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Mobile Generalisten: Gekommen, um zu bleiben

2020 sollen die mobilen Generalisten bereits ein Marktvolumen von 20 Milliarden Euro ausmachen. Was zeichnet sie aus, wie arbeiten sie und wer sind ihre Kunden? Wir stellen einen Allroundhandwerker vor, der auch Fußböden verlegt.

Mobile Generalisten
In den letzten Jahren ist die Zahl der mobilen Generalisten stark gestiegen. In einer Studie von Hagebau wird davon ausgegangen, dass diese Handwerkergruppe im Jahr 2020 knapp 20 Milliarden Euro umsetzen... -

Uwe Langers Tag beginnt um 05.30 Uhr morgens. Nachdem er die Büroarbeit erledigt hat, holt er sich aus seinem Lager, das sich direkt in seinem Zuhause befindet, die benötigten Baumaterialien. Dann macht er sich mit einem seiner zwei Kombis auf den Weg zum Kunden. Wie so oft betreut der gelernte Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, der 2008 sein Unternehmen Imtec in Leverkusen gründete, mehrere Baustellen gleichzeitig. Hier installiert er jedoch nicht nur Sanitäranlagen, sondern macht beinahe alles: vom Verputzen der Wände übers Tapezieren bis hin zum Bodenlegen.

Was ist ein mobiler Generalist?

Langers Tag ähnelt dem eines Fachmanns nur bedingt. Denn Langer ist kein traditionell arbeitender Handwerker, sondern ein "mobiler Generalist", auch "Werkstattloser", "Man in the Van" oder "Allroundhandwerker" genannt. Laut einer Studie von B+L Marktdaten im Auftrag der Hagebau sind typische Merkmale des mobilen Generalisten, dass er keine richtige Werkstatt besitzt und mehrere Gewerbe gleichzeitig ausführt.

Dass die Zahl dieser Kleinunternehmer im letzten Jahrzehnt stark gestiegen ist, zeigte die Studie, bei der 177 mobile Generalisten sowie 139 traditionelle Handwerker befragt wurden, bereits im Jahr 2015: Lag die Anzahl der Werkstattlosen im Jahr 2005 noch bei 70.000, stieg sie im Jahr 2014 bereits auf 120.000. Im gleichen Jahr erzielten diese Unternehmen, die meist nur aus einem oder wenigen Mitarbeitern bestehen, schon einen Jahresumsatz von 14,7 Milliarden Euro.

Reform der Handwerksordnung als Auslöser

Diese Zahlen zeigen: Das Umsatzpotenzial am Markt ist groß und die mobilen Generalisten sind ein Trend der Zeit, den man nicht wegdiskutieren kann. Laut Studie war ein maßgeblicher Faktor für das Wachstum der Betriebe mobiler Generalisten die Reform der Handwerksordnung im Jahr 2004, durch die 53 Handwerke zulassungsfrei wurden.

Langer, der sich schon immer selbstständig machen wollte, musste ebenfalls einen Umweg gehen, um seine Dienstleistungen im Bereich Sanitär, Heizung und Klima anbieten zu können: "Ich war lediglich ‚Fachingenieur‘ und das reichte nicht aus, um einen Heizungs-/Sanitärbetrieb zu gründen. Hierfür war die Ablegung der Meisterprüfung Voraussetzung. Aus diesem Grund meldete ich einen Betrieb für Industriemontage an", erzählt der Handwerker, dem mittlerweile der Meistertitel anerkannt wurde.

Kunden wünschen sich Dienstleistungen aus einer Hand

Uwe Langer, mobiler Generalist

Auf die Idee, mehrere Handwerksarbeiten aus einer Hand anzubieten, kam der Unternehmer, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Betriebsjubiläum feiert, erst nach gut einem Jahr: "Als ich ein Bad sanierte, bekam ich ein Gespräch zwischen meinen Kunden mit. Dabei ging es darum, dass sie sich nun noch auf die Suche nach einem Elektriker und einem Fliesenleger machen müssten."

Für Elektrikerarbeiten sei er auch heute nicht befugt, aber das Fliesenlegen brachte er sich damals selbst bei: "Ich fuhr in einen Baumarkt und kaufte mir einen Restposten Fliesen. Wenn ich Feierabend hatte, ging ich in meinen Keller und übte so lange an Rigipsplatten, Wänden und Fussboden das Fliesenlegen, bis ich der Meinung war, dass ich es gut beherrsche." Auf gleiche Weise brachte er sich auch das Verlegen von Fußböden wie Vinyl, Laminat und Parkett bei, selbst Estriche bringt der Unternehmer mittlerweile selbst ein.

Langers Dienstleistungsportfolio kommt bei seinen Kunden gut an: "Sie wollen das Komplettpaket und dabei nur einen Ansprechpartner haben, statt sich mit vielen Handwerkern auseinandersetzen zu müssen." In Langers Arbeitsalltag kommt es zudem oft vor, dass ihn seine Kunden darum bitten, neben dem eigentlichen Auftrag noch weitere Handwerksarbeiten umzusetzen.

Mobile Generalisten arbeiten häufig im Bereich Renovierung und Sanierung

"Es heißt dann oft: Wenn schon einmal ein Handwerker da ist, kann er auch noch dieses oder jenes machen. So kommt es auch mal vor, dass ich statt einer Woche zwei Wochen beim Kunden bin", sagt Langer. Nebenaufträge vergleichsweise unkompliziert umzusetzen, ist auch laut Hagebau-Studie ein Merkmal der mobilen Generalisten, die besonders oft Aufträge im Bereich Renovierung und Sanierung ausführen würden.

Obwohl Langer kein gelernter Bodenleger ist, gibt es keine Arbeit am Fußboden, die er sich nicht zutraut: "Etwas anderes als Qualitätsarbeit kann ich mir nicht erlauben. Es kommt sehr oft vor, dass Kunden negative Erfahrungen durch Billiganbieter und Billighandwerker gemacht haben. Ich werde dann darum gebeten, diese mangelhaften Arbeiten fachgerecht zu beseitigen. Ich bin zwar nicht der günstigste, aber auch nicht der teuerste Handwerker am Markt. Meine Arbeiten biete ich zum Pauschalpreis an. Und bisher gab es keine Beschwerden oder Reklamationen, eher viel Lob."

Mundpropaganda ist für mobile Generalisten sehr wichtig

Dies führt er auf die gute Qualität seiner Arbeit zurück. Seine Kunden würden ihn deshalb stets weiterempfehlen – mittlerweile habe er über 400 Bestandskunden. Auch 93 Prozent der in der Studie befragten mobilen Generalisten gaben an, dass Mundpropaganda für sie das wichtigste Werbeinstrument sei.

Damit seine Kunden, die aus allen Gesellschaftsschichten kommen, zufrieden sind, achtet Langer auch auf die passenden Produkte: "Ich arbeite nur mit deutschen Markenprodukten, da ich meinen Kunden eine Gewährleistungsgarantie bieten muss. Alles, was fürs Auge sichtbar ist, beziehe ich über den Fachhandel. Nur Materialien wie Putz, Rigipsplatten oder Spachtelmassen kaufe ich auch schon mal im Baumarkt, wobei ich ortsansässige Baustoffhändler vorziehe", erläutert er. Seine Böden, die er im System kauft, erwirbt er beispielsweise über Fachhändler in Köln, Aachen und Leverkusen.

Fachhändler passen ihr Sortiment an

Fakt ist: Es ist nicht richtig, den mobilen Generalisten pauschal zu unterstellen, dass sie sich kunterbunt ihr Material zusammenstellen – auch sie achten auf eine gewisse Qualität. Das erkennt man auch daran, dass viele Fachhändler ihr Sortiment den Bedürfnissen der Allroundhandwerker angepasst haben: Sie bieten beispielsweise Systemlösungen an, die das Arbeiten leichter machen und kleinere Fehler verzeihen.

Darüber hinaus werden hilfreiche Onlinetools wie Livechats zur Verfügung gestellt, bei denen Fragen zur Produktverabeitung innerhalb kürzester Zeit von Technikern beantwortet werden. Da viele der mobilen Generalisten aus Osteuropa kommen und nur wenig Deutsch sprechen, sind die Produktanleitungen zudem oftmals in unterschiedlichen Sprachen verfasst oder mit Piktogrammen bedruckt. 2020, heißt es in der Studie der Hagebau, wird der Umsatz der mobilen Handwerker bereits bei 20 Milliarden Euro liegen.

Gefährden mobile Generalisten traditionelle Handwerker?

Was bedeutet das für die traditionellen Handwerker? Müssen sie sich von den Allroundhandwerkern bedroht fühlen? Natürlich könnte argumentiert werden, dass die mobilen Generalisten den Fachmännern Aufträge streitig machen. Da die Baukonjunktur zurzeit jedoch gut ist und es einen Fachkräftemangel gibt, könnte eine Wiedereinführung der Meisterpflicht unter Umständen sogar zu Problemen führen. Viele der mobilen Generalisten müssten dann ihre Arbeiten einstellen und nicht alle Aufträge könnten wahrgenommen werden.

Die Zusammenarbeit mit einem Allroundhandwerker könnte aber auch zur Chance für den Fachmann werden. Langer zum Beispiel hat sich über die Jahre ein Handwerkernetzwerk aufgebaut. Qualifizierte Kollegen empfiehlt er seinen Kunden gerne weiter: "Handwerker sollten nicht für sich arbeiten. Die Hand-in-Hand-Arbeit ist das allerwichtigste."

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