Schadensfälle -

Der interessante Schadensfall: Wenn Schall durch Wände geht, wird die fachgerechte Verlegung des Bodens in Frage gestellt Hören, was der Nachbar gerade tut

Die hochwertigen Wohnungen erstreckten sich über drei Geschosse und waren gerade erst aufwändig saniert worden, als sich Nachbarn über störende Geräusche aus einem mit Ahornparkett verlegten Apartment beschwerten.

In einer ostfriesischen Altstadt war ein Gebäude aus dem 16. Jahrhundert saniert worden. Dabei entstanden über drei Geschosse sechs hochwertige Wohnungen, darunter eine, in der vorwiegend Parkett verlegt worden war.

Schadensbild

Die zweischichtigen Ahornelemente waren auf schwimmend eingebrachtem Zement-estrich verklebt worden, wobei ein Vlies für eine indirekte Verklebung des Parketts auf dem Untergrund sorgte. In der Folgezeit kam es zu Beanstandungen der Nutzer beim Bauträger, die nicht tolerable Geräusche in den angrenzenden Nachbarapartments monierten. Der Planer befand letztlich, dass falsch angebrachte Fußleisten in der Parkettwohnung dafür verantwortlich seien. Beim Ortstermin mit dem Geschäftsführer des Parkettlegebetriebs wurde reklamiert, dass ein Schallschutzstreifen fehlte, der für eine Trennung von Belag, Leiste und Wand hätte sorgen sollen. Der Auftragnehmer bemerkte seinerseits, dass dieser in der Ausschreibung nicht vorgesehen gewesen wäre, erbot sich aber, nachträglich für die gewünschte Entkopplung zu sorgen — zu Lasten des Auftraggebers. An den für die gewünschte Aufwertung des Wohnkomforts notwendigen Kosten (etwa 400 Euro) entbrannte ein Streit, der vor Gericht endete. Der Gutachter sollte zu folgenden Themen Stellung nehmen:

  • Erfolgte die Montage der Fußleisten durch Verschraubung in der Wand in dem vorliegenden Fall fachgerecht?
  • Ist es in der Region des Verlegeortes für ein Fachunternehmen üblich, Schalldämmstreifen oder Dichtbänder zwischen Leisten, Parkett und Wand anzubringen?
  • Deutet allein die vertragliche Festlegung der Verlegung eines Entkopplungsvlieses darauf hin, dass besondere Anforderungen an den Schallschutz gestellt werden?
  • Wurde durch die vorliegende Montage Schall in andere Wohnungen in nicht hinnehmbarer Weise weitergeleitet?

Schadensursache

Der Sachverständige begutachtete die Fußleisten und entfernte diese in Teilbereichen. Diese waren — wie vertraglich vereinbart — in der Wand gedübelt und geschraubt und ohne trennenden Streifen direkt im Kontakt mit dem Zweischichtparkettboden befestigt worden. Darüber hinaus wiesen sie sichtbare, aber in ihrem Ausmaß tolerierbare Spalten zum Nutzboden auf. Das Parkett war mit ausreichender Randfuge verlegt worden, Schallbrücken waren hinter der massiven Ahorn-Profilsockelleiste nicht erkennbar. Im Anschluss hielt der Gutachter fest, dass die DIN 18356 keine andere Art der Befestigung von Leisten vorsehe und dass das Anbringen mittels Schrauben und Dübeln genauso wie von Schallschutzstreifen eine besondere Zusatzleistung darstelle. Laut Verlegenorm und anderer einschlägiger Hinweise hätten diese allerdings besonders ausgeschrieben werden müssen. Es lag also kein Fehler in der Ausführung vor, denn die Leistung wurde so erbracht wie gefordert.

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