Newsletter

Abonnieren Sie den Newsletter von 'bwd'!
Abonnieren Sie den Newsletter von 'bwd'! mehr Informationen »
Follow me on twitter

bwd Objekt des Monats

Blumen und Ranken in Anthrazit mehr »

Objekt des Monats weitere Objekte »
Domotex Forum Handwerk Vortragsveranstaltung legt zu, Räuchereiche bleibt stabil

Schweizer können nicht nur Schoki

 
Heft 2/2010
 
 Schweizer können nicht nur Schoki
Fotostrecke: (5 Bilder)
Viel Beifall, viel Publikumszuspruch, kaum freie Plätze: Bernhard Lysser, Karsten Krause, Norbert Strehle und Oliver Erning (v.l.) fiel das Lachen leicht.
Bild: Kober

Weitere Links

Dass die Nachbarn im Land von Wilhelm Tell und Rütlischwur nicht nur in Zusammenhang mit Süßigkeiten kompetent sind, hat Forum-Handwerk-Neuzugang Bernhard Lysser gezeigt. Sein Thema „Verfärbung bei Holzfußböden“ fand ein ebenso großes Interesse wie die Beiträge der beiden deutschen Sachverständigen Karsten Krause (Belag) und Oliver Erning (Estrich).

„Rund 650 Zuhörer habe ich gezählt“, bilanzierte am Ende ein zufriedener Moderator Norbert Strehle. Tatsächlich dürften diesmal so viele Messebesucher wie nie zuvor die Chance genutzt haben, sich über aktuelle Probleme aus dem Baustellenalltag zu informieren. Dass die Fachzeitschrift boden wand decke und die mitveranstaltende Deutsche Messe AG mit ihren Themen ins Schwarze getroffen hatten, ließ sich nicht nur am zahlenmäßigen Zuspruch des Publikums ablesen. So durften Beobachter bei den Krawattenträgern, die sich immer wieder unter die Handwerker vor der Bühne mischen, ein kollektives Zucken registrieren, als Karsten Krause mit den so genannten „Ausführungsempfehlungen“ mancher Hersteller hart ins Gericht ging. So deute schon der Begriff „Empfehlungen“ an, dass sich der Handwerker im Ernstfall in einem juristischen Sinne schwerlich darauf berufen könne. Aber auch mit Auftraggebern und Architekten hatte der Fachgruppenleiter Bodenbelag des ZVPF sein Hühnchen zu rupfen: Bei einem Rübenacker, dessen Fläche zu 90 Prozent Verwerfungen aufweist, dem Bodenleger die Reparatur mit der Formulierung aufbürden zu wollen, „das Beseitigen geringer Unebenheiten“ gehöre zu seinen Pflichten, sei schon ein starkes Stück. Ob da wohl manch einer im Auditorium die eigene Vorgehensweise oder gar die Formulierung aus der PR-Abteilung wiedererkannt hat? Ein Gentleman genießt schweigend.

„Billig rein – teuer raus?“, so hatte Krause im Titel gefragt. Und vor Risiken und Nebenwirkungen bei der Belagverlegung gewarnt. Der erfahrene Handwerksunternehmer ist für seine Nähe zur Praxis bekannt und wird dafür geschätzt. So sei auch ein Produktdatenblatt nicht für die Ewigkeit geschrieben, sagte er. Vielmehr behalte es Gültigkeit bis zur Veröffentlichung des nachfolgenden – was in Zeiten von Online schon morgen der Fall sein könne. Und: „Will man in Sachen Untergrundvorbereitung auf Nummer Sicher gehen, muss alles Alte weg. Aber wie sag ich’s meinem Auftraggeber?“

Verunsicherung pur

Der Auftraggeber für die Untersuchungen von CEM-II-Zementen am Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF) in Troisdorf war der BEB selbst. Geprüft hat die gar nicht so neuen Zemente Institutsleiter Oliver Erning, der auch auf dem Forum Handwerk einiges dazu zu sagen hatte. So sei zunächst abgesehen von der ökologischen Komponente der Kohlendioxideinsparung für die Entscheidung, von CEM I auf CEM II zu wechseln, sehr wohl auch ein wirtschaftlicher Aspekt relevant gewesen: „Was ich an CO2 einspare, ist doch im internationalen Emissionshandel bares Geld wert“, erklärte der Physiker. Mit den Konsequenzen zurechtkommen muss natürlich der Handwerker auf der Baustelle. Erning erneuerte ferner seine Kritik an der TKB, die aus dem Wechsel geschlossen hatte, dass nun für die CM-Messung „keine abgesicherten Grenzwerte“ mehr existierten. Das hatte der IBFler nicht nur im Labor widerlegt. Er nannte die Empfehlung eines Klebstoffherstellers, Grenzwerte seien zu erfragen oder ansonsten sei die Estrichfläche mit Epoxy abzusperren, „Verunsicherung pur“. Nichts getan hat sich laut Erning bei der Korrelation zwischen CM- und Trockenschrankmethode: Diese sei schon immer – nur – im Bereich der Belegreife 1,5 gewesen. Und: „Daran hat sich überhaupt nichts geändert.“

