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Kommentar Von Walter Pitt Eiche, aber mit Charakter

Der Tropenholzanteil bei Holzfußböden ist merklich zurückgegangen und in Deutschland und seinen Nachbarländern überschaubar geworden. Eiche dominiert den Markt wie nie. Eigentlich müsste man frohlocken, dass ein Holz aus der Heimat den absoluten Vorrang innehat vor entfernten Arten mit ihren irre vielen Transportkilometern vom Ort des Einschlags bis zu dem der Verwendung. Doch die Eiche, die deutsche Wohnzimmerböden ziert, ist längst nicht immer heimisch. Sie stammt oftmals aus den östlichsten Regionen unseres Erdteils oder gar aus der Mongolei bzw. aus den riesigen russisch-chinesischen Laubwaldgebieten. Es gibt Parketthersteller aus südostasiatischen Ländern, in denen nachweislich keine einzige Eiche natürlich wächst, die trotz dieses Mankos bis zu 90 Prozent ihrer Fertigungsmenge exakt aus Eiche bestreiten. Nun muss man nicht unterstellen, dass sie aus illegalen Quellen stammen, deren Handel mittlerweile durch EU-Gesetze verboten und deren Herkunft mit modernster Analytik nachweisbar ist. Aber allein das Wissen um die Transportwege der Parkettlieferungen aus denjenigen Manufakturen, in denen tausende von Mitarbeitern die Dielenoberflächen so bearbeiten, wie es derzeit bei uns Mode ist, macht nachdenklich. Galt nicht die These, dass es für die dortigen Wälder besser wäre, wenn man die dort heimischen Arten vermehrt und mit nachvollziehbaren Herkunftsnachweisen nutzte, so wie man es Anfang der 90er Jahre nach den zweifelhaften Boykottaufrufen getan hatte. Es war eben nicht mehr als eine, wenn auch nachvollziehbare These, denn das Geld für die wertvollen Hölzer kam selten beim Besitzer der Waldflächen in dem Maße an, dass er davon seine Ressourcen forstwirtschaftlich hätte erhalten können. Lösen wird man die Regenwaldproblematik wohl nie, denn der weltweite Bedarf bestimmt das Geschehen mehr denn je. Man kann einem Hersteller nicht verbieten, das herzustellen, was der Markt verlangt. Wer sollte das auch tun? Doch ein bisschen Lokalkolorit kann in unserer globalen Welt nicht schaden. Naturprodukte benötigen immer auch Marktnähe, um ihren ureigenen Charakter in vollem Umfange zu entfalten. Das gilt auch für Holz. Deshalb lohnt es sich, auf diejenigen Hersteller zu setzen, für die die Produktion einer Eichendiele nicht automatisch endlose Transportdistanzen nach sich zieht. Dazu gehört Vertrauen und auch das ist durchaus entfernungsabhängig.

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