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Die häufigsten Fehler bei Hirnholzparkett und Holzpflaster

Kein anderes Produkt im Holzbodensegment weist derart große Risiken zu Schäden auf, wie Hirnholzparkett oder Holzpflaster. Für die fachgerechte Verarbeitung auf der Baustelle muss der Parkettleger große Sachkenntnis und viel Erfahrung mitbringen.

Was bei Hirnholzpsrkett zu beachten ist
Holzpflaster aus alten Eichenfässern in einer Weinhandlung. -

Heute wird in der modernen Architektur öfters ein Holzboden aus rechteckigen oder quadratischen Klötzen im Wohnbereich, in öffentlichen Anlagen oder sogar hochrepräsentativen Begegnungszonen eingebaut. Holzpflaster waren jedoch bei ihrer „Erfindung“ typische Bodenbeläge für extrem beanspruchte Industrie- oder Handwerksbereiche. Stimmen die Bedingungen von Material und Einsatzort, ist es heute aber immer noch und ebenso möglich, derartige Holzböden in anderen als Industrieorten zu verwenden.

Kein anderes Produkt im Parkettsegment weist jedoch derart große Risiken zu Schäden auf, wie Hirnholzparkett oder Holzpflaster. Letzteres wird heute oft auch aus Eiche hergestellt und liegt somit noch heikler vor, als Klötze aus Fichte, Tanne oder Lärche.

Verlegetechnik

Holzpflaster und Hirnholzparkett weisen stehende, d.h. senkrecht zur Estrichoberfläche verlaufende Fasern auf. Daraus resultieren sowohl in der Länge, als auch in der Breite der Klötze, große und schnelle Maßveränderungen aus Klimaschwankungen mit Quellen im Sommer oder Schwinden im Winter.

Früher, also vor dem Zeitalter von modernen, elastischen und lösemittel- sowie wasserfreien Klebstoffen, erfolgte die Verlegung von Holzpflaster oder Hirnholzparkett mit Dispersionsleim oder dauerweichem Bitumen. Dazu wiesen die Verlege­elemente von Hirnholzparkett oberseitig aufgeklebte Papiere ohne Löcher auf, welche die Klötze zusammenhielten. Der Dispersionsleim, mit Wasseranteil, feuchtete das Holz nach dem Einlegen und Anklopfen sofort auf der Unterseite auf. Das Anlösen des oberseitigen Papiers mit Wasser und Schwamm führte ebenso schnell zu Quellungen oben in den Klötzen. Beides zusammen ergab Maßvergrößerungen von etwa 10 mm über 100 cm Bodenlänge und -breite, und dies innerhalb von wenigen Minuten.

Was bei Hirnholzpsrkett zu beachten ist

Die Rücktrocknung der Holzwürfel nach drei bis vier Tagen erzeugte schluss­endlich feine Fugen rund um jeden einzelnen Klotz und genau dieser Spielraum war notwendig, um im Sommer den natürlichen Quelldruck aufnehmen zu können, ohne dass ein riesiger Druck über die ganze Fläche resultierte. Jeder Holzklotz konnte sich ohne Gegendruck wenig vergrößern. Nicht selten bezahlten Sachunkundige, also Parkettverleger, welche zum ersten Mal mit Hirnholz hantierten, viel Lehrgeld und verlegten Hirnholzparkett gleich zwei Mal, da zuerst die Gutseite der Verlegeeinheiten nach unten zeigte, das heißt, das vollflächig aufgeklebte Papier nach unten in den Kleber gelangte!
Auch die Unterkonstruktion betreffend diente nur allerbeste Qualität.

Neue Estriche in der höchsten Festigkeitsklasse sind auch heute bestens geeignet, aber ebenso gefordert, um direkt aufgeklebtes Holzpflaster oder Hirnholzparkett schadenfrei aufnehmen zu können. Spachtelungen für Höhenanpassungen, Ausebnungen oder dergleichen werden jedoch von den Spachtelmassenherstellern kaum unter Holzpflaster oder Hirnholz freigegeben. Zu groß treten die Scherkräfte horizontal auf bei Holzpflaster und Hirnholzparkett.

Auch alte Estriche, eventuell noch mit Klebstoff- oder Spachtelmassenrückständen, sind nicht geeignet für die Aufnahme von schubfest verklebtem Parkett mit stehenden Fasern. Eine Verklebung von Holzpflaster oder Hirnholzparkett sollte möglichst direkt und ausschließlich auf ordentlich feste, saubere und trockene Estriche erfolgen.

Problematik

Mit dem Einzug von modernen Klebern, wasser- und lösemittelfrei, begannen vor einigen Jahren die Schadenmeldungen über neue Klotzböden wegen abgelöstem und aufgewölbtem Holzpflaster oder ­Hirnholzparkett, vor allem im Sommer. Warum?

Beim Einbau werden die Klötze oder Verlegeelemente möglichst ohne Fugen sauber und satt zusammengezogen sowie mit Elastkleber fixiert. Der Bauherr wünscht bekanntlich keine Fugen im neuen Boden. Im Sommer wirken sodann Quelldrücke aus dem Holz über die ganze Raumfläche, welche ohne Fugen aus „einem“ Stück Parkett besteht. Tonnen von horizontalen Schubkräften werden ausgelöst und die meisten Estriche können die extremen Scherkräfte nicht ohne Rissbildungen aufnehmen.

