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Baustellenreport Wohn- und Geschäftshaus, Wiesbaden

Wohnen im Denkmal

 
Heft 1/2008
 

Wohnen in der Stadt ist wieder angesagt. Diesen Trend erkannt hat ein Bauherr, der in Wiesbaden ein heruntergekommenes, denkmalgeschütztes Wohn- und Geschäftshaus zeitgemäß saniert hat.

Innen bieten attraktive, barrierefreie Mietwohnungen komfortable Lebensqualität mit kombinierter Flächenheizung sowie -kühlung im Fußboden. In den gewichtsoptimierten Knauf Systemaufbau integriert, erreicht die Fußbodenheizung nach Unternehmensangaben optimale Leistungs- und Komfortwerte. Die Studie „Wohnen in der Innenstadt – eine Renaissance“ des Deutschen Instituts für Urbanistik konstatiert ein Comeback der City als attraktiven Wohnort. Viele Menschen schätzten die Nähe zu sozialen und kulturellen Angeboten, kurze Wege, Infra- und Sozialstruktur. Dieser Analyse entspricht die Sanierung eines unter Denkmalschutz stehenden Jugendstilgebäudes in Wiesbaden am Kaiser-Friedrich-Ring, Ecke Oranienstraße, fußnah zum Bahnhof.

Der Charme des Denkmals trifft mit Vorzügen moderner Gebäudetechnik zusammen. Denn das Heizkonzept nutzt die raumklimatischen und energetischen Vorteile der sanften Strahlungswärme: Integriert in den Knauf-Systemaufbau erreicht das für den Altbau entwickelte Fußbodenheizsystem Minitec von Uponor einen optimalen Wirkungsgrad. Zugleich gewährleistet laut Hersteller EPO-Leicht von Knauf in Verbindung mit Knauf-Nivellierestrich 425 eine gewichtsoptimierte Ausführung. Ende 2004 hatten Stefan und Dominique Ebling das stattliche Eckgebäude erworben, das schon im Zweiten Weltkrieg den repräsentativen Eckturm durch eine Brandbombe eingebüßt hatte. Nach mehreren Umbauten diente es zuletzt als billige Unterkunft für Montagearbeiter. Aus fünf großbürgerlichen Wohnungen waren 49 möblierte Zimmer geworden. Das Konzept der umfassenden energetischen Sanierung nach EnEV beschloss der Bauherr mit Architekt Klaus W. Thomas. „Wir wollten großzügige Mietwohnungen schaffen. Ebenso wichtig war für uns der verantwortungsbewusste Umgang mit Energie“, sagt Dipl.-Ing. Stefan Ebling, der staatliche Förderprogramme wie das KfW-CO2-Sanierungs- sowie das KfW-Gebäudesanierungsprogramm und eine Möglichkeit steuerlicher Sonderabschreibung zur Sanierung der denkmalgeschützten Fassade nutzte. Während der bestehende Kiosk im Gartengeschoss modernisiert wird, entstehen im Erdgeschoss zwei Gewerbeeinheiten. Dem Wohnen vorbehalten sind die drei darüber liegenden Geschosse und das Dachgeschoss. Zwei Mietwohnungen mit 94 beziehungsweise 114 Quadratmeter sind pro Geschoss angeordnet.

Das Heizsystem dieses Jugendstilgebäudes ist komplett als Flächenheizung ausgelegt, realisiert ist eine Fußbodenheizung, die im Sommer zur Kühlung eingesetzt wird. „Bei einer Flächenheizung kann um zwei bis drei Grad Celsius die Raumtemperatur gesenkt werden, weil der menschliche Körper die Strahlungswärme sofort wahrnimmt“, erklärt Stefan Ebling, der sich für das Renovierungssystem Minitec von Uponor entschieden hat. Mit einer Vorlauftemperatur von 47 Grad Celsius wird die Fußbodenheizung angefahren.

Als Voraussetzung für eine sichere Verlegung der Flächenheizung/-kühlung gilt ein ebener, tragfähiger Untergrund nach DIN 18560. Die Holzbalkendecken wiesen jedoch starke Verformungen auf – bis zu zwölf Zentimeter Höhendifferenz waren in einer Wohnung festzustellen. Nach Ausbau der alten Beläge – zum Teil mussten drei bis vier Schichten abgetragen werden, bis der Unterboden frei lag – kamen Untergründe wie Holzdielen und Beton zum Vorschein. OSB-Platten wurden verlegt, wo der alte Dielenbelag morsch war. Die Deckenkonstruktion selbst – Holzbalken 20/24 im Achsabstand von 350 Millimeter verlegt – zeigte sich nach Überprüfung durch das Ingenieurbüro Maurer als nur begrenzt belastbar.

Die Berechnung der Tragfähigkeit ergab, dass der neue Fußbodenaufbau ein zulässiges Gewicht von 50 Kilogramm pro Quadratmeter nicht überschreiten dürfe. Der heterogene Aufbau der Unterkonstruktion und der erforderliche Ausgleich von Unebenheiten und Gefälle der Bodenfläche stellten daher in Planung sowie Ausführung besondere Aspekte dar. Die bloß bedingt tragfähigen Holzbalkendecken waren bei der Materialwahl für viele herkömmliche Systeme ein K.-o.-Kriterium. Nach der technischen Beratung vor Ort mit Klaus Rusitschka von Uponor sowie Manfred Müller von Knauf entschieden sich Architekt Klaus W. Thomas und der Bauherr für folgenden Bodenaufbau:

◊Ausgleich der Unebenheit mit Knauf-EPO-Leicht, Schichtdicke von 15 bis 20 Millimeter.

◊Kratzspachtelung mit dem Knauf Nivellierestrich 425, Schichtdicke drei bis fünf Millimeter.

◊Grundierung mit Knauf Estrichgrund.

◊Fußbodenheizung: Renovierungssystem Minitec, Aufbauhöhe zirka zehn Millimeter.

◊Knauf Nivellierestrich 425, Dicke 20 Millimeter.

◊Oberbelag Parkett.

EPO-Leicht eignet sich nach Unternehmensangaben ob der wasserfreien Herstellung besonders für den Ausgleich von Holzbalkendecken. Der schnell abbindende, früh begehbare Ausgleichsmörtel wird aus den Komponenten Knauf-EPO-Perl, einem Blähgranulat, und Knauf-FE-Imprägnierung, einem zweikomponentigen Epoxidharz, direkt an der Baustelle gemischt. EPO-Leicht weist ein geringes Gewicht und eine gute Wärmedämmeigenschaft auf: Die Rohdichte beträgt 0,2 Kilogramm pro Liter, die Wärmeleitfähigkeit 0,07 Watt je Meter mal Kelvin. In Wiesbaden hat die ausführende Estrichfirma Edwin Stein, Becherbach, eine effektive Möglichkeit für den Ausgleich extremer Höhenunterschiede genutzt. Gemäß Nivellement hat der Verleger vor Einbringen des Ausgleichmörtels Unterputzschienen am Boden ausgerichtet. Danach wurde die Ausgleichsmasse auf dem Untergrund verteilt.

Bereits 24 Stunden nach dem Einbringen war laut Knauf die Ausgleichsmasse begehbar, so dass die Spachtelarbeiten mit Knauf-Nivellierestrich 425 ohne Zeitverlust beginnen konnten. Anschließend folgt eine Grundierung mit Knauf-Estrichgrund als Voraussetzung für einen festen Verbund zwischen Untergrund sowie Fußbodenheizsystem.