unternehmen Modulyss den Startschuss für den deutschen Objektmarkt. In Europa ist man beim Absatz der Teppichfliesen bereits das drittstärkste Unternehmen. Mit einer eigenen Vertriebsmannschaft will die Balta-Tochter in Deutschland einen Marktanteil von über zehn Prozent erzielen.

Die wichtigsten Design-Trends

Wohin geht der dessinatorische Trend bei textilen Bodenbelägen? Unser Eindruck ist: Einfache Produkte sind nicht mehr so gefragt. Wir sehen matte Optiken, Textur und 3-D-Techniken. Auch scheinen die Grenzen zwischen Wohnen und Objekt (Büro) zunehmend zu verschwimmen. Modulyss will dem Trend zum wohnlichen Büro mit  der Teppichfliesen-Kollektion "Velvet“ Rechnung tragen. Dagegen scheint im Wohnbereich die "Hochglanzphase“ ihren Zenit überschritten zu haben. Glanzeffekte werden subtiler eingesetzt als noch vor drei bis vier Jahren. Es darf auf keinen Fall billig aussehen. Schimmer statt Glimmer lautet das Motto. Das gilt vor allem für Metallic-Effekte, für die die Mode als Inspirationsquelle herhält. Optisch bilden nuancierte Metallic-Reflexe eine Belagsegmente übergreifende dessinatorische Klammer. Bei Unilin ist uns mit "50 Shades of Gold“ ein luxuriös anmutendes Laminatdekor aufgefallen, das hier die nach wie vor beliebten dunklen und matten Oberflächen mit einem Hauch von Gold veredelt. Beim Parkett zeigte der Spezialist für geölte Oberflächen, parkette.ch, einen ähnlichen Effekt.

Insgesamt beobachten wir aber bei den – auch für Laminat und PVC-Designbeläge – das Dekor vorgebenden Holzfußböden eine verhaltene Orientierung hin zu helleren, harmonischeren Optiken. Weiß bleibt natürlich wichtig, aber inzwischen darf es auch mal Cappuccino sein. Wohlgemerkt: Die Wiederbelebung des dezenten Bodens mit ausgeglichenen Sortierungen und dezenten Farbtönen ist derzeit nicht mehr als ein Lebenszeichen nach dem Motto: Hallo, uns gibt es noch! Das Astige werde, so, Robert Windfelder, Ein- und Verkaufsleiter bei Gunreben, in keiner Weise abgelöst. Mit Ästen und Rissen wird Menge gemacht. Dabei wird dieser Trend von der Parkettindustrie bewusst hochgehalten. Nach wie vor gilt die Eiche als Hauptholz. Das Problem: Der Rohstoff Eiche ist zum knappen Gut geworden. Vor allem die Nachfrage nach ruhigen Sortierungen sind bei der Eiche um ein Vielfaches höher als das, was der Markt hergibt. „Die Parkettindustrie wird ja nichts bewerben, was sie nicht liefern kann“, sagt Windfelder. Keine Frage, hier wird die Rohstoffverfügbarkeit zum Trendsetter oder eben nicht. Insgesamt gibt es bei Parkett wenig Spielraum für Neues. Am ehesten tut sich noch etwas bei Oberflächen. Supermatt und eine Rohoptik, die zunehmend von "unsichtbaren" Ölen sichergestellt wird, ist "in".

Bei der Holzfußboden-Oberflächenbehandlung zeichnet sich ein neues Verfahren ab. Genau genommen handelt es sich um die Optimierung einer bereits bekannten Trocknungsmethode, die schon einige Anläufe verzeichnete. Mit "Kinderkrankheiten“ behaftet kam der Versuch, bei der werk­seitigen Oberflächenbehandlung von Parkett Hartwachsöl mittels LED auszuhärten, in den letzten beiden Jahren in Verruf. Jetzt wagt Maschinenhersteller Axel Wirth in Kooperation mit Saicos einen neuen Anlauf. Das System "LED+X" verspricht sowohl in technischer als auch in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht einen echten Fortschritt. Weil die Aushärtung bei "Niedrigtemperatur“ abläuft, gehöre, so Max Wirth, das speziell bei Nadelhölzern gefürchtete Harzkochen der Vergangenheit an. Wirtschaftlich schlägt die erheblich längere Lebensdauer der Leuchtmittel zu Buche. Der wesentlich geringere Energieaufwand und die Tatsache, dass der Aushärtungsprozess ozonfrei verläuft, sind nachhaltige Argumente. Ob die LED-Systeme mittelfristig die bekannten UV-, Oxi- und Hybridsysteme ablösen, bleibt abzuwarten.Mit hohem Tempo schreitet die Produktentwicklung im Multilayer-Segment voran. Durch die wachsende Auswahl an Werkstoffen und Aufbauformen wird der Markt für MMF-Produkte immer vielfältiger. Der europäische MMFA-Verband hat dieses Thema aufgegriffen und auf der Messe auf einer Sonderfläche einen strukturierten Überblick über die Produktpalette der modularen Mehrschichtböden gegeben. Es sei inzwischen angesichts der Varianten und des Begriff-Wirrwarrs zwingend nötig, die Produkte nach Produkteigenschaften zu clustern, sagt MMFA-Obmann Technik, Volker Kettler.

