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Einwurf Von Walter Pitt Portemonnaie-Bürokratie

Die oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr hat eine Anweisung herausgegeben, öffentliche Bauaufträge, bei denen die Holzverendung Bestandteil der eingebauten Leistung ist, nur noch an Unternehmen zu vergeben, die eine gültige, unternehmensbezogene Zertifizierung (Chain-of-Custody- oder CoC-Zertifizierung) vorlegen können. Wenn sich künftig ein Parkettverlegebetrieb an einer öffentlichen Ausschreibung zur Verlegung eines Holzfußbodens beteiligt, muss in Bayern seit 2007 nicht nur das Holz, sondern künftig auch der Betrieb nach FSC oder PEFC zertifiziert sein. Klar, dass sich bei dem hohen bürokratischen und finanziellen Mehraufwand, der auf die Unternehmen zukäme, Widerstand der betroffenen Fachverbände regt, die ein entsprechendes Schreiben an den Staatsminister formuliert haben. Wem würde die Regelung nützen? Profitieren würden letztendlich nur diejenigen, die die Zertifizierung durchführen müssten. Das wäre höchst lohnenswert, denn nicht nur die Erstprüfung zahlloser Betriebe lässt die Kasse klingeln, sondern erst recht die laufenden Regelprüfungen. Je mehr anerkannte Mitstreiter, desto mehr Prüfungen fallen an – zum finanziellen Nutzen der betreibenden Organe. Dabei stehen die Systeme FSC und PEFC nicht außerhalb jeder Kritik. Seit Jahren wird ihnen Verbrauchertäuschung vorgeworfen, insbesondere weil sie beispielsweise bei fragwürdigen Plantagenhölzern sehr großzügig mit ihrem Freigabestempel umgehen. Den guten Willen will man der bayerischen Behörde sicherlich nicht abstreiten. Holz, dessen Herkunft man nachvollziehen kann, schafft Vertrauen. Letztlich ist es nicht entscheidend, ob der einzelne Handwerksbetrieb, der am Ende das Parkett verlegt, auch zertifiziert ist. Da kann man ja gleich den Endverbraucher mitzertifizieren. Für den lückenlosen Nachweis legaler Waldwirtschaft entscheidend sind die Stufen im Wald, im Handel und in der Industrie. Man kann den Unternehmern eigentlich nur raten, nicht an Ausschreibungen teilzunehmen, in denen auf Betriebszertifizierung gepocht wird. Aber damit würde man dem deutschtypischen Bürokratisierungswahn, der – so ganz nebenbei – auch beim DIBt in Berlin wieder ausgebrochen zu sein scheint, kein wirksames Gewicht entgegensetzen. Deshalb ist dem Schreiben der Verbände an den Staatsminister die ihm zustehende Resonanz zu wünschen.

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