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Fugen im Bodenbelag: Darauf müssen Sie bei der Planung achten

Fugen im Boden – ein Thema, so alt wie der Fußbodenbau selbst. Trotzdem sind Fugen bei Architekten, Handwerkern und Kunden gleichermaßen unbeliebt, denn: Ein Patentrezept für die Konzeptionierung gibt es nicht. Aber welche Arten von Fugen gibt es überhaupt? Und welche Rolle spielt der Handwerker bei der Planung?

Fugen im Boden - ein Thema, so alt wie der Fußbodenbau selbst. Der Raum zwischen den Bauteilen und Materialien ist eine technische Notwendigkeit, er gleicht Spannungen aus undbeugt Rissen vor. Trotzdem sind Fugen bei Architekten, Handwerkern und Kunden gleichermaßen unbeliebt, denn: Ein Patentrezept für die Konzeptionierung gibt es nicht. Aber welche Arten von Fugen gibt es überhaupt? Und welche Rolle spielt der Handwerker bei der Planung?

Fugen im Bodenbelag: 4 Arten im Überblick

"Der heilige Gral der Fugen ist die Bauwerksfuge, die ganze Gebäudeteile trennt", erklärte der Sachverständige Thomas Allmendinger im Rahmen des Vortragsprogramms "Forum Handwerk" auf der Domotex. Handwerker bekämen es im Fußbodenbereich jedoch weniger mit Bauwerks- als mit Bewegungsfugen zu tun: "Bewegungsfugen trennen vor allem einzelne Estrichfelder und gestatten Formveränderungen und Bewegungen." Außerdem seien Randfugen häufig Thema. Diese Fugen zwischen dem Estrich und angrenzenden Bauteilen sind laut Allmendinger ebenfalls eine Art Bewegungsfuge, haben eine schallschutztechnische Bedeutung und Randdämmstreifen sollten mindestens einen Zentimeter überstehend eingebaut werden. "Und dann gibt es noch Scheinfugen, die absichtlich eingebaut werden", so der Experte. Durch sie sollen größere oder geometrisch bedingte Rissbildungen verhindert werden bzw. sollten allzu große Felder geradlinig an den sogenannten Sollbruchstellen reißen.

Fugenschäden: 3 Beispiele

Fakt ist: Aus ein paar Millimetern Fuge wird schnell ein Streitfall. Allmendinger weiß, welche Folgen eine fehlerhafte Fugenplanung haben kann und lieferte zum Beweis gleich drei Beispiele aus seinem Alltag als Sachverständiger.

