Technik -

Neuer Look für alte Böden Auffrischen statt wegwerfen

Produkte zur Sanierung elastischer Bodenbeläge waren vor einigen Jahren noch kein großes Thema. Inzwischen bietet die Industrie vielfältige, zeit- und kostensparende Systeme. Wir erläutern das Vorgehen am Beispiel des „floor-remake“-Systems von Dr. Schutz.

Rausreißen und wegschmeißen war gestern, heute gibt es für in die Jahre gekommene, elastische Bodenbeläge eine neue Lösung, und die heißt: sanieren. Vor allem aus ökologischer Sicht, aber auch aus zeit- und kostensparenden Gründen, stellt eine Beschichtung gegenüber der Neuverlegung eine interessante Alternative dar. Die Industrie hat diesen Trend erkannt und bietet inzwischen komplette Systeme an. Wie diese anzuwenden sind und wie Bodenleger die Sanierung als zusätzliches, lukratives Geschäftsfeld aufbauen können, klären wir anhand des „floor-remake“-Systems von Dr. Schutz und im Gespräch mit Raumausstattermeister Christian Wuttke von Creative Wohnberatung in Georgens­gmünd bei Nürnberg (siehe Seite 38).

„Von einer Bodensanierung profitieren viele“, sagt Wuttke, „zum Beispiel die Umwelt“, da vorhandene Böden nachhaltig saniert werden, anstatt sie zu entfernen und damit Müll zu produzieren. „Denn oft sind die Bodenbeläge einfach nur falsch gepflegt“, sagt er. Das betreffe vor allem Linoleum und PVC-Beläge. Und warum muss ein Material, das nur einen optischen Mangel hat, gleich entfernt und weggeschmissen werden?

Daneben kann der Auftraggeber laut Dr. Schutz bei einer Sanierung im Vergleich zu einer Neuverlegung 50 Prozent der Kosten sparen. Denn egal ob Schule, Krankenhaus, Verwaltung oder Gewerbefläche – in maximal zwei Tagen können elastische alte Böden mit dem System von Dr. Schutz kostengünstig sowie mit zeitgemäßem Design saniert und mit einem Permanentsiegel aus Polyurethan geschützt werden. Stilllegungszeiten werden drastisch reduziert, was besonders für Health&Care- und kommunale Bereiche einen ausschlaggebenden Vorteil darstellt. Die Abfallkosten für die Entsorgung des alten Bodenbelags entfallen, genauso wie Schmutz und Lärm für die Entfernungs- und Neuverlegungsarbeiten.

Aber auch für die Handwerker bietet das System Vorteile, da sie sich mit dem Sanierungskonzept von der Masse abheben und Zusatzumsätze erzielen können. Das bestätigt auch Wuttke. „Zum einen kann sich der Handwerker breiter aufstellen, zum anderen bietet das System zahlreiche gestalterische Individualisierungsmöglichkeiten, wie die Chipeinstreuung oder die Spachteltechnik für eine Marmor-Optik“, sagt er. Gerade im Kindergarten sind auf diese Weise kindgerechte Motive möglich, ohne Intarsien schneiden zu müssen. Auch das Aufbringen eines Logos oder Designs per Transfertechnik ist machbar.

Funktionsweise

Das „floor-remake“-System funktioniert auf fast allen Bodenbelägen. Dazu gehören laut Dr. Schutz PVC, Linoleum, Kautschuk, Epoxy, PU sowie viele Parkettböden und Stein. Die Anwendung des Systems erfolgt in drei Schritten:

  • 1. Schritt: Der Bestandsboden wird durch Grundreinigung und Anschleifen für den neuen Aufbau vorbereitet. Löcher, Kratzer und Beschädigungen werden ausgebessert und aufgefüllt.
  • 2. Schritt: Der Handwerker trägt einen colorierten Lack auf. Dabei gibt es zahlreiche Gestaltungstechniken wie Chip-, Wickel- oder Spachteltechnik. Oftmals werden Räume mittels Schablonentechnik mit unterschiedlichen Farben und Formen ausgestattet. Der Mix der verschiedenen Techniken ermöglicht eine kreative Bodengestaltung. Mittels Folientechnik können Firmelogos, Wegweiser und andere Motive auf dem Boden aufgebracht werden.
  • 3. Schritt: Der Boden wird mit einer transparenten Schutzschicht lackiert. Mit der UV-Technologie kann der Handwerker den transparenten Lack sofort aushärten. Der aufgefrischte Boden verfügt nun über Rutschsicherheit sowie eine lange und hohe Beständigkeit vor mechanischem Abrieb und Kratzern, vor Desinfektionsmitteln sowie aggressiven, färbenden Substraten. Die Fugen werden hermetisch geschlossen, damit die Bodensanierung den aktuellen Hygiene-Standards entspricht. Die Oberfläche lässt sich nun laut Dr. Schutz mit deutlich geringerem Kosten- und Zeitaufwand reinigen und pflegen.