LVT: Alles Rigid, oder was?

Das zeigt sich beim Begriff der Stunde, der im Zusammenhang mit Klick-Designbelägen "Rigid Board“ bzw. "Rigid Core“ lautet. Nahezu jeder Hersteller von Designbelägen warb auf der Messe aufmerksamkeitsstark  für sein "Rigid Board“. Derart gelabelte Produkte werden als neue Heilsbringer gefeiert. Dabei bedeutet "Rigid“ zunächst als Oberbegriff lediglich, dass entsprechende Produkte über einen "harten Kern“ bzw. eine "Versteifung“ verfügen. Im Idealfall sorgt der "Rigid Core“ für Dimensionsstabilität – beispielsweise bei Temperaturschwankungen, denen Böden hinter großflächigen Glasflächen bei Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Produkte mit 2Rigid Core“ auf Polymerbasis empfehlen sich für den Einsatz in Feuchträumen. Ist der Träger aufgeschäumt, ist das Produkt leichter und in der Lage, leichte Unebenheiten im Untergrund auszugleichen. Auch der Sound und trittschalldämmende Eigenschaften werden vom "Rigid Core“ beeinflusst. Der mehrschichtig aufgebaute Boden ist im Grunde eine weitere Designbelag-Spielart, die sich freilich anschickt, Vollvinyl-Produkte allmählich abzulösen. "Rigid Core“ bedeutet nicht automatisch hohe Qualität. Dazu genügt ein Blick auf den Markt: "Rigid-Core“-Vinyl kann man als Containerware für 17 Euro einkaufen oder für 25 Euro. Der Endverbraucher kann entsprechend gelabelte Produkte für 17,99 oder für 49 Euro finden. "Die Herausforderung besteht darin, aufzuklären, was ein entsprechendes Produkt kann und was nicht“, sagt Oneflor-Vertriebsleiter Christian Lukas. Hilfreich ist die aktualisierte Fassung der MMFA-Klassen, die seit Januar 2018 Gültigkeit hat und schwimmend verlegte, mehrschichtig aufgebaute Böden eindeutig klassifiziert. "Rigid-Core“-Produkte sind hier mit Blick auf die technischen Eigenschaften in der Gruppe 2B eingeordnet.

Designbeläge: Ran an die Wand

Ein Trend, der sich im Zusammenhang mit LVT-Designbelägen abzeichnet, lautet: Ran an die Wand. Beim Verlegewerkstoffhersteller Mapei wurde das Thema augenfällig präsentiert. Großformatige LVT-Fliesen kamen hier in einem inszenierten Wellnessbereich zum Einsatz. Mapei hat sich unter anderem in Zusammenarbeit mit Aspecta und Objectflor des Themas angenommen. Mit dem System "4 LVT“ bietet man eine Lösung zum Abdichten und Kleben von LVT in Duschen, Badezimmern und feuchtigkeitsbeanspruchten Räumen. Hier eröffnen sich für den bodenlegenden Handwerker ganz neue Wertschöpfungsmöglichkeiten.

Neue Steinoptiken erweitern dazu passend in den MMF-Kollektionen die Möglichkeiten der kreativen Raumgestaltung. Während im Objektsegment oft Varianten des modernen Beton-Looks eingesetzt werden, entscheiden sich im Wohnbereich immer mehr Kunden für zeitgemäße Interpretationen von Klassikern wie Schiefer, Granit, Sandstein oder für Marmor-Ornament-Dekore. Umlaufende Fasen und fühlbare steintypische Strukturen untermauern optisch wie haptisch die Authentizität dieser MMF-Böden.

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