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Austrofloor 2018 – Messung nach der KRL-Methode Ihrer Zeit voraus?

Eine Restfeuchte im Estrich kann zu teuren Schäden führen. Umso wichtiger sind genaue Messmethoden, die die Belegreife zuverlässig angeben. Dabei werden Stimmen lauter, die bewährte CM-Methode durch die neue KRL-Methode abzulösen. Zu Recht?

Wie die Feuchtigkeit im Estrich messen? Diese Frage ist so alt, wie es moderne Estriche gibt. Auch auf der Austrofloor 2018 wurde dies diskutiert. Die in Österreich noch neue Messmethode KRL, kurz für korrespondierende relative Luftfeuchte, stand dabei im Mittelpunkt. Die Sachverständigen Claus Ebetsberger, Alfred Puchegger und Werner Wiesinger stellten auf der Veranstaltung in Wien eine Messreihen-Studie vor, in der sie die gängige CM- mit der noch neuen KRL-Methode verglichen. CM ist die Abkürzung für Calciumcarbid-Methode. Aber was genau macht die KRL-Methode nun aus?

Die KRL-Methode bestimmt das Estrichmaterial-Klima. Über dieses Materialklima können Handwerker die Belegreife, ohne Kenntnis der Zusammensetzung der Estriche und somit der Sorptionsisotherme, materialunabhängig ermitteln. Die KRL-Messung kann durch das Herausstemmen von Prüfgut, aber auch zerstörungsfrei durchgeführt werden. Sie ist unabhängig von Estrichbindemittel, Mischungsverhältnis und Zusatzmitteln anwendbar. Wie die Messung mit der Entnahme von Prüfgut durchgeführt wird, ist in der bwd Ausgabe 1/19 auf den Seiten 44 und 45 beschrieben.

Zerstörungsfreie Messung

Für die zerstörungsfreie Messung benötigen Handwerker eine HM-Box. Die HM-Box ist ein digitales Messgerät, das vier Komponenten misst: Luftfeuchtigkeit und Temperatur des Material- sowie des Raumklimas. So ermittelt sie die Belegreife, speichert die Messdaten und überträgt diese mittels GSM. Die Messergebnisse können online jederzeit abgerufen werden. Bei Abweichungen können Verleger schnell reagieren, um ein optimales Klima auf der Baustelle zu schaffen. Zusätzlich protokolliert die HM-Box die Ergebnisse automatisch und die integrierte Diebstahlsicherung schützt das Gerät.

Geänderte Zemente

Warum ist das Thema Feuchtigkeit und Messmethoden in den letzten Jahren so präsent geworden? Ein Grund sind die immer kürzeren Bauzeiten. Aber auch die neuen Zementarten, die im Estrichbau eingesetzt werden, tragen zu mehr Diskussionsstoff bei. Diese neuen Zemente zeichnen sich durch ein völlig anderes Austrocknungsverhalten aus als die, die noch vor 30 Jahren eingesetzt wurden. Die Messreihen-Studie von Ebetsberger, Puchegger und Wiesinger untersucht die Messgenauigkeit der Restfeuchte im Estrich. Die Ergebnisse zeigen, dass die Belegreife der Estriche zwischen 1,4 und 2,3 Volumprozent Wasser im Estrich für alle Beläge gegeben war. Diese Differenz liegt im großen Streubereich der CM-Messung begründet. So kann ein Estrich, der mit 2,0 Prozent nach der CM-Methode gemessen wird, nach der Darr-Methode einen Wert von 1,5 oder 2,5 Prozent besitzen. Das entspricht einer Schwankung von 25 Prozent nach oben oder unten. Dies kann über Schaden oder nicht Schaden entscheiden.

Die KRL-Methode liefert laut den Sachverständigen Ebetsberger, Puchegger und Wiesinger genauere Ergebnisse. Im Ge­gensatz zur Meinung der deutschen Fachleute sagen die Österreicher aber, dass das Prüfgut für die KRL-Messung nicht über den gesamten Estrichquerschnitt, sondern nur über die obere Hälfte entnommen werden soll. Die Erklärung dafür: Wenn die untere Hälfte 90 Prozent relative Luftfeuchtigkeit aufweist und die obere Hälfte 40 Prozent, wird das Messergebnis über den gesamten Querschnitt nicht 65 Prozent – die Hälfte von 90 und 40 – sondern 90 Prozent nach der KRL-Methode anzeigen. Dies ist aber aus Sicht der drei Sachverständigen falsch.

