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Estrich: Mit Untergrundvorbereitung richtig Geld verdienen

Die Nachfrage nach Sanierungen von Altuntergründen steigt rasant, für Boden- und Parkettleger gehören sie zum Tagesgeschäft. Wer es richtig anstellt, kann mit der Untergrundvorbereitung und einem "Upgrade" von Estrichen viel Geld verdienen.

Für die renditestarke Untergrundvorbereitung braucht es professionelles Werkzeug in den richtigen Händen. Es reicht selten, Altuntergründe wie bereits genutzte Bodenbeläge, Fliesen und Co. neu zu belegen. Reste gründlich zu entfernen, sorgt nicht nur für weniger Schadensfälle, sondern lohnt sich auch finanziell. Wie das gewinnbringende "Upgrade" von Estrichen funktioniert, erklärt Richard Kille, Sachverständiger vom Institut für Fußboden- und Raumausstattung in Köln.

Estriche gewinnbringend "upgraden"

Die Nachfrage nach Sanierungen von Altuntergründen steigt immer weiter, für Boden- und Parkettleger zählen sie mittlerweile zum Tagesgeschäft. In dieser Entwicklung liegt ein eigener Markt, den es zu erschließen gilt, denn: Die Untergrundvorbereitung bleibt eine Sache für Profis. Die wichtigsten Voraussetzungen für ein finanziell lohnenswertes "Upgrade", also eine Aufwertung von Estrichen, sind laut dem Sachverständigen Kille ausreichend Know-how sowie das passende Werkzeug. Aber was bedeutet das konkret? Worauf sollten Boden- und Parkettleger bei der Sanierung achten und wo lauern Stolpersteine? Wie kalkuliert man ein Angebot, damit am Ende etwas hängen bleibt?

„Handwerk bedeutet Untergrund“, sagt Kille. Wer Untergründe fachmännisch und gewissenhaft „upgrade“, könne daran gut verdienen und das Handwerk profilieren, denn: „Das Geld liegt unter dem Bodenbelag.“ Spricht Kille von einem „Upgrade“, so meint er im Grunde die Reparatur, die Instandsetzung des Estrichs – eine Dienstleistung, die in der Realität zu selten angeboten oder unzureichend ausgeführt wird. Stattdessen würden alte Böden oft preisgünstig geschliffen und grundiert. In einem konkreten Fall sollten der Belag auf einem alten Zementestrich auf 2.070 Quadratmetern maschinell geschliffen und abgesaugt, die Bodenflächen gereinigt, vorbereitet und mit einer lösungsmittelfreien Grundierung ausreichend ganzflächig grundiert werden.

Der Preis für einen Quadratmeter lag bei gerade einmal 2,35 Euro. Wie kommt so ein Angebot zustande? „Wir haben heute hervorragende Stripper, mit denen wir die Bodenbeläge mühelos herausstrippen können“, erläuterte Kille. Was danach vom Bodenbelag übrig bleibe, könne bei einem derart geringen Quadratmeterpreis allerdings höchstens ein wenig abgeschliffen werden. Eine Herangehensweise, die in der Praxis oft zu Rissen und anderen Schäden führt und nicht selten als Schadensfall im Streit landet. Der Sachverständige empfiehlt deshalb, alte Nutzböden und Co. immer komplett zu entfernen und nicht „einfach mal drüber“ zu arbeiten.

Das Geld liegt unter dem Bodenbelag

Altuntergründe restlos entfernen

Wer Altuntergründe wie bereits genutzte Bodenbeläge, Fliesen, aber auch Rückstände von Klebstoffen, Spachtelmassen und Co. einfach neu belegt, geht ein erhebliches Risiko ein und provoziert mögliche Schäden. „Altuntergründe müssen restlos entfernt werden. Es gibt keine Möglichkeit, sie liegen zu lassen“, warnt Kille. Seine Aussage stützt er auf Empfehlungen des Bundesverbands Estrich und Belag (BEB) sowie das TKB-Merkblatt Nr. 8 (Stand April 2015):

