Österreich -

„Workcamp Parquet“ Mauerbach Handwerk wie im Mittelalter

Am 25. und 26. Mai machte das „Workcamp Parquet“ Station in der Kartause Mauerbach bei Wien, einem ehemaligen Kartäuserkloster aus dem 14. Jahrhundert, das heute vom Bundesdenkmalamt als Informations- und Weiterbildungszentrum genutzt wird.

Innerhalb von nur einer Woche stellte der Projektleiter des „Workcamp Parquet“, René Caran, ein Ausbildungsprojekt für den österreichischen Handwerker-Nachwuchs auf die Beine. Schauplatz: Die ­Kartause Mauerbach bei Wien. Ziel der Veranstaltungen im Rahmen des „Workcamp Parquet“ ist es, junge Handwerker zu akquirieren, die unter Anleitung von erfahrenen Handwerksmeistern auf traditionelle Art und Weise einen Parkettboden für ein ­gemeinnütziges kulturelles Projekt oder ­eine Stiftung verlegen.

Das Motto für das regionale Event in Mauerbach, das in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt Österreich stattfand, gab der Begründer des Franziskaner-­Ordens Franz von Assisi vor: „Der, der mit seinen Händen arbeitet, ist ein Arbeiter. Der mit seinen Händen und mit seinem Kopf arbeitet, ist ein Hand­werker. Der, der mit seinen Händen, seinem Kopf und seinem Herzen arbeitet, ist ein Künstler.“

In diesem Sinne waren alle Handwerker bei dieser Leistungsschau echte Künstler. Über 20 alte Handwerke – vom Metallschmelzer bis hin zum Vergolder – zeigten an einem sonnigen Wochenende Ende Mai 2019 über 1.500 Interessenten ihre Handwerkskunst aus früheren Zeiten. Die Vorführungen liefen unter dem Motto „care and repair“, bei denen es um die möglichst ­originalgetreue Restaurierung von Kulturdenkmälern geht. Mit an Bord war das Bundes­denkmalamt, das sich voll und ganz diesem Ziel verschrieben hat.

Bundesinnung tagt 2020 in Kartause Mauerbach

Wie die Abteilungsleiterin des Bundesdenkmalamtes (BDA), Mag. Astrid Huber, betonte, suche das BDA immer die Zusammenarbeit mit dem Handwerk. Sie sprach vor Ort gleich eine Einladung an die Bundesinnung aus, ihre nächste Tagung in der Kartause Mauerbach abzuhalten, um den interessierten Handwerkern die historische Parkett-Ausstellung zu zeigen, die in ihrer Art einzigartig sei. BIM Ing. Georg Mayrhofer versicherte daraufhin, dass er stellvertretend die Einladung für die Bundesinnung gerne annehme.

Für die Schaurestaurierung vor Ort zum Thema „Fachgerechte Restaurierung historischer Holz-Konstruktionen“ hatte René Caran Handwerker aus dem Museum Valašské muzeum v přírodě aus Rožnov pod Radhoštěm aus Tschechien eingeladen. Gezeigt wurde eine Rekonstruktion einer barocken Balkendecke und eines Dielenparkettbodens. Dabei wurde unter anderem mit Stierblut gearbeitet, welches mit ungelöschtem Kalk versetzt ist.

Arbeiten mit alten Werk­zeugen und Techniken

Je nach Dauer der Einwirkzeit färbt das Gemisch die Hölzer in verschiedenen Farben, die von Gelb bis Braun reichen. Das Holz wird laut der Experten aus Tschechien auf diese Weise vor mechanischen Beschädigungen geschützt.

Wenn das Gemisch mit mehr Kalk versetzt wird, entsteht eine ­pas­töse Masse, die man zum Kleben von Holz verwenden kann. Mit alten Techniken und alten Werkzeugen wurde den Besuchern eindrucksvoll vor Augen geführt, dass es auch ohne Strom und moderne Technik geht, allerdings wesentlich mühsamer und langsamer als heute.

Nach zwei langen und spannenden Tagen waren sich sowohl die beteiligten Handwerker als auch die interessierten Zuschauer einig: Alte Handwerkskunst hat auch im Digital-Zeitalter ihre Berechtigung und Notwendigkeit und wird nicht so schnell aussterben. Dafür setzen sich Leute wie René Caran europaweit ein.

Thomas Mayrhofer

Vorbildliche Aktion

Das „Workcamp Parquet“ machte im Mai Station in Österreich. Dabei wurde alte Handwerks- und Restaurierungskunst einem breiten Publikum eindrucksvoll vor Augen geführt. Dafür ist dem Organisator René Caran und seinem Team zu danken, der mit dieser Veranstaltungsreihe durch viele Länder zieht. Was aber neben der tollen Demonstration alter Handwerkstechniken bei einem Besuch der Veranstaltung noch mehr ins Auge gefallen ist, war das Bemühen des Bundesdenkmalamtes (BDA) –nicht nur für diese Veranstaltung, sondern allgemein für ein besseres Verständnis für das Handwerk insgesamt.

So führte die Abteilungsleiterin Mag. Astrid Huber nicht nur die Pressevertreter durch die Veranstaltung, sondern sprach gleich spontan eine Einladung an die Bundesinnung der Bodenleger aus, ihre nächste Tagung doch vor Ort in der Kartause Mauerbach abzuhalten. Denn dort könnten die alten und jungen Bodenleger gleich das wirklich sehenswerte Parkettmuseum besichtigen. Das soll ein verstärktes Verständnis für die historische Entwicklung des Berufsstandes der Bodenleger bewirken.

Damit hat sich das oft als bürokratisch und ein wenig als „verstaubt“ angesehene Bundesdenkmalamt als wirklicher Hüter und Bewahrer der bauhistorischen Werte nicht nur deklariert, sondern trägt mit solchen Aktionen aktiv zum Ansehen des Handwerkes allgemein maßgeblich bei. Deshalb: Bitte ­unbedingt hingehen, es lohnt sich wirklich!

Ihr Thomas Mayrhofer

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