Diese österreichische Empfehlung wurde vom österreichischen Sachverständigen­ausschuss gemeinsam mit dem ÖTI ausgearbeitet. Den CM-Werten entsprechen demnach Messwerte nach der KRL-Methode, welche in der Grafik auf Seite 73 dargestellt sind. Datenbasis bildet die Korrelationsstudie, welche in Zusammenarbeit mit der Forschung Burgenland veröffentlicht wurde. In dieser wurden auch umfangreiche Untersuchungen zu den Grenzwerten für beheizte und unbeheizte Untergründe durchgeführt. Die Korrelationsstudie zeigt, dass Zementestriche (CT), die der Zusammensetzung den Estrichmischungen aus den 1980er Jahren gleichen, den Werten in der unten dargestellten Grafik entsprechen.

Akzeptanz ungewiss

Wie die Akzeptanz der neuen KRL-Methode in Zukunft aussieht ist ungewiss. Einige Sachverständige wollten diese Messmethode in der Norm verankern. Andere Sachverständige und die Hersteller beschleunigter Estrich-Systeme lehnten dies jedoch ab. Letztere behaupten, dass ihre Estriche nach der KRL-Methode als nie trocken ausgewiesen würden. Für Ebetsberger legitimiert die „Önorm B 2236“ die KRL-Methode: Auch andere korrelierende Messmethoden sind zulässig. Die Korrelationsstudie der Forschung Burgenland bestätigt dies.

Bedeutung für die Praxis

Was bedeutet dies für einen Bodenleger auf der Baustelle? Ein bauerfahrener Jurist gab zu bedenken, dass immer die richtige Wahl für die Feststellung der Belegereife zu treffen ist. Aber die KRL-Methode wird nicht von allen Schnellestrich-Herstellern anerkannt. Aus diesem Grund wurde eine sogenannte österreichische Lösung vorgeschlagen, die es nun umzusetzen gilt. Bundesinnungsmeister der Bodenleger Ing. Georg Mayrhofer fasst diese Lösung zusammen: „Bei unbeschleunigten Estrichen, die je nach Bundesland zwischen 30 und 50 Prozent Marktanteil haben, muss der Bodenleger weiter mit dem CM-Gerät messen. Dieses empfindliche Messgerät soll der Bodenleger jedoch jedes Jahr neu kalibrieren lassen, weil dies im Streitfall zu belegen ist. Sonst wird das Messergebnis angezweifelt.“ Außerdem sollte sich aber jeder Bodenleger mit der neuen KRL-Methode vertraut machen, die in vielen Ländern längst Standard ist, und zusätzlich zur CM-Messung eine Messung nach der KRL-Methode vornehmen. Das geht zum Beispiel mit dem Einbau einer Fidbox schnell und einfach. Die Fidbox wird unter dem Boden eingebaut und misst über die Jahre alle Veränderungen im Raumklima. Aber auch mit der Prüfgutentnahme halte sich der zusätzliche Aufwand in Grenzen, wenn man schon einmal auf der Baustelle ist. Der dauerhafte Vergleich von beiden Messverfahren wird dann im Laufe der Jahre unter Einbeziehung von auftretenden Schäden ein noch besseres Bild über die Vor- und Nachteile beider Messmethoden und über ihre Aussagekraft bringen. „Jede zusätzliche Methode, die nur ein geringer Aufwand ist, ist zu begrüßen, wenn es um die Sicherheit in der Praxis geht“, so Mayrhofer.

Bei beschleunigten Estrichen bleibt die Praxis wie bisher: Der Hersteller oder Estrichleger muss eine verbindliche Verlegefreigabe schriftlich erteilen, da der Bodenleger weder die Zusammensetzung, noch die technischen Spezifikationen dieser Systeme und deren notwendigen Werte kennen kann. Diese seit Jahren am österreichischen Markt eingeführte Regelung hat sich in der Praxis bewährt. Nur diese qualifizierte Freigabe bringt sowohl dem Bodenleger, als auch dem Bauherrn die Sicherheit für eine schadensfreie Bodenkonstruktion. Alle Beteiligten sparen sich so Ärger und hohe Kosten.

Laut Ebetsberger zeigt aber die Praxis, dass es eben keine Sicherheit gibt. Puchegger hat mehrfach über verbaute Fidboxen auf Baustellen den Beweis geliefert, dass die Schäden erst sichtbar werden, wenn der Estrich – auch nach KRL – trocken ist. Die Fidboxen zeichneten auf, dass der Estrich – vom Hersteller mit CM trocken gemessen – doch nicht beleggereif war. Dies sorgt immer wieder für eine Teilschuld des Verlegers und ist für Ebetsberger eine untragbare Situation. Für weitere Diskussionen ist also sicher gesorgt.

Thomas Mayrhofer

Was unterscheidet HM-Box und Fidbox?

HM-Box

  • wird direkt auf den Estrich geklebt,
  • berechnet das genaue Datum der Belegreife,
  • Ergebnis ist per App abrufbar.

Fidbox

  • wird unter dem Holzboden eingebaut,
  • erfasst raumklimatische Verhältnisse,
  • kann bei späteren Reklamationen helfen, Ursachen zu finden.
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