"Vorhandene Nutzböden sind mehrschichtige Fußbodenkonstruktionen deren obere Schicht, z. B. ein Bodenbelag, keramische Fliesen oder Beschichtungen, bereits in Gebrauch war. Vorhandene Nutzböden werden von den Normen DIN 18356 (Parkettarbeiten), DIN 18365 (Bodenbelagarbeiten) und DIN18362 (Fliesen- und Plattenarbeiten) nicht erfasst und entsprechen nicht den allgemein anerkannten Regeln der Bodenbelagsverlegung. Nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik sind vor neuen Bodenbelagsarbeiten die alten Beläge und Verlegewerkstoffe vollständig zu entfernen und der Unterboden ist durch weitere Maßnahmen vorzubereiten."

Versierte, professionelle Bodenleger, die ohne Schleifmaschine, ohne Fräsmaschine, ohne Kugelstrahlgerät arbeiteten, könne es deshalb nicht geben. „Wenn doch, dann handelt dieser Bodenleger fahrlässig“, so Kille. Bewusste Fahrlässigkeit liegt laut § 276 Abs. 2 BGB immer dann vor, wenn der Handelnde mit dem möglichen Eintritt des schädlichen Erfolgs rechnet, aber trotzdem darauf vertraut, dass der Schaden nicht eintreten werde. „Einfach das Beste zu hoffen, scheint da schon sehr bedenkenswert“, merkt Kille an. Bei unbewusster Fahrlässigkeit hat der Handelnde den möglichen Eintritt des schädlichen Erfolges nicht erkannt, hätte ihn aber bei gehöriger Sorgfalt voraussehen und verhindern können.

Ob nun bewusst oder nicht: Wird Boden- und Parkettlegern bei der Vorbereitung von Altuntergrund Fahrlässigkeit zur Last gelegt, ist die Situation im Streitfall oft aussichtslos. Alte Spachtelmassen und Klebstoffe komplett zu entfernen, empfiehlt sich auch im Hinblick auf die Nutzungsdauer von Estrich, Bodenbelägen und Co. Es sei sicher verführerisch, Böden anzuschleifen, vorzustreichen und eine Renovierungsspachtelmasse aufzutragen. „Ein schwimmender Estrich hat eine Halbwertszeit von 25 bis 50 Jahren“, so Kille. „Spachtelmasse hält zehn bis 20 Jahre, ein Linoleumbelag 20 bis 30 Jahre. Das geht einfach nicht auf.“

So viel können Sie für die Untergrundvorbereitung verlangen

Rautiefe und Textur

Gutes Handwerk hat seinen Preis und richtig zu kalkulieren gehört zu den Grundvoraussetzungen eines gewinnbringenden Upgrades. W erden alte Verlegewerkstoffschichten entfernt, sind im Objekt 14 bis 16 Euro pro Quadratmeter angemessen. Ein Betrag, der auch von der Rautiefe abhängt, denn: Je gröber die Oberfläche hinterlassen wird, desto höher ist der anschließende Verbrauch an Vorstrich und Spachtelmassen.

Die Ermittlung der Rautiefe erfolgt meist durch das Sandflächenverfahren. Kille empfiehlt, im Objekt mit Testflächen zu arbeiten und dem Bauherrn anhand von Beispielen zu präsentieren, welche Maschinen und Werkzeuge verwendet werden: „Erst dann kann ich korrekt kalkulieren.“

Maschinen und Verfahren: Die richtige Herangehensweise

Fräsen, Kugelstrahlen, Stocken oder Schleifen: In Sachen Untergrundvorbereitung führen viele Wege zum Ziel. Aber welche Arbeitsweise ist nun die richtige? „Zunächst einmal muss der Untergrund ordentlich geprüft werden“, erklärt der Sachverständige. Anschließend seien professionelle Werkzeuge das A und O. Dass aber nicht alle Verfahren zu den gleichen Ergebnissen führen, sondern Vorund Nachteile mit sich bringen, zeigt unsere Übersicht. „Estrich vertikal zu fräsen ist aus meiner Sicht ein No-Go“, so Kille. Denn wird beim vertikalen Fräsen der Mikrobereich des Estrichs beschädigt, werde dieser mürbe.

