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Domotex 2016: Parkett, Laminat & Co. Bodenkategorien verschwinden

Warum auch nicht? Welches Holz in Deutschland könnte ansonsten langfristig den Kampf mit der Eiche aufnehmen? Holzpflaster bleibt mit angemessenem Anteil im Rennen um Objekte. Bambus scheint sich etwas zurückgezogen zu haben.

Oberflächen & Klebstoffe

Die Strukturen der Holzoberflächen werden zunehmend weicher. Grobe Äste, tiefe Risse und grob splint- bis fäulnishaltige Dielen gehören der Vergangenheit an. Kaum wahrnehmbare Oberflächenvergütungen, individuelle Auftragsvarianten, weiße, beziehungsweise extraweiße (Woca) und bräunliche Farbgebungen bestimmen das Bild. „Die Colour Republic“ aus Belgien zeigte dabei in beeindruckender Form, was möglich ist: Gealterte Optiken durch Patinalaugen, Combicoloröle, Hartwachsöle und oxidativ trocknende Systeme bleiben gefragt.

Saicos setzt diejenige Entwicklung fort, die im letzten Jahr bei Wasserlacken gezeigt wurde und anscheinend am Markt auf offene Ohren traf: Ein Grundöl bildet die Basis, zu dem sich ein­zelne Features wie zum Beispiel Rutschfestigkeit, Trocknungsbeschleunigung, Chemikalienbeständigkeit, Glanzgrad oder Abriebfestigkeit je nach Bedarf dazu kombinieren lassen. Bei den Industrieprodukten sind UV-Öle und kombinierte Hybridöle genauso im Einsatz wie traditionelle Oxiöle. Bei den Parkettklebstoffen scheint eine Phase der Entwicklungsruhe eingetreten zu sein. Der Fokus liegt auf der Sicherung und sukzessiven Verbesserung des erreichten Standards. Mehr als am Rande: Peter Hamberger wurde anlässlich der Veranstaltung für sein Lebenswerk geehrt. Sein Einsatz und seine Leistung für das Produkt Parkett in den vergangenen fünfzig Jahren sucht seinesgleichen.

Laminat

Während sich die Parkettzahlen europaweit konsolidieren und für 2015 von einem ganz leichten Wachstum von unter einem Prozent ausgegangen wird, hat Laminatboden weiter mit Rückgängen zu kämpfen. Wenn auch regionale Einflüsse eine Rolle spielen, scheinen die konkurrierenden LVT-Beläge einer der wesentlichen Gründe nachgebender Verbrauchszahlen zu sein. „Die Geister, die ich rief, werd’ ich nun nicht mehr los“, könnte man frei nach Goethes Zauberlehrling formulieren, denn ähnlich wie Laminat lebt auch der LVT vom nachgeahmten Erscheinungsbild und hat dabei vor allem dimensionsbedingte technische Vorteile in bestimmten Anwendungsbereichen. Aber dem Laminatboden deshalb seinen Erfolg absprechen zu wollen, wäre natürlich töricht. Die von marketing-
orientierten Fachleuten geprägte Branche belebt den Fußbodenmarkt nach wie vor in vorderer Reihe. Der EPLF plant demgemäß ein kompaktes „Innovationsforum Laminat“, um Denkansätze zu erarbeiten, „damit der Fortschritt nicht zum Stillstand kommt“. Während – wie schon in den Vorjahren – die Billigsortimente für die Baumärkte Sorgen bereiten, geht es im hochwertigen Bereich gut voran. Der industrielle Digitaldruck schafft neue Möglichkeiten. Marktspezifische Kleinserien sind umsetzbar, anders als es im Tiefdruck möglich war. Schnelle Reaktionen auf spezielle Kundenwünsche und eine Steigerung der optischen Vielfalt sind Folgen der Technologieentwicklung. Bei den Dekoren spielen mehr noch als im Parkettbereich Veränderungen in den Lebenswelten eine Rolle. „Urban-style“ wird großgeschrieben, die Nutzung von städtischem Wohnraum durch Entkernung und Umwandlung bestehender Gewerbeflächen bietet Denkanstöße für die Kreativköpfe der Laminatbranche. Beton, Metall oder Stein haben ihren festen Anteil. Holznachbildungen bestimmen weiterhin das Design mit der Nachbildung der omnipräsenten Eiche an vorderster Stelle. Den Formaten sind außer maschinentechnischen und logistischen Beschränkungen keine Grenzen gesetzt. Bis zu 14 Millimeter dicke großformatige Dielen mit sich nur ­extrem wenig wiederholendem Druckbild sorgen für eine ­verlässliche Fußbodenperforman­ce. „Wand“ beziehungsweise „Wall“ sind weiter im Fokus. Die Vielfalt der Holzarten scheint derzeit größer als beim Vorbild. Buche, Akazie, Pinie, Lärche, Ulme, Esche, Hickory – und immer wieder Nussbaum – behaupten ihren Platz. Laminat wird schlichter, weniger tief, aber umso perfekter strukturiert. „Sägerauh“ ist immer wieder zu finden. Farbliche Trends sind Beige, Grau, Braun in großer Vielfalt und weißlasiert. Zusatznutzen wird beim Laminat weiterhin groß geschrieben. Rutschfestigkeit, integrierte Trittschallverbesserung, Antistatik und verbesserte Mikrokratzfestigkeit sind unerlässlich in bestimmten Bereichen. Spezieller Feuchteschutz hilft den Böden auf dem Weg in Küche und Bad, wobei auch perfektionierte Klicksysteme (Unilin) in diesem Anwendungsbereich hilfreich sind. Die Verriegelungstechniken sind genauso komplett und feinabgestimmt, wie mittlerweile auch das Zubehör.

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