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Bodenlegertage in Schladming 2019 Bodenlegertage in Schladming 2019

Die große Bodenleger-Familie traf sich Mitte Mai bereits zum 13. Mal für zwei Tage in Schladming zu den Bodenlegertagen. Im Fokus standen einmal mehr hochkarätige Fach­vorträge, der Austausch unter Kollegen sowie das gesellige Beisammensein.

Mitten in Österreich, für Tagungen gut gerüstet, liegt das Pichlmayrgut. Vom 10. bis 11. Mai 2019 bot es den passenden Rahmen für die 74 Teilnehmer und ihre Partner für die im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Bodenlegertage. Organisator BIM Ing. Georg Mayrhofer begrüßte das Fachpublikum und ging besonders auf den Zweck der Veranstaltung ein: Dieser liege einerseits in der Weiterbildung, aber auch im Netzwerken, da bei den Gesprächen in der Pause und am Abend im Kollegenkreis so manche Erfahrung ausgetauscht werde, die später im betrieblichen Alltag von hohem Nutzen sein könne.

Alles über EstrichNormen

Den ersten Vortrag des Tages hielt Ing. Robert Tucheslau, technischer Leiter des Verbandes Österreichischer Estrichhersteller (VÖEH). Der Experte mit über 45-jähriger Bau- und Estricherfahrung berichtete nicht nur über die Estrichnormen und deren Anwendung, sondern reicherte seinen Vortrag mit vielen Beispielen aus der Praxis, Fotos und Schadensfällen an. Bei den Bildern konnten die Teilnehmer der Bodenlegertage schon im Vorfeld erkennen, dass es beispielsweise bei einer falschen Anordnung von Heizkreisen oder anderen Leitungen zwangsläufig zu einem Schaden am Estrich kommen muss. Tuchelsau ging auch auf die Hintergründe der Normenarbeit ein und erläuterte, wie schwierig es sei, alle unterschiedlichen Interessen der einzelnen Marktteilnehmer unter einen Hut zu ­bringen.

„Holz vor der Hütt‘n“ – so lautete nicht das Motto einer zünftigen Hüttenparty, sondern ein Vortrag über Terrassen i­m ­Außenbereich von Bernhard Lysser, Sachverständiger aus der Schweiz, bwd-Autor, Experte ISP (Interessengemeinschaft Schweizer Parkettmarkt) sowie Mitglied von Swiss Experts, der schweizerischen Kammer technischer und wissenschaftlicher Gerichtsexperten. Lysser führte in seinem Referat aus, dass es bei der Verlegung von Terrassendielen im Außenbereich vor allem auf die Planung ankomme, um Schäden bei den bewitterten Konstruktionen zu verhindern und eine möglichst lange Lebens­dauer zu erzielen. Diese liege auch bei bester Facharbeit und besten Materialien sowie entsprechender Pflege und Wartung bei lediglich zehn bis 20 Jahren.

Terrassen im Außenbereich

Es gelte daher, im Vorfeld bei der Beratung den Konsumenten auf alle wichtigen Faktoren hinzuweisen und nicht unmögliche Versprechungen zum Beispiel in puncto Farbstabilität zu machen. „Alle Hölzer bleichen mehr oder weniger schnell aus, das muss den Kunden nicht nur gesagt, sondern noch besser anhand von Mustern deutlich gemacht werden, damit Enttäuschungen durch falsche Erwartungshaltungen erst gar nicht entstehen“, sagte Bernhard Lysser. Mit eindrucksvollen Fotos stellte der Sachverständige dar, was aus fachkundiger Sicht einen Mangel darstellt und was nicht. So seien kleinere Risse im Holz beispielsweise normal und müssten akzeptiert werden, wenn sie nicht zu Absplitterungen führten. Ebenso verhalte es sich mit „Delignifizierungen“, bei denen sich die obere Holzschicht praktisch auflöst. Optisch gleiche dieses Phämomen dem Schimmel. Dieses Erscheinungsbild könne jedoch einfach mit einem Besen entfernt werden.

Bernhard Lysser verwies im Laufe seines Vortrags auch auf die seiner Meinung nach gut gemachte Broschüre des Forschungs- und Prüfinstituts „Holzforschung Austria“, in der alle Details und Problemstellungen zu diesem Thema übersichtlich dargestellt ­seien. Auch auf WPC-(Wood-Plastic-Composite)Produkte ging Lysser in seinem Vortrag kurz ein. Diese Terrassendielen bestehen in der Regel aus 60 Prozent Holz in Form von Holzspänen und Sägemehl sowie aus 40 Prozent Kunststoff und entsprechenden Additiven. Der Verleger müsse laut Lysser unbedingt darauf achten, dass der Holzanteil bei über 50 Prozent liege, da sonst elektrostatische Aufladungen durch den hohen Kunststoffanteil entstehen könnten und die gesamte Konstruktion in diesem Fall über alle Elemente einzeln geerdet werden müsste, was einen großen Aufwand bedeute.

