Beni Lysser, Mitglied der Swiss Experts und der Schweizer Kammer technischer und wissenschaftlicher Gerichtsexperten, unterscheidet eine Reihe von verschiedenen Verfärbungsarten. Die natürlichen Verfärbungen, die laut Lysser als Echtheitszertifikat des Holzes zu bezeichnen sind, wie das Aufhellen bzw. das Nachdunklen nach Einstrahlung von Sonnenlicht, sind auch dem Laien geläufig. Dazu gehört ebenso das Vergilben, im Parkettbereich am augenfälligsten bei Ahorn und Esche. Besonderheiten zeigen sich zum Beispiel bei der afrikanischen Holzart Doussie, die zunächst nachdunkelt, um dann nach einigen Jahren wieder heller zu werden respektive zu vergilben.
Thermoholz verliert seine durch die Hitzebehandlung gewonnene dunkle Farbgebung merklich und auch gedämpfte Holzarten sehen nach längerer Zeit wieder so aus, als wären sie unbehandelt. Allein das Trendholz Räuchereiche ist sehr lichtstabil, eine Eigenschaft, die durch die farbgebende chemische Behandlung mit Ammoniakdämpfen unterstützt wird. Selbst Fußbodenbeläge aus Holzwerkstoffen zeigen Verfärbungsreaktionen, denn der natürliche Werkstoff Holz ist der Hauptbestandteil dieser Produkte. Gerade bei dieser Gattung ist der Endverbraucher häufig überrascht. Hier kann der Parkettfachmann mit guter Beratung helfen.
UV-Licht aktiviert Harze im Lack
Eine im Zuge der zunehmend weiß eingefärbten Parkettböden immer wieder auftretende Erscheinung ist die Dunkelvergilbung, die unter aufgelegten Teppichen bzw. in abgedeckten Bereichen sichtbar wird. Der Grund liegt in der Aktivierung der Acrylharze im pigmentierten Lack oder Öl durch das UV- Licht, die unter Abdeckungen ihre Funktion verlieren und geschädigt werden. Ein nachträglicher Angleich findet dann nicht mehr statt und es muss bei einer Sanierung die Oberfläche neu aufgebaut werden.
Die Möglichkeit Verfärbungen durch das Sonnenlicht zu verhindern, die zum Beispiel bei tief liegenden Fenstern mit Südausrichtung gravierend sind, sind gering. UV-Filter, die man auf Fensterflächen aufbringt, funktionieren zwar, sind aber sehr teuer. UV-Absorber in Lacken sind wenig stabil und je nach Holzart selektiv wirksam.
Eine zweite Art der Parkettverfärbung entsteht durch die Nutzung. So gibt es Verfärbung durch zu trockene Reinigung, vor allem bei geölten Böden. An den leichten Überzähnen im Hirn- und Längsstoßbereich streift sich leicht angefeuchteter Staub und Schmutz beim Reinigen ab. Unter Möbelflächen findet man solche Anschmutzungen nicht. Mit geeigneten Intensivreinigern lassen sich solche Problemebereiche aber ohne weiteres wieder entfernen, die darüber hinaus das Holz auch nicht zu sehr aufhellen.
Ein bekanntes Bild zeigen Wasserschäden mit ihren typischen konisch auslaufenden Fugen, die mit gräulich schwarzen Verfärbungen einhergehen. Ähnlich sieht die Holzfarbe nach übermäßiger Beanspruchung aus.
Verfärbungen durch Urin, wenn der Hund oder die Katze einmal nicht schnell genug den Weg vor die Haustür gefunden haben, sind an der gelblich, grünlich ins bräunlich gehenden Farbe erkennbar.
Weichmacherwanderungen aus elastisch eingestellten Klebstoffen sind ein weiteres gelegentlich auftretendes Schadensbild. Die Versiegelung wird durch die Weichmacher des Klebstoffes erweicht und verschmutzt dann rasch. Insbesondere, wenn der Klebstoff mit der Versiegelung in Kontakt tritt, was in der Praxis gerade bei stumpf gestoßenen Parkettarten nicht zu verhindern ist, kommt es zu solchen Erscheinungen. Dispersions- bzw. weichmacherfreie MS-Hybridklebstoffe schaffen Abhilfe. Geölte Böden reagieren ähnlich. Ausdünstungen aus neuen Estrichen könnnen ebenfalls Verfärbungen verursachen. Sie treten heute kaum noch auf, waren aber vor etwa zehn Jahren ein nie ganz geklärtes Phänomen. Sie sind gekennzeichnet durch bahnenweise Abzeichnungen in ganz regelmäßigen Abständen und treten etwa ein bis zwei Jahre nach der Verlegung auf. Man kann bei diesen Verfärbungen sehr gut die Qualität der Arbeit des Handwerkers beobachten, denn dort, wo kein Klebstoff unter dem Parkett vorhanden ist, gibt es zuerst dunkler erscheinende Fleckenbildungen. Unter Türen, Teppichen oder Möbel sowie zum Beispiel auf Podesten in Trockenbauweise entstehen im gleichen Raum keinerlei Verfärbungen.
Es müssen immer eine Reihe von Faktoren zutreffen, bevor es zu solchen Erscheinungen kommt. Tageslicht, Versiegelung bzw. UV- Öl, Holz oder Kork, vollflächige Verklebung und ein neuer Estrich, diese Voraussetzungen müssen gegeben sein. Fehlt eine dieser Gegebenheiten, dann kommt es auch nicht zu den Verfärbungen. Das Holz verfärbt sich übrigens dabei nicht. Eine Reparatur durch ein Abschleifen und anschließendes Ölen ist also durchaus möglich, denn bei diffusionsoffenen Oberflächenbehandlungen mit oxydativ trocknenden Substanzen gibt es keine Anreicherungen von Chemikalien und somit keine Dunkelfärbungen. Wird ein Boden jedoch aufgrund dieser Erscheinungen abgeschliffen und neu versiegelt, kann das Problem durchaus wieder entstehen.