Prinzipiell empfahl der Estrichexperte alle getesteten Zemente mit Ausnahme des Typs CEM II B-M (S, LL). Verformungs- sowie Trocknungsverhalten seien hier abweichend. Erning appellierte an die Estrichleger, mehr Verantwortung in Bezug auf die verwendeten Ausgangsstoffe an den Tag zu legen. Redlichkeit war auch im Vortrag von Bernhard „Beni“ Lysser aus der Schweiz ein zentrales Thema. Der langjährige technische Leiter der Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkettindustrie (ISP) rief dazu auf, den Parkettlegerkunden über die zu erwartenden Farbveränderungen bei Fußbödenhölzern zu informieren.

Aber auch darüber, warum zum Beispiel beim Trendholz Räuchereiche diese wesentlich geringer ausfallen: „Da ist eben eine Menge Chemie drin“, analysierte Lysser lapidar. Klar sei, dass die bei anderen Thermohölzern sowie naturbelassenen Arten vielfach zu beobachtende Farbänderung von UV-Licht ausgelöst wird. „Dies zersetzt nach und nach die aktiven Acrylharzpartikel. Danach ändert sich die Optik“, erläuterte der Forum-Handwerk-Neuzugang – und verteilte für richtig beantwortete Fragen schon mal Süßes ans Publikum. Reinhold Kober

reinhold.kober@holzmannverlag.de

Vor der Bühne Positive Resonanz

Unabhängigkeit ist Trumpf

 Forum-Handwerk-Veteran Richard  A. Kille.
Fotostrecke: (4 Bilder)
Forum-Handwerk-Veteran Richard A. Kille.
Bild: Kober

Auch dieses Jahr wollte bwd wissen, ob die Botschaft der Forum-Handwerk-Referenten bei der Zielgruppe auch ankommt – und hat erst mal einen alten Bekannten getroffen. Zwar ist Richard A. Kille auch Raumausstattermeister, in der Branche bekannter aber ist er als Sachverständiger und Leiter des IFR Köln. Stand der Experte für textile und elastische Beläge früher selbst auf der Bühne in Halle acht, so präsentiert er heute nebenan in Halle neun die Aktion Sicheres Handwerk. „Die Zielgruppe“, sagt er, „ist dieselbe. Und beide Sonderveranstaltungen liefern nicht nur Informationen, sondern sind letztlich auch Treffpunkte, an denen Messebesucher miteinander ins Gespräch kommen.“

Der Berliner Bodenleger Mike Zimmermann, Fachgruppenleiter Bodenleger der Innung Nordost, ist Stammgast auf der Messe und vor der Forum-Handwerk-Bühne. Er weiß, wie schwer es ist, Kollegen aus dem Handwerk zu einem Besuch der Leistungsschau zu motivieren. Umso wertvoller sei das Angebot von boden wand decke und der Deutsche Messe AG: „Die Vorträge sind die optimale Ergänzung zu den Produktinformationen der Hersteller“, hält sich der Spezialist für das Verspannen von Teppichböden fachlich auf dem Laufenden. Ein weiterer Schwerpunkt bei ihm im Betrieb ist augenblicklich – wen wundert’s – die Designbelagverlegung.

Auch Malermeister Werner Klocke ist äußerst angetan von der Fachinformation in Halle acht. Der Vortrag von Bodenbelagexperte Karsten Krause fesselt den 62-Jährigen aus Lage derart, dass er wissen will, was er sich von den Herstellern der verschiedenen Komponenten für den Fußbodenaufbau alles an Informationen besorgen muss. Als Krause antwortet, es gehe vor allem um die Kombinierbarkeit der Einzelprodukte und schriftlich zugesicherte Eigenschaften, hat sich der Besuch auf dem Forum Handwerk für Klocke schon rentiert. Zug um Zug will er den Anteil der Belagverlegung am Umsatz seines Betriebs auf 50 Prozent ausbauen. Was imponiert: Hier fährt der Chef nicht nur selbst auf die Messe, er hat auch noch zwei Mitarbeiter dabei. Damit die auch was lernen, geht’s vom Forum Handwerk gleich weiter zum Europäischen Berufswettbewerb des Raumausstatter-Nachwuchses.

Parkettlegermeister Bernd Frischemeier hat gebannt den Worten von Forum-Handwerk-Referent Oliver Erning zugehört. Die CEM-II-Zemente, sagt er, seien im Augenblick das Thema auf der Baustelle. Für Frischemeier wichtig: „Diese Leute, die hier sprechen, sind unabhängig.“ Allerdings reagierten Bauherrn und Planer oft wenig begeistert, wenn er wie empfohlen alles über den vom Vorgewerk eingebauten Estrich wissen wolle. „Alter Schwede“, heiße es dann, „der Frischemeier ist vielleicht ein Erbsenzähler.“ Na ja, lieber Erbsen zählen als am Ende die Banane in Händen halten.