Mentalist begeisterte

Vor dem Abendessen stand dann ein weiterer Höhepunkt der Fachtagung auf dem Programm. Mentalist Mario Unger verblüffte und begeisterte das Publikum mit allerhand Kunststücken und besonders mit seiner Gedächtnisleistung. So konnte er eine 400-stellige Zahl in Segmenten auswendig aufsagen, genau wie 20 willkürliche Begriffe in der richtigen Reihenfolge nennen. Welche Karte steckt in der Hose eines Teilnehmers oder welches Bild haben drei Teilnehmer gezeichnet? Alle diese Fragen konnte der erfahrende Geisteskünstler blind und schnell aufklären, sodass den Zuschauern mehr als einmal der Mund vor Staunen ­offen stehen blieb. Beim Abendessen und an der Bar ergab das dann so viel Gesprächsstoff, dass so mancher erst spät ins Bett kam.

Fertigteilestriche und ­Parkett

Am Samstag ging es dann munter weiter. Ernst Weinzierl, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Parkett und Bodenbeläge für Niederbayern und die Oberpfalz, referierte über das heikle Thema „Fertigteil­estriche und Parkett“. Der Schreiner- und Parkettverlegemeister sammelte dazu laut eigener Aussage schon selbst viel praktische Erfahrung in der Vergangenheit und berät nicht nur Bauherren, sondern auch Architekten bei den Gesamtaufbauten. Sein Credo lautete, dass man als ersten Schritt eine Ist-Analyse vor Ort erstellen müsse. Dies sei zwar sehr aufwändig und müsse auch bezahlt werden.

Doch nur wenn der Verleger die Gesamtkonstruktion an der Außenecke öffne, könne er sicher sein, dass keine unschönen Überraschungen, wie Schimmel oder kaputte Konstruktionen, im Untergrund lauerten. „Erst nach dieser Bestandsaufnahme kann ein spezieller Aufbau empfohlen werden, aus dem sich dann eine mögliche Parkettbodenverlegung ergibt“, sagt Ernst Weinzierl. Es sei dabei nicht nur wichtig, die Konstruktionshöhen und Anschlüsse zu den anderen Bauteilen zu beachten. Der Verleger müsse auch an die Nachfolgegewerke denken. Sonst könne es passieren, dass eine später eingebaute Küche nicht oberhalb der Fensterkante ende oder die Raumhöhe am Ende nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entspreche.

Der Experte erläuterte die Eigenschaften, Vor- und Nachteile der einzelnen Träger − wie mineralische oder holzgebundene − und ihre Eignungen für die verschiednen Oberbelagsarten. Einen besonderen Stellenwert nehme der Schallschutz ein, der je nach Nutzungsart in den darunterliegenden Räumen mehr oder weniger wichtig sei. „Mit Versprechungen, dass eine alte Konstruktion keine Geräusche nach einer Teilsanierung mehr von sich geben wird, sollte man sehr vorsichtig sein, da jeder Mensch ein anderes Empfinden hat und auch die Gewohnheit dabei eine große Rolle spielt“, so Ernst Weinzierl. Eine objektiv messbare Schallverbesserung könne von den Bewohnern auch als negativ wahrgenommen werden, weil die Geräusche nach der Sanierung anders klingen können und noch kein Gewöhnungseffekt stattgefunden habe. Mit aussagekräftigen Bildern von Praxisfällen rundete der Referent seinen sehr informativen Vortrag ab, der die komplexe Thematik in nur einer Stunde gekonnt auf den Punkt gebracht hatte.

Zum Abschluss brachte Martin Kranl, allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger sowie eingetragener Mediator mit der Fachrichtung Bauwesen, seine Gedanken über die außergerichtliche Streitbeilegung vor. Dabei beleuchtete er den Unterschied zwischen den Aufgaben eines Sachverständigen und den eines Mediators.

Mediator statt Richter

Der Praktiker brach eine Lanze dafür, im Streitfall lieber eine Mediation zu beauftragen, bei der die Streitparteien mit Hilfe des Mediators selber eine für alle tragbare Lösung finden könnten, statt sich auf langwierige Gerichtsprozesse einzulassen. So seien ihm Fälle bekannt, bei denen der Streitwert unter 100 Euro lag und sich die Gesamtkosten nach mehreren Jahren auf mehrere 1.000 Euro summiert hätten. „Mit einer gut gemachten Mediation sind alle Parteien nicht nur besser bedient, sie sparen auch Geld, Zeit und Nerven“, so Kranls Fazit.

2021 wieder Schladming

Die Bodenlegertage endeten mit einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem sich alle Besucher einig waren: „Wir freuen uns schon auf die Bodenlegertage 2021 – wieder in Schladming und wieder mit einem spannenden Vortragsprogramm.“

Eine ausführliche Berichterstattung zu den einzelnen Fachvorträgen lesen Sie in den kommenden Ausgaben der bwd.

Thomas Mayrhofer

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