In der Fußbodenbranche hieß es lange entweder oder: Träger des Zeichens EC1 durften sich ausschließlich auf das internationale Siegel berufen; daneben ein weiteres Ökolabel zu tragen, war nicht erlaubt. Seit kurzem ist das Tabu gebrochen, die Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewekstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e.V. (GEV) hat sich für den Rest der Siegelwelt geöffnet und lässt nun auch andere Umweltlabels neben dem eigenen bestehen. Das populärste unter ihnen, der Blaue Engel, steht vor allem beim Verbraucher hoch im Kurs. Doch braucht die Branche überhaupt ein weiteres Umweltlabel?
"Der Markt verlangt nach Produkten mit dem Blauen Engel."
Bei der Debatte „Blauer Engel, ja oder nein?“ gehen die Meinungen unter Klebstoffproduzenten weit auseinander. Für das Umweltsiegel mit den Flügeln bezieht kaum jemand so klar Position wie das Unternehmen Wulff. Wer auf die Homepage des Blauen Engels klickt, findet unter der Kategorie „Bodenbelagklebstoffe“ bislang nur drei Hersteller: Comfundo, Uzin Utz und Wulff. Die Prioritätenverteilung erschließt sich auf einen Blick: Während Comfundo nur ein Produkt gelistet hat, verzeichnet Uzin sieben. Bei Wulff sind es 17; darunter Grundierungen, Spachtelmassen, Klebstoffe. „Weitere Produkte werden folgen“, versichert Ernst Dieckmann, Geschäftsführer bei Wulff. Grund für den Engeleifer sind laut Dieckmann die strengen Anforderungen, die erfüllt werden müssen, um das Label zu erhalten. Damit einher geht die Außenwirkung. Das von der GEV vergebene Umweltzeichen Emicode und dessen Zusatz EC1 für sehr emissionsarme Verlegewerkstoffe richtet sich an den bodenlegenden Handwerker; außerhalb der Branche ist das Label weitreichend unbekannt. Dagegen lockt der Ökoengel umweltbewusste Konsumenten aus allen Branchen auf den Plan. Mit derzeit 10.000 Produkten, die über 80 Kategorien hinweg den Blauen Engel tragen, hat sich das Zeichen längst zu einer verkaufsfördernden Marke entwickelt. Darüber hinaus berufen sich Behörden bei Ausschreibungen häufig auf die Vorgaben des Bundesministeriums und dessen „Leitfaden für Nachhaltiges Bauen“. Darin wird der Blaue Engel namentlich als Orientierungshilfe bei der Auswahl von Materialien für gesundheitsverträgliches Bauen erwähnt. Dennoch: Der Blaue Engel ist im Gegensatz zum international verbreiteten EC1 lediglich ein nationales Symbol dessen Aussagekraft nicht jeden Hersteller überzeugt. So ist man bei Kiesel der Meinung, dass es in puncto Umweltverträglichkeit und Raumlufthygiene derzeit keine bessere Auszeichnung als den Emicode gibt. Schlüssel hierfür sei ein Prüfsystem, das sich mit Hilfe von Stichproben selbst überwacht und das beim Blauen Engel fehlt.
"Einen Vorteil des Blauen Engels sehen wir nicht"
Trotz aller Kritik setzt man inzwischen zwar auch im Hause Mapei auf den Engel der Entschluss, ein reduziertes Sortiment zu labeln, ist bereits gefällt doch beugt man sich damit eher dem Druck der Verbraucher und Behörden. „Wir sind der Überzeugung, dass international einsetzbare Systeme gegenüber national gültigen Signets zu bevorzugen sind“, sagt Michael Heim, Leiter des Produktmanagements bei Mapei. Schließlich stehe EC1 für einen anerkannten Standard der emissionsarmen Bodenverlegung weltweit. Trotzdem: In puncto Ausschreibungen und Vermarktung sei der Engel nun mal „eine interessante Größe“. Bei Henkel lässt man aus dem selben Grund seine Produkte zweifach labeln nach Emicode erhalten sie derzeit den Blauen Engel.
"Die Kennzeichnung EC1 reicht für den Markt aus."
Auch bei Bona ist der Kunde König, der nach Klebstoffen mit dem Blauen Engel verlangt. So ergebe sich die Entscheidung für das Label nicht „aus Ökologie oder Ökonomie, sondern aus der sogenannten Spieltheorie heraus“, wie Christian Löher, Geschäftsführer von Bona Deutschland erklärt. Im Versiegelungsbereich führte das Unternehmen bis Mitte der 90er Jahre Produkte mit diesem Symbol; Pläne, den Engel wieder einzuführen, gibt es derzeit aber nicht. Schließlich sehe man keinen klaren Vorteil des Blauen Engels gegenüber den bisher benutzten Ökolabels wie Emicode oder Greenguard.
Auch bei Berger-Seidle vertraut man auf die Wirkung von EC1-geprüften Produkten. Ein weiteres Zeichen strebt der Hersteller nicht an. „Unsere wichtigen Klebstoffe haben eine EC1-Kennzeichnung. Das reicht für den Markt völlig aus.“ Für Uzin dagegen zeugt die Einführung des Blauen Engels von Konsequenz. Denn: „Wir dürfen die Anforderungen, die an unseren Markt gestellt werden, nicht einfach ignorieren.“
Elisabeth Göpel elisabeth.goepel@holzmannverlag.de