Dass Feuchtemessung keine trockene Angelegenheit sein muss, weiß, wer die Diskussion der vergangenen Jahre verfolgt hat. 45 Handwerker, Sachverständige und Anwendungstechniker brachten sich beim IBF-Seminar am 3. September 2009 auf den neuesten Stand – auch boden wand decke .
Dabei ist nicht zu leugnen, dass die Aufgabe für Institutsleiter Oliver Erning keine ganz einfache ist. Zu klar, das weiß der Physiker selbst, hat er sich in der Auseinandersetzung positioniert und vielleicht auch deshalb immer wieder wie zuletzt bei der TKB-Tagung Widerspruch geerntet.
An diesem Tag hat sich der Befürworter der CM-Messmethode vorgenommen, Fakten sprechen zu lassen. So warten 45 Workshopteilnehmer aus der Industrie, den Reihen der Sachverständigen und des Handwerks am Vormittag vergeblich auf einen Vortrag des Hausherrn. Oliver Erning sitzt in Sakko, Krawatte und Jeans in der letzten Reihe des abgedunkelten Seminarraums. Er hört zu, als Michael Resch, Trotec, bereitwillig einräumt, dass die auch von seiner Firma vertriebenen elektrischen Geräte nur bis in eine Tiefe von drei bis dreieinhalb Zentimeter halbwegs seriöse Ergebnisse hinsichtlich des Feuchtegehalts liefern. Trotec verkauft in erster Linie Bautrockner. Und Ernings Angestellter, IBF-Schallprüfstellenleiter Egbert Müller, verkündet, die Untersuchung der Auswirkung von CEM-I-/CEM-II-Zementen auf 20 geprüfte Zementestriche am Institut habe ergeben: Zementestriche mit CEM-II-Zementen können mit CM-Gerät gemessen werden. Die Korrelation zur Darre unterscheidet sich bei CEM-I-/CEM-II-Zementen nicht. Aus diesen Zementen bestehende Estriche sind „in der Regel“ bei 2,0 CM-% belegreif. In der Regel? Was einen weniger konzilianten Hersteller elektrischer Geräte zweifellos aufspringen lassen würde, kann nur bedeuten: Irren ist menschlich. Das zeigt der nachmittägliche Praxisteil.
In der blauen Ecke: Der Titelverteidiger, CM-Geräte-Hersteller Dr. Frank Radtke, im professionell mit Firmenaufschrift bedruckten Polo, aus der Schweiz. Immerhin lebt der Mann vom Absatz der hier in Rede stehenden Hilfsmittel, sollte also tunlichst wissen, wie die Dinger funktionieren. In der roten Ecke: Der Herausforderer, Parkettlegermeister Bruno Schneider, Inhaber eines auch im Estrichgewerk engagierten Handwerksbetriebs in Großostheim.
Die Unterschiede könnten augenfälliger nicht sein. Während der promovierte eidgenössische Akademiker mit zur Grimasse hochgezogenem Mundwinkel auf den am Zementestrich angesetzten Meißel haut, bis ihm der Schweiß übers Gesicht läuft, versucht sich der Parkettlegermeister aus dem Fränkischen an der Probenentnahme mit Stil. Wie er so, in seinen Chucks und den linken Arm lässig auf den Oberschenkel gelegt, nur mit dem Hammer auf den im Mittel fünf Zentimeter dicken Zementestrich einschlägt, hat er sich in der B-Note für den Ausdruck seiner Darbietung fraglos Topwerte verdient. Aber darum geht es hier nicht. Prompt kommt bei der folgenden Manöverkritik von Radtke der Hinweis, sein Kontrahent sei auch beim Überführen des aus dem Estrich geholten Materials mit einem Löffelchen in das vorbereitete Prüfbehältnis viel zu lässig gewesen. „Da haben Sie aussortiert“, ist dem Schweizer eine Auslese nicht entgangen. Dabei ist die Erklärung für dieses Vorgehen relativ einfach. Als Parkettleger misst der Mann das Wort muss kommen „traditionsgemäß“ Probenmaterial aus dem unteren Drittel seines in den Estrich geschlagenen Lochs. Freilich erreicht er damit, was er bezweckte: Mit 2,7 CM-% liegt er am oberen Ende der mit der Calciumcarbidmethode ermittelten Werte, die bei etwa 2,3 CM-% anfangen.
Weniger einheitlich ist das Bild bei den kapazitiven Messungen. Für große Erheiterung sorgt insbesondere das Prüfgerät Caisson VI-D1. Zwei identische Modelle unterscheiden sich, zehn Zentimeter voneinander entfernt, im Resultat um sage und schreibe das Dreifache. Insgesamt weisen die elektrischen Feuchtemesser der Hersteller Denzel, Gann und Trotec, die die Workshopteilnehmer mit nach Troisdorf gebracht hatten, in ihren Ergebnissen, umgerechnet auf die CM-Werte, eine Bandbreite von eineinhalb bis fünfeinhalb Prozent auf. Da fällt dann selbst Orientierung schwer.
Die Resultate aus dem Trockenschrank bestätigen dagegen mit umgerechnet 2,3 bis 2,6 CM-% die per Calciumcarbidmethode festgestellten Werte. „Mein Fazit ist klar: Belegreife beurteilt man mit der CM-Methode“, gibt Oliver Erning nach dem Workshop seine Zurückhaltung auf. An den Fakten ändert das nichts mehr.
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