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Domotex 2010 Das Angebot in den Holzfußbodenhallen 7, 8 und 9

Parkett aus dem Farbtopf

 
Heft 2/2010
 
 Parkett aus dem Farbtopf
Fotostrecke: (10 Bilder)
Bambeau-Geschäftsführer Stefan Becker und Lutz Großgarten sind mit ihren Bambusprodukten seit langem eine feste Größe im Markt: „Bambusstrands gewinnen zunehmend an Bedeutung.“
Bild: bwd

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Parkett treibt’s bunt, Laminat bleibt unter seinen Möglichkeiten, Kork schwächelt, Clickdesignbeläge haben Potenzial und bei Furnierböden steht einer Marktausdehnung eigentlich nichts mehr im Weg. Ein kritischer Blick auf das Messeangebot.

Hannover ist nicht mehr die Parkettleitmesse in Deutschland. Es gab zwar viele Aussteller aus diesem Belagssegment, doch die namhaften Anbieter waren auf der Domotex 2010 fast an einer Hand abzuzählen. Und deren Stände waren geprägt von einem Mangel an Innovationen. Man musste schon sehr genau hinschauen, um Dinