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10. IHD-Kolloquium in Dresden: Zwischenstände, Ergebnisse und Ausblicke Im Dschungel der Prüfmethoden

Mehr Fragezeichen als greifbare Informationen hinterließ Dipl.-Biologe Marc Nierhaus vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zu den Auswirkungen des EuGH-Urteils auf das bauaufsichtliche Schutzniveau. In direkter Konsequenz seien die Nachregelungen für die in dem Urteil genannten Produkte – Wärmedämmstoffe, Elastomer-Dichtungen und Tore – aufgehoben. Das bedeute allerdings eine Übertragung des Urteilsinhalts auf alle anderen nachgeregelten Produkte und auch auf die Bauprodukteverordnung – trotz geändertem Rechtsrahmen. Demnach wird das DIBt die Anträge auf abZ im Bereich harmonisierter Normen nur noch bis zum 31. Januar 2016 annehmen. Die Aufhebung der BRL B Teil 1 und anderer Nachregelungen sollen bis zum 15. Oktober 2016 in Kraft treten.

Ein Blick in die Zukunft mit Gelschichten

Nach aktuellem Kenntnisstand können nicht harmonisierte Bauprodukte auch weiterhin eine bauaufsichtliche Zulassung erhalten, sofern es sich nicht um geregelte Bauprodukte handelt. Änderungen dieses Erkenntnisstandes sind allerdings möglich.

Einen Blick in die Zukunft wagte Sven Gerullis (Innovent e. V. Technologieentwicklung), mit seinem Vortrag über antimikrobielle Dünnschichten auf WPC unter Atmosphärendruckbedingungen. Die Abscheidung von APCVD (Atmospheric Pressure Plasma Chemical Vapour Deposition) und Sol-Gelschichten auf WPC und Holz seien möglich, wobei das antibakterielle und antimykotische Potential überprüft wurde. Wirkstoffkombinationen zeigten dabei die besten schimmelpilzwidrigen Effekte. Was noch sehr theoretisch und zukunftsfern anmutet, könnte durchaus einen praktischen Nutzen haben, indem die hydrophilen Eigenschaften von Oberflächen verbessert werden. Mit der neuen Technik seien auch Verbesserungen bei Verklebungen, der Haftung von Lackierungen, schmutzabweisenden Parametern oder Kratzempfindlichkeiten denkbar.

Bei thermoplastischem Oberflächenmaterial (TOM) sieht Jörg Feilschen noch viel Luft nach oben, vor allem vor dem Hintergrund der Renaissance der PVC-Oberflächen. Bei Vinylfertigböden, bei denen zunächst eine PVC/PUR-Oberfläche auf einen HDF-Träger aufkaschiert wurde und einer darauffolgenden Vermarktung massiver LVT-Beläge wird jetzt ein Aufbau ohne Melamin, Phenol, PVC, HCHO oder Papier angestrebt. „Hohe Anforderungen der Materialanmutung, der Wohnqualität, der Beanspruchung und der einfachen Reinigung und ökologischen Verträglichkeit sind auf Substrate wie Holz, Keramik, Leder oder Gummi angedacht“, sagte Feilschen, leitender Anwendungstechniker der Surteco Dekor GmbH.

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