Soll Hirnholzparkett oder Holzpflaster ohne Schaden seinen Dienst erweisen, erfordert dies spezielle Vorkehrungen seitens Parkettverleger und notwendige Fugenbildungen beim Einbau mit einem lösemittel- oder wasserfreien Klebstoff. Zwischen allen Klötzen sind allseitig schmale Fugen auszubilden, welche in der Summe über 100 cm Verlegtmaß eben ca. 10 mm ergeben, in der Länge und Breite! Dadurch kann das Holz in der Feuchtwetterphase ohne Gegendruck und „frei“ quellen. Überbelastungen der Bodenkonstruktionen im Sommer, bei natürlicher Feuchteaufnahme des Holzes, werden vermieden.

Zur sachgerechten Verlegung, speziell von Holzpflasterklötzen, gehört auch das Einlegen des Holzes von oben in den Leim, ohne seitliche Verschiebung der Klötze oder Verlegeelemente im Leimbett selber. Werden die Holzteile im Klebstoffbett verschoben, wird Leim zwischen die Klötze hochgepresst, was seitliche Verklebungen auslöst und Unregelmäßigkeiten im Boden provozieren kann, wie z.B. unregelmäßige Fugenbildungen.

Schadenereignis / Praxisfall

Anfangs Sommer begann die vollflächige Verklebung von Holzpflaster Eiche, in Klotzgrößen von 80 × 55 × 30 mm, auf neue Verbundestriche aus Zement. Zum Einsatz gelangte ein 1K-Elastklebstoff. Der Neubau einer Ladenanlage über zwei Stockwerke umfasst total ca. 1.200 m2 Holzpflasterböden in den Erschließungsflächen, also Eingänge und Korridore/Vorplätze. Die verschiedenen Verkaufsflächen selber weisen andere Beläge auf.

Was bei Hirnholzpsrkett zu beachten ist

Bereits wenige Tage nach dem Einbau von Holzpflaster in den ersten Teilflächen, aber noch vor der Oberflächenfertigstellung durch Schleifen und Ölen, lagen diverse Bodenbereiche mit Ablösungen und Aufwölbungen bis hin zu Ausbrüchen des Holzes vor. Unten am Holz verblieb immer eine dünne Schicht Estrichmörtel. Kleberrückstände auf dem Estrich waren kaum vorhanden. Das Holzpflaster selbst stand dazu unter einem riesigen Quelldruck.

Große Diskussionen unter den Parteien über eine allfällig zu geringe Festigkeit des Mörtels oder eine unsachgemäße Verlegung führten sodann zu Beurteilungen durch verschiedene Experten. Vor Ort wurden unter anderem auch Haftzugmessungen am Estrich vorgenommen, wobei die Werte von weit über 3 N/mm2 als sehr gut und geeignet zur Aufnahme von Holzpflaster eingestuft werden konnten. Die Holzfeuchte im verlegten Eichenpflaster betrug beim Augenschein vor Ort ca. 8,5 % bei 24 °C Raumtemperatur und ca. 48 % relativer Raumluftfeuchte. Auch diese Werte lagen für Sommerbedingungen und Neubau absolut normal vor und konnten nicht beanstandet werden.

Als nicht mehr ganz normgerecht stufte der Experte die Holzfeuchte des unverlegten Eichenholzes, verpackt in Schrumpffolie, ein. Diese betrug etwa 4 bis 6 %, auch nach Messungen im Labor durch Darren. Freilagernd, also ohne Verpackung herumliegende Verlegeelemente aus sechs Klötzen Holzpflaster Eiche, mit Originallänge von genau 480 mm, maßen bereits nach wenigen Tagen 485 mm Gesamtlänge und wiesen eine Holzfeuchte von eben ca. 8,5 % auf.

Zusätzlich stellte der Experte fest, dass die eingebauten Verlegeeinheiten seitlich an den Klötzen hochgepressten Leim aufwiesen, und dies bis fast 1 cm hoch. Diese Seitenverleimungen verhinderten ebenso ein minimal mögliches „Wachsen“ der Holzteile oder würden im Winter ein ungehindertes Schwinden der Einzelklötze beeinträchtigen.

Was bei Hirnholzpsrkett zu beachten ist

Schadensursache

Die Ursache der großflächig aufgetretenen Holzbodenablösungen war in der zu tiefen Holzfeuchte des gelieferten Holzpflasters sowie in der Verlegetechnik ohne Fugenausbildung zwischen allen Klötzen zu suchen.

Für diesen Einsatzort hätte das Material mit einer Holzfeuchte von ca. 7 bis 8 Prozent geliefert und verlegt werden sollen. Zusammen mit Fugen von gesamthaft ca. 10 mm über 100 cm Holzlänge/-breite hätten die Eichenklötze im Sommer natürlich auf etwa 10 bis 11 % auffeuchten sowie ungehindert quellen und sodann im Winter austrocknen können, ohne dass übermäßig breite Fugen entstanden wären.

Schadensbehebung

Da in nützlicher Frist nicht genug neues Holzpflaster hergestellt werden konnte, wurden die bereits gelieferten, aber noch nicht verbauten Verlegeelemente ausgepackt und einer natürlichen Auffeuchtung durch das Sommerklima mit hohen rel. Luftfeuchtigkeiten ausgesetzt. Mit einer Holzfeuchte von ca. 7 bis 8 % erfolgte anschließend die Neuverlegung. Nur wenig fehlendes Material musste noch nachgeliefert werden.

Heute liegt das Holzpflaster hoch repräsentativ vor und erfüllt seinen Dienst zur Freude der Shoppingbesucher. Die minimale Fugenkonstruktion beim Verlegen des Holzes reicht aus, um den Quelldruck im Sommer schadenfrei aufnehmen zu können.

Bernhard Lysser ist Experte ISP und
Mitglied von Swiss Experts, der
schweizerischen Kammer technischer
und wissenschaftlicher Gerichtsexperten.

Worauf es beim Verlegen von Holzpflaster ankommt
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