Praxisbeispiel

Das System kommt in Arztpraxen, Pflegeheimen, Friseurbetrieben, aber auch Kommunen mit Schulen, Kitas und Verwaltungen sowie Industrie- und Dienstleistungsunternehmen zum Einsatz. Ein Praxisbeispiel stellt das sanierte Alten- und Pflegeheim Wohnhaus Emmaus in Bonn dar. Die PVC- und Linoleumböden waren seit der Gründung im Jahr 1989 stark abgenutzt, der Reinigungsaufwand dadurch stetig gestiegen. Das Budget für einen Bodenbelagaustausch gab der Träger nicht frei, so stellte eine Bodensanierung die ideale Lösung dar. Denn neben der Kostenersparnis war nur eine kurze Stilllegungszeit des Heims von einem Tag vonnöten.

Im ersten Schritt sanierten die Handwerker Aufenthalts- und Wirtschaftsräume. Neben der Beschichtung mit transparentem PU-Siegel wurde der stark verkratzte PVC-Boden im Aufenthaltsraum nach den Wünschen der Hausarchitektin Michaela Prinz neu gestaltet. Passend zu dem zukünftigen Mobiliar wählte die Heimleitung die Bodenfarbe und das Bodenmuster aus. Zuerst entfernten die Handwerker die alten Pflegeschichten vollständig und rauten die Oberfläche zur Herstellung einer optimalen Haftbrücke an. Danach erfolgte der erste Lackauftrag in der von der Architektin gewünschten Farbe (RAL 9015) mit der Super-Profi-Rolle. Nach kurzer Trocknungszeit folgte der zweite Lackauftrag in einem anderen Blauton (RAL 9017) mit der Dekorwalze, um einen marmorierenden Effekt zu erzielen. Anschließend trugen die Handwerker als Decklack zum Schutz vor mechanischem Abrieb und Chemikalien ein PU-Siegel auf.

Eine besondere Herausforderung stellte die Sanierung des Fahrstuhls dar (Bild oben), die äußerst schnell erfolgen musste. Mit der UV-Technologie konnte dieser bereits nach sechs Stunden wieder benutzt werden. Die geringe Stilllegungszeit verbunden mit der Lärm- und Staubfreiheit schätzte die Heimleitung besonders. Nach dieser erfolgreichen Sanierung steht nun im Wohnhaus Emmaus die Renovierung der Bewohnerräume an.aro

Drei Fragen an Christian Wuttke

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Raumausstattermeister Christian Wuttke. Bild: privat -

bwd Für welche Kundengruppe ist die Bodensanierung interessant? Wie wird sie nachgefragt?

Wuttke Für Privatkunden ist die Beschichtung in der Regel nicht interessant, da die zu sanierenden Flächen zu klein sind. Bei gewerblichen Kunden habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele das System noch nicht kennen. Spricht man sie aber offensiv auf diese Möglichkeit der Bodensanierung an, sind viele Kunden sehr interessiert.

bwd Was sollten Handwerker bei der Anwendung des Systems beachten?

Wuttke Der Handwerker sollte sich einen zuverlässigen Partner suchen, der nicht nur die entsprechenden Produkte, sondern auch eine Verkaufsunterstützung dazu anbietet. So bietet Dr. Schutz zum Beispiel einen Beratungskoffer mit Handmustern an, das ist sehr wichtig, um den Kunden etwas zu zeigen, das sie auch anfassen können. Bei der Beschichtung mit Chip­einstreuung ist es sinnvoll, dass nur eine Person einstreut, da jeder seine eigene Handschrift hat. Daneben sollte sich der Handwerker vor allem mit den beiden Belagarten PVC und Linoleum auskennen. Bei Linoleum ist es zum Beispiel wichtig zu wissen, dass die Oberfläche, nur weil sie sich trocken anfühlt, noch nicht trocken ist.

bwd Wie strapazierfähig ist die Beschichtung? Gibt es Möglichkeiten, kleine Kratzer nachträglich auszubessern?

Wuttke Die Strapazierfähigkeit der Beschichtung hängt unter anderem davon ab, ob eine ausreichend dimensionierte Schmutzfangmatte im Eingangsbereich liegt, die Verschmutzungen, wie Sand oder spitze Steine unter den Schuhen, aufnimmt. Kleine Risse oder Kratzer kann man nachträglich ausbessern beziehungsweise kaschieren. Diese sind aber optisch – vor allem bei Streiflicht – sichtbar.

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