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Eichenparkett: Verfärbungen wie aus dem Nichts

Scheinbar aus dem Nichts wies ein Parkettboden Flecken auf. Lag es an ­einer mangelhaften Parkettversiegelung oder an der erst jüngst neu angeschafften Wohnlandschaft auf Rollen? Der Sachverständige brachte Licht ins Dunkel.

Eichenparkett: Verfärbungen wie aus dem Nichts
Der Sachverständige stand bei diesen Verfärbungen am Anfang der Schadensbegutachtung vor einem Rätsel. Nur eines schien klar: Es handelte sich auf keinen Fall um Druckstellen im Holz, wie zunächst vermutet... -

Der Anruf der freundlichen Dame erreichte den Sachverständigen zwischen Tür und Angel: Ihr Parkett würde sich ohne nachvollziehbaren Grund verfärben und sie wüsste weder ein noch aus. Der Parkettleger, den sie bereits um Rat gefragt hatte, würde die Ursache der Flecken auf eine unsachgemäße Nutzung schieben. Er vermute als Ursache die neuen Möbel, die erst vor kurzem geliefert und im Wohnzimmer aufgebaut worden waren. Der Kundenservice des Möbelhauses schob die Schuld an den Flecken dem Verleger in die Schuhe: Die Parkettversiegelung sei mangelhaft ausgeführt worden.

Der Sachverständige fand auf die Schnelle keine vernünftige Erklärung und bot der Hausbesitzerin an, sich die Sache vor Ort anzuschauen. Bereits die Aussicht, dass sich jemand ihres Problems annehmen wollte, wirkte auf sie sehr beruhigend.

Schadensbild

Als der Sachverständige zum vereinbarten Besichtigungstermin erschien, war er zunächst äußerst erstaunt, weil die Flecken eigentlich zu nichts im Raum passten. Die Verfärbungen waren als dunkle Stellen mit meist ovaler Form und etwa einem Zentimeter Durchmesser klar zu erkennen. Es schien, als hätte jemand Fett oder Butter auf den Boden getropft, wobei die relativ gleichmäßige Ausformung nicht zu dieser Vermutung passen wollte.

Um die Entstehung der Flecken zu verstehen, sammelte der Sachverständige zunächst alle verfügbaren Informationen ein. Schematisch fragte er die Art und Zeit der Überarbeitung des Parkettbodens ab und welche Oberflächenbehandlung denn konkret ausgeführt worden wäre. Die Auftraggeberin konnte zwar keine Produkte benennen, aber aus der Rechnung des Parkettlegers ließ sich herauslesen, dass dieser die Oberfläche des Parkettbodens mit Öl behandelt hatte.

Die Optik des Bodens zeigte aber nicht die offenporige Struktur einer Ölbehandlung. Anscheinend war ein schichtbildendes Produkt verwendet worden, das die Oberfläche geschlossen abdeckte. Dem Sachverständigen war damit klar, dass ein sogenanntes Hartwachsöl zum Einsatz gekommen war. Diese Produkte gehören weder zu den Ölen und Wachsen noch zu den Lacken. Sie sind jedoch bevorzugte Pro­blemlöser für Parkettleger, wenn sie den ölähnlichen Auftrag mit einer lackähnlichen Schichtbildung kombinieren wollen.

Schadensanalyse

Danach stellte der Sachverständige mit Hilfe einer Lupe sicher, dass es sich bei den Verfleckungen lediglich um Verfärbungen der Beschichtung handelte und nicht um mechanische Eindrücke in der Holzoberfläche. Im Anschluss wandte er seine Aufmerksamkeit dem Mobiliar zu. Ganz klar war eine Übereinstimmung zwischen der Geometrie der neu gelieferten Sitzgelegenheiten und den Verfärbungen zu erkennen.

Daraufhin drehte er einen Sessel auf den Rücken und untersuchte die Rollen auf der Unterseite. Diese waren vertrauenser­weckend breit und weder hart noch kantig. Allerdings machten die kleinen Verunreinigungen auf der Rollenoberfläche den Sachverständigen stutzig. Obwohl der Boden blitzeblank war, hatte sich ein leicht entfernbarer Belag unter anderem aus Textilfasern und Haaren auf den Rollenflächen festgesetzt.

Er fragte also nach, ob diese Rollen vom Möbelhaus auch tatsächlich freigegeben worden waren. Die Hausbesitzerin erzählte daraufhin, wie die Mitarbeiter des Möbelhauses diese Rollen als Nonplusultra dargestellt hätten und sehr ungehalten reagiert hätten, als sie die Eignung für ihr Parkett nachgefragt hatte. Letztlich erschienen ihr die Versicherungen der Mitarbeiter glaubwürdig, da die mehrere Monate früher ­gelieferte Couch keine Flecken verursacht hatte.

Der Sachverständige wandte sich daraufhin der Couch zu und stellte diese ein Stück zur Seite. An der Vorderseite kamen große Gleiter aus Hartplastik zum Vorschein, an der Rückseite waren Rollen aus demselben Material wie unter den Sesseln angebracht. Unter den Rollen hatten sich bereits dunkle ­Flecken gebildet, die deutlich größer ausfielen als die Rollenbreite.

Für den Sachverständigen war das Rätsel nun gelöst: Es handelte sich um eine sogenannte „Weichmacherwanderung“. Die Vielzahl der kleinen Verfärbungen war bedingt durch das tägliche Verschieben der Sessel. Die relativ kurze Zeit des Stillstands hatte ein untypisches Schadensbild entstehen lassen. Die graue Farbe zeigte nicht die typischen dunklen Abdrücke, wie sie ­beispielsweise Gummifüße hinterlassen können.

Schadensbeseitigung

Da die Weichmacher nur in Kunststoffe wandern, aber nicht in das Holz selbst, konnten die Flecken mit einem feinen Abtrag mit Hilfe einer Ziehklinge entfernt werden. Eine Nacharbeit mit dem bereits verwendeten Hartöl-Wachs wäre auch in Teilbereichen möglich. Mit einer Einscheibenmaschine könnten Glanzgradunterschiede und Ansatzspuren egalisiert werden und danach das Hartölwachs wie ein Polish als Finish dünn aufgetragen werden.

So machen Sie nicht die gleichen Fehler

  • Eine Beschichtung mit Hartöl-Wachs vereint zweckdienliche Eigenschaften der Öle und Lacke, kann aber nicht alle Probleme lösen.
  • Hartwachs-Öle können wie Lacke Weißbruch in den Fugen zeigen und sind empfindlicher – bei Weichmacherwanderung – als imprägnierende Öle.
  • Weichmacher können aus Möbelrollen, Kunststoffgleitern und Lautsprecher­sockeln und gerne auch aus Teppichunterlagen auswandern und in den ­angrenzenden Kunststoff, zum Beispiel in eine Parkettversiegelung, eindringen.
  • Dunkle Gummifüße bei Möbeln und Lautsprechern enthalten oft Rußpartikel, die schwarze Flecken auf dem Boden verursachen können.
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