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Böden aus Holz Die Zeit ist reif für etwas Neues

Was darf es sein: Kastanie, Buche oder europäischer Ahorn? Trotz dieser enormen Holzartenvielfalt ist der Markt in Europa derzeit genauso eichenlastig wie eintönig. Warum das so ist und warum sich ein Nachdenken über Alternativen lohnen könnte.

Die Zeit ist reif für etwas Neues
Warum immer nur Eiche verwenden, wenn es doch so viele alternative Holzarten gibt? Besonderheiten, wie zum Beispiel der verantwortungsvoll bewirtschaftete Amaranth, erweitern jedes Parkettangebot sinn... -

Auf dem europäischen Parkettmarkt ist Eintönigkeit statt Vielfalt eingetreten. Das gilt zumindest für die Holzartenauswahl. Folgt man den jährlichen Zahlen der Europäischen Föderation der Parkettindustrie (FEP) ist die Eiche mit mehr als 80 Prozent dominierende Hauptholzart (siehe Grafik Seite 35). Lediglich die Buche und die Esche erreichen mit 2,5 Prozent beziehungsweise 5,7 Prozent Werte, die gerade noch nennenswert sind. Alle anderen Hölzer weisen nur sehr geringe Anteile auf, von Birke und Kastanie mit 0,2 Prozent bis zu Walnuss und Kiefer mit 1,2 Prozent. Zugegeben: Die Eiche galt in vielen europä­ischen Ländern schon immer als Hauptholzart, da sie auf dem Boden gut geeignet, vertraut, aber eben auch verfügbar war beziehungsweise immer noch ist. Daneben konnte die Forstwirtschaft diese Holzart nachhaltig nutzen und anbieten. Doch nicht immer genoss die Eiche eine solche Dominanz.

Entwicklung des Marktes

In den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam viel Bewegung in den Markt. Mit dem Wohntrend der damaligen Zeit und der wachsenden Fertigparkettindustrie kamen helle Holzarten wie die Buche, die als Massivparkett schon immer skeptisch beurteilt wurde, zu massiven Steigerungsraten und kitzelte sogar am Vorrang der Eiche. Die amerikanischen Holzarten wurden interessanter, allen voran der kanadische Ahorn und die Kirsche. Auch der traditionell schon immer beliebte Nussbaum gewann neue Freunde. Daneben lieferten die Skandinavier Birkenhölzer und allmählich wurden speziell in Mitteleuropa nach dem letzten Aufschwung in den 70er-Jahren auch wieder Exotenhölzer bekannt. Die Hersteller protegierten Hevea als günstigen Eichenersatz mit einer interessanten Herkunftsstory und nach und nach machte man wieder Parkett aus afrikanischen, südostasiatischen und vor allem brasilianischen Hölzern, die man bis dato kaum kannte. Länder wie das plötzlich parkettliebende Spanien und das exotenaffine Italien waren mit diesen Holzarten zwar schon immer vertraut, in Deutschland kannte man jedoch lediglich Wenge, Kambala, Afzelia oder vielleicht Merbau. Jatoba, Moabi, Cabreuva, Ipe, Teak oder Muiracatiara waren den Parkettfachleuten hingegen unbekannt.

Holz aus fernen Kontinenten

Weitere Holzarten drängten auf den Markt und ergänzten das Angebot. Aus China wurde mit sehr gezieltem Marketingaufwand der botanisch verwandte Bambus gefördert. Selbst mit Eukalyptusarten aus Australien versuchten deren Protagonisten, Anteile zu erwerben. Parkettfachleute durften sich mit Spezialitäten wie Olive oder Padouk auseinandersetzen, auch Obsthölzer wie Apfel, Birne, Zwetschge oder Aprikose tauchten auf. Nationale Besonderheiten waren ebenfalls präsent.

Zu viel Eintönigkeit

Doch heute hat sich vieles geändert. Neben der Eiche versucht man es allenfalls mit der Buche, an der man sich inzwischen satt gesehen hat. Zudem weist das Holz technische Besonderheiten auf, die Parkettfachleute kennen müssen. Andererseits ist Buche sehr gut modifizier- und behandelbar. Vor allem ihre Verfügbarkeit spricht dafür, dass sie der Eiche zumindest in Deutschland wieder Konkurrenz machen könnte. Die Esche ist zwar ein gutes Fußbodenholz und auch optisch akzeptiert, leidet aber unter ihrem dunklen Kernholzanteil und mittlerweile unter einem Eschentriebsterben, das einer Absatzsteigerung im Wege steht. Der Nussbaum hat immer Freunde und auch einige Nadelhölzer, wie die gute alte Kiefer, die Douglasie und die Lärche, sind im Zuge des Großformattrends im Ansehen gewachsen. Exoten sind hingegen deutlich zurückgegangen. Palm- oder Sojaölplantagen, die mehr finanziellen Nutzen versprechen, bedrängen die Tropenwälder zunehmend. Transportwege werden hinterfragt und China braucht immer noch Unmengen an Holz für den weiteren Aufbau des Riesenreiches. Illegale Transporte der exo­tischen Holzarten auch nach Zentraleuropa haben dem Image geschadet, was nicht unbedingt sein müsste. Denn beim gezielten Hinsehen findet man immer noch viele gute Ansätze sinnvoller Holznutzung in diesen Ländern.

Gemeinsam Lösungen finden

Vielleicht schafft man es, in gemeinsamer Anstrengung an der gegenwärtigen Situa­tion zu arbeiten. Das würde allen nutzen: den Lieferanten, Produzenten und Verbrauchern. Einheimische Hölzer wie Kastanie, europäischer Ahorn, Birke oder Robinie müssen wieder an Boden gewinnen. Würde man die Bearbeitungsmöglichkeiten der Eiche in den Fokus dieser Holzarten rücken, wäre das Holzartenspektrum für den Fußboden auch wieder interessanter und dem vorherrschenden Plastikwahn wäre etwas Einhalt geboten.

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