Auslöser sind chemische Ausscheidungen aus dem Estrich, die sich unter der Versiegelung ablagern, ohne allerdings exakt sagen zu können, welcher Stoff die Ursache für die Farbfehler waren, die während einiger Zeit in der Schweiz vermehrt auftraten. Aufgrund des Abklingens der Schadenshäufigkeit wurde auf weitere Untersuchungen verzichtet.
Ein anderes Problem beschäftigt die Branche allerdings seit mehreren Jahren. Da geht es um Verfärbungen, die mit der Kombination von Dämmstoffen und Betonuntergründen zu tun haben und sich nach einiger Zeit im neu verlegten Holzfußboden zeigen. Sie gehen immer aus von Wandanschlüssen und treten vornehmlich stirnseitig und seltener längsseitig, dabei in der Intensität und Tiefe holzartenabhängig, hervor. Betroffen sind demgemäß auch Sockelleisten, die sich zunächst rückseitig verfärben und erst allmählich an der Vorderseite, den Schraublöchern oder an Stirn- und Gehrungsschnitten dunkler werden. Erst nach einiger Zeit wandern die Verfärbungen auch in die Fläche und treten, im Gegensatz zum zuvor beschriebenen Erscheinungsbild der nicht nachweisbaren Verfärbungsreaktionen, sowohl in den abgedeckten als auch den freiliegenden Bereichen auf. Typisch sind unterschiedliche Holzfeuchteangaben bei elektrischer Messung, die erfahrungsgemäß Differenzen von bei zwei bis vier Prozent aufweisen und von chemischen Ablagerungen im Holz herrühren.
Im Darrofen sind die Unterschiede nicht festzustellen, ein Wasserdampfeinfluss ist somit nicht ursächlich für die Messwertabweichungen. Weiterhin ist auch kein Einfluss des Diffusionswiderstandes der Oberflächenbehandlung erkennbar. Messungen des pH-Wertes zeigen Unterschiede von zwei bis drei Einheiten auf der Skala. Im Holz selbst verläuft die Verfärbung zumeist vornehmlich stirnseitig in Faserrichtung und ist bei Massivparkett zunächst auf der Unterseite bzw. bei Mehrschichtparkett auf der Deckschichtunterseite erkennbar, dringt aber im Laufe der Zeit allmählich bis an die Oberfläche vor.
Junge Decken sind gefährlich
Die Ursache liegt in Verbindung von Dämmstoff und Betonuntergrund. Es handelt sich in der Regel um relativ „junge“ Betondecken, die noch über einen bestimmten Gehalt an Restfeuchte verfügen. Wenn dann unmittelbar die Dämmschichten (Mineralwolle oder Schaumstoffe mit Aufkaschierungen) auf den sehr feuchten Beton aufgebracht werden oder sogar auf Wasserpfützen verlegt werden, entstehen als Reaktion alkalische Gase. Bezeichnenderweise betrifft dieses Phänomen vermehrt das Obergeschoss, dort, wo es vom Bauablauf her besonders schnell gehen muss. Die Einsicht in Bautagebücher bestätigte vielfach diese Vermutung. Weiteres markantes Kennzeichen ist ein sehr strenger Geruch des alkalischen Gases bei Kontrollöffnungen, der in seiner Intensität locker mit einem faulenden Fisch mithalten kann.
Im Frühjahr wird’s dunkel
Eine Reparatur ist nicht möglich. Da diese Schäden vermehrt auftraten, hat man sogar bei der Normung in der Schweiz darauf reagiert. Heute muss als Präventionsmaßnahme direkt auf dem Beton unter der Dämmung eine Folie aufgebracht werden, die zwar keine vollkommene Abdichtung darstellt, aber die Probleme, die durch den direkten Kontakt mit noch vorhandener Feuchtigkeit entstehen, wirkungsvoll verhindert. Das letzte Verfärbungsphänomen ist das des Einflusses von hoher alkalischer Raumluftfeuchte auf Holzverfärbungen. Sie sind gekennzeichnet durch intensive dunkle und nahezu ausschließlich stirnseitige Dunkelverfärbungen von oben in die Decklagen oder auch an Massivholz, die immer in Neubauten vorkommen. Weiteres Merkmal ist die Jahreszeit. Im Frühjahr oder Sommer, wenn nach der Verlegung leer stehende Wohnungen über längere Zeit ungenügend belüftet werden, kommt es zu diesen Erscheinungen. Im Winter gibt es kaum Probleme.
Alkalisch belastete Feuchtigkeit aus frischen Wänden, Decken oder Putzen führt zu hohen Raumluftfeuchtigkeiten und ist die Ursache für Verfärbungen. Gerade Holzarten mit niedrigem pH-Wert wie der amerikanische Kirschbaum gelten als besonderes typisch, aber auch die Eiche ist davon betroffen. Ausreichend lüften bzw. bisweilen in den Sommermonaten sogar die Raumluft anzuentfeuchten, hilft als Vorsorge. Auch hier gilt: Eine gute Beratung ist die beste Prävention.
Walter Pitt hat den Vortrag von Beni Lysser für bwd zusammengefasst.
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