  • Fall 1: In einem neu gebauten Eigenheim inklusive Fußbodenheizung und schwankenden Raumtemperaturen stand eine Bewegungsfuge im Mittelpunkt. "In diesem Fall kam es aufgrund der getrennt steuerbaren Thermostate der einzelnen Räumlichkeiten dazu, dass sich die Estrichfelder in den einzelnen Räumen unterschiedlich ausdehnten", so Allmendinger. An den Übergängen zwischen den einzelnen Räumen sowie zum Flur sei deshalb eine Bewegungsfuge unabdingbar gewesen. Im Idealfall sei eine derartige Fuge geradlinig und am Türübergang angeordnet. In Allmendingers Streitfall befand sich die Fuge jedoch in der Mitte des Türübergangs. "So etwas passiert, wenn der Heizungsbauer selbst plant und ausführt." Alle anderen am Bau beteiligten Personen – vom Stuckateur bis zum Do-it-yourself-Handwerker – hätten die Fuge im Anschluss so übernommen. Allmendinger zufolge hätten die Handwerker und Kunden unbedingt Bedenken anmelden müssen, denn: "Durch die falsch gesetzte Fuge kam es zu Bewegung." Das Ergebnis: Fliesen, die immer wieder lose wurden.
  • Fall 2: Im Neubau einer Unfallklinik wurden Scheinfugen zum Problem. "Weil es sich um ein Krankenhaus handelte, wollte man beim Bau Fugen vermeiden", erklärte Allmendinger. Die Estrichleger stellten deshalb die Zementestrichkonstruktion vorgabemäßig mit Scheinfugen her, die nach dem Erreichen der Belegreife des Untergrunds verharzt wurden. Nach einer Zeit bildeten sich im Fugenbereich des elastischen Bodenbelags "Wurmfalten" – laut Allmendinger die Folge eines falsch gemischten Fugenmaterials: "Das Verhältnis wurde nicht exakt eingehalten, deshalb war das Material nicht hart genug, um das Bauteil zusammenzuhalten." Die Fuge blieb demnach verhältnismäßig weich, es kam zu Bewegung und die Spachtelmasse löste sich. Prinzipiell empfahl Allmendinger, Fugen zu mindestens zwei Dritteln zu verharzen. Im vorliegenden Fall sei eher ein Drittel verharzt worden. "Da es sich um eine Klinik handelte, durfte es bei der Renovierung kein bisschen stauben", so der Experte. "Das kostet viel Geld, so etwas wieder herzustellen."
  • Fall 3: Dass auch Randfugen eine Angelegenheit für das Gericht werden können, zeigte Allmendinger anhand eines Gerichtsgebäudes. Der Planer hatte sich für Hirnholzparkett auf Gussasphalt entschieden, mithilfe von Korkdehnstreifen sollte randumlaufend auf Sockelleisten verzichtet werden. " Kork kann man vielleicht als Dämmmaterial verwenden, aber nicht als Dehnmaterial", betonte Allmendinger, als er die Schadensbilder präsentierte. Was war passiert? Der verantwortliche Objekteursbetrieb hatte einen Gussasphaltestrich eingebracht. Anschließend ließen die Handwerker die Baustelle drei Tage ruhen. "In der Zwischenzeit wurde aber im restlichen Gebäude gearbeitet", so der Experte. Im Flurbereich, im Treppengebäude sowie im Obergeschoss sei Sichtgussasphalt verlegt und geschliffen worden. "Das Problem war nur, dass man Asphalt nicht ohne Wasser schleifen kann." Innerhalb von drei Tagen hielten die Handwerker die Räume also feucht, gleichzeitig waren keine Lüftungsmöglichkeiten vorhanden. Schnell wurde das Holz feucht und versuchte, sich auszudehnen. "Eigentlich war bereits die Randfuge zu gering dimensioniert. Aber der umlaufend eingebrachte Kork-Dehnstreifen verhinderte sogar die Ausdehnung des Alphalts bis an den Rand", fasste Allmendinger zusammen. Der Kork habe nicht zugelassen, dass der Asphalt sich wenigstens über den Bereich der vorhandenen Fugengröße bewegen konnte.
Fugen im Bodenbelag

Wer ist für die Fugenplanung verantwortlich?

Dass falsch geplante Fugen als Schadensfall vor Gericht landen, ist also keine Seltenheit. Aber wer ist nun eigentlich für die Fugenplanung verantwortlich? " Es ist nicht Aufgabe des Handwerkers sich zu überlegen, wo Fugen eingeplant werden müssen", betonte Allmendinger und verwies auf die DIN 18560-2 als in dieser Hinsicht wichtigste Vorschrift. "Hier steht, dass der Planer die Fugen vorzugeben hat und zwar nicht nur die Art, sondern auch wie sie abgebildet werden sollen." Planer neigten dazu, ihre Verantwortung in Sachen Fugenplanung auf die Estrichleger abzuschieben. "Der Estrichleger weiß, wo er materialbedingte Fugen braucht und setzt sie dorthin." Anschließend werde der Belag entsprechend
der Fugen verlegt. " Wenn dem Bauherrn das Endergebnis nicht gefällt, sucht der Planer ganz schnell die Schuld beim Estrichleger", warnt Allmendinger. Er empfiehlt Planern und Handwerkern deshalb, das in der Schnittstellenkoordination geforderte Koordinierungsgespräch zu führen, um wichtige Punkte vorab zu klären.

Was ist ästhetisch und funktionell eigentlich möglich? Und was lässt sich aus technischer Sicht machen? "Würden solche Fragen vor der Erstellung des Fugenplans geklärt werden, gäbe es deutlich weniger Probleme", ist sich der Sachverständige sicher. Prinzipiell rät Allmendinger Boden und Parkettlegern und Co., bei Zweifeln immer Bedenken anzumelden. " Auftragnehmer müssen vom Parkettarbeiter mindestens einen Zentimeter als Randfuge auf Gussasphaltestrichen fordern", betont er zum Abschluss.

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