Österreich -

bwd im Gespräch mit Johann Eder, Geschäftsführer von Moldan Dem Rohstoff so nah

2010 kaufte das Familienunternehmen Salzburger Sand- und Kieswerke den börsen­notierten Konzern Moldan. Seitdem wurde viel investiert und umgekrempelt. Moldan gilt heute als Spezialist für Putz, Estrich, Mörtel, Beton und Spezialbaustoff.

bwd Sie haben gemäß der Familientradition Bergbau studiert und sind dann in das Familienunternehmen Salzburger Sand- und Kieswerke eingestiegen. Mit dem Kauf von Moldan ist auch dieser Betrieb wieder zu einem Familienunternehmen geworden. Ist diese lange Tradition eine Belastung oder ein Vorteil?

Eder Ich sehe Tradition und langjährige Werte ganz sicher als Vorteil und nicht als Belastung. Nur wer starke Wurzeln hat, kann auch gut wachsen. Wir setzen hier bei Moldan auf eine eindeutige Qualitätsausrichtung, um uns vom Mitbewerb abzuheben. Wichtig ist uns auch die Verbindung mit den Verarbeitern unserer Produkte. Nur wenn diese gut geschult sind, wird aus einem guten Produkt auch ein guter Teil eines Bauwerkes.

bwd Worin sehen Sie den Unterschied zwischen einem Konzern und einem Familienunternehmen?

Eder Wir als Familienunternehmen können in viel längeren Zeiträumen denken, als ein Standort eines börsenorientierten Konzerns, der seine Quartalsergebnisse optimieren muss. Wir haben nach dem Ankauf des Unternehmens einen großen Investment-Stau abarbeiten müssen, weil früher eben mehr auf die Ausschüttungen, als auf die Zukunft geachtet wurde. Die Jahre der Investitionen, die sich jetzt aber auszahlen, waren für uns sehr herausfordernd.

bwd Worin haben Sie investiert?

Eder Wir haben nicht nur die Steuerungstechnik komplett erneuert, sondern auch und vor allem in die Silos und den Fuhrpark investiert. Ein weiteres Großinvestment war die neue Abfüllstation mit Kunststoffsäcken, die unsere feuchtigkeitsempfindlichen Produkte optimal schützen und somit Verluste durch vorzeitige Erhärtung ausschließen.

bwd Welchen Werten fühlen Sie sich verpflichtet?

Eder Wir setzen neben unserer Qualität voll auf Nachhaltigkeit. Wir dürfen keinen Raubbau an der Natur betreiben, wir müssen umweltbewusst arbeiten. Mit unseren natürlichen Baustoffen schaffen wir eine natürliche und angenehme Wohnatmosphäre für Wohn- oder Arbeitsstätten. Wir arbeiten ständig an neuen, noch besseren Rezepturen. In unserem Labor sind mit sechs Personen ein Zehntel unserer Gesamtbelegschaft damit und mit der permanenten Qualitätssicherung beschäftigt.

bwd Wie hoch ist der Anteil der Estrichmörtel am Gesamtumsatz und wie entwickelt sich dieser?

Eder Wir machen an die zehn Prozent unseres Gesamtumsatzes mit Estrichen und Spachtelmassen. Wir liefern an Estrich- und Bodenleger ebenso, wie an den lokalen Baustoff-Fachhandel, da unsere Produkte aus Kostengründen nicht über weite ­Strecken zu transportieren sind. Wir legen viel Wert auf Schulung und Betreuung unserer Kunden, weil die Verarbeitung eben sehr wichtig ist.

bwd Unterstützen Sie aus diesen Gründen das Lehrlingscamp der Bodenleger?

Eder Das machen wir schon seit vielen Jahren sehr gerne. Mit Heinz Schmiedlechner als Produktmanager Boden haben wir einen exzellenten Fachmann, der sein Wissen gerne an die Jugend weitergibt und dabei sehr engagiert ist. Ich persönlich stehe voll hinter der Nachwuchsförderung, schließlich brauchen wir auch noch morgen und übermorgen gut ausgebildete Facharbeiter, die unsere Produkte perfekt verarbeiten können. Die Lehrlinge sehen bei uns in der Praxis, wie viele Arbeitsschritte notwendig sind, bevor vom Rohstoff im Berg ein ver­arbeitungsfertiges Produkt entsteht. Der Trend geht schon seit einigen Jahren weg von den plastischen Estrichen hin zu den Fließestrichen, die nicht nur viele technische Vorteile wie Fugenfreiheit und besondere Ebenflächigkeit mitbringen, sondern auch viel leichter zu verarbeiten sind. Das wird vom Markt immer besser angenommen.

bwd Wie sehen Sie die Zukunft?

Eder Wir werden weiterhin unsere Familienwerte hochhalten und unsere natürlichen Produkte in bester Qualität mit bester Beratung bereitstellen. Wir müssen diese Geschichte hinter den Produkten noch besser für die Endkunden erzählen, damit sie auch den Wert erkennen und schätzen können. Dann werden wir nicht nur die Gesamtproduktion, sondern vor allem auch den Estrich-Bereich deutlich steigern. Wir werden hoffentlich auch noch in den nächsten Jahrzehnten hier am Ort Rohstoffe abbauen und daraus umweltfreundliche Baustoffe produzieren.

Mit Johann Eder sprach bwd-Redakteur Thomas Mayrhofer am österreichischen Firmensitz von Moldan in Kuchl im Salzburger Land.

Moldan im Überblick

1919 Beginn der industriellen Produktion: Die erste Seilbahn wird errichtet, ein Elektrizitätswerk und drei Harzer ­Gipskocher.

1972/1973 Bau von Brennanlagen in Danburg und Mühlburg ­sowie mehrheitlicher ­Einstieg der Heidelberg Zement Gruppe. 2001 Bündelung der Baustoffaktivitäten des Heidelberger ­Zement Konzerns in der Maxit-Group. Moldan-Maxit wird Teil dieser Konzernsparte. 2006 Moldan-Maxit ändert den Firmenwortlaut in Maxit ­Baustoffe GmbH & Co KG.

2008 Durch Umstrukturierungen im Heidelberg Zement-­Konzern wird der Standort Kuchl abgestoßen und von der ­Investorengruppe Connexio übernommen. ­Der Firmen­wortlaut wird wieder in Moldan Baustoffe geändert. 2010 Moldan Baustoffe wird durch die Übernahme der ­Salzburger Sand- und ­Kieswerke wieder zu einem Salzburger ­Familienunternehmen. 2010-2012 In diesen Jahren werden große Investitionen an den Standorten Kuchl, Moosegg und Webing getätigt. Die Steuerungen, der innerbetriebliche Transport sowie der Maschinen- und Fuhrpark werden erneuert.

2013 Einführung der GPS-unterstützten Disposition.  2014 Erneuerung der Absackanlage samt Palettierung. Ab ­diesem Zeitpunkt ­werden die Produkte in Kunststoffsäcke für den bestmöglichen Produktschutz ­verpackt. 2016 Einführung eines zertifizierten Energiemanagementsystems. 2017 Erweiterung der Mischanlage zur Prozess- und Qualitätsoptimierung.

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