Auch dem Kugelstrahlen steht Kille skeptisch gegenüber: „ Das Kugelstrahlgerät hat keine Höhenjustierung, die Kugeln schlagen also ungefiltert ein.“ Bei Betonoberflächen sieht der Sachverständige einige Vorteile beim Stocken. In diesem relativ unbekannten und verhältnismäßig teuren Verfahren wird die Betonfläche mit einem Elektro- und Drucklufthammer mit mehr oder weniger spitzen Meißeln bearbeitet. Zum einen enstehen dadurch keine Strahlbahnen, zum anderen lässt sich der grobe Abtrag leicht absaugen. Am Ende des Tages plädiert Kille allerdings für das Schleifen : „Beim Schleifen verursache ich nicht so eine hohe Vibration. Ich schneide die Oberfläche und kratze sie nicht ab.“ Allerdings seien hierfür Kenntnisse über Diamantwerkzeuge dringend erforderlich.

Mit der Zahl der Aufträge steigen auch die Ansprüche an die Boden- und Parkettleger in Sachen Schnelligkeit und Effizienz. Sie kommen dehalb längst nicht mehr mit Messer, Schere und Klinge zurecht und sind auf Maschinen wie Diamantschleifwerkzeuge oder Werkzeuge auf Basis von PKD-Werkstoffen angewiesen. Der Sachverständige erklärt, worauf es hierbei ankommt: „Diamantschleifmaschinen schneiden mit einer großen Zahl relativ kleiner Schneidflächen aus Diamantwerkstoffen, die durch Werkzeugbindung und Maschinen in eine definierte Bewegung parallel zur Bodenoberfläche gezwungen werden.“

Eine beliebte Technik, mit dem Ziel, eine gleichmäßige Rautiefe herzustellen. Diamantschleifwerkzeuge werden vor allem für den Abtrag von thermisch unempfindlichen Untergründen verwendet. Auf der anderen Seite stehen PKD-Plaketten. „Das sind eher Fräswerkzeuge“, erläutert Kille. Polykristalline Diamanten (PKD) lassen auf Hartmetallträgern eine große Schneidfläche entstehen, mit der sich unter anderem Klebstoff von der Oberfäche nicht abschleifen, sondern abschälen lässt. „Bei dieser Variante entsteht aber ein relativ grobes Schälbild, das möglicherweise eine Rautiefe hat, die mir nicht gefällt“, fasst Kille zusammen. Die wichtigsten Verfahren im Überblick:

Vorteile Nachteile
Fräsen Tiefenwirksamkeit, erhebliche Höhenunterschiede
können effizient ausgeglichen werden.
Beschädigung des Unterbodens insbesondere in nicht sichtbaren
Bereichen, kann lose grobe Betonstücke oder abgebrochene
Kiesteile hinterlassen.
Kugelstrahlen Ein schnelles und verhältnismäßig günstiges Verfahren. Strahlbahnen sichtbar, erhöhter Materialverbrauch bei anschließender
Beschichtung, Unebenheiten im Untergrund bleiben
bestehen, angebrochene Teile werden von der Absaugung
nicht mitgenommen.
Stocken Keine Strahlbahnen, Abtrag verschließt keine Poren, ist relativ grob und leicht abzusaugen,
wenig Aufwand bei Randbearbeitung.
Bei großen Flächen hohe Werkzeugkosten, Flächenleistung
geringer als beim Kugelstrahlen.
Schleifen Fußbodenschonend, sehr gute Oberflächenzugfestigkeit und Scherfestigkeit, geringer
Materialverbrauch bei Spachtelung, Vermeiden von Strahl- und Fräsbahnen, geringer
Geräuschpegel.
Leicht erhöhte Werkzeugkosten, Kenntnis über richtige Auswahl
der Diamantwerkzeuge dringend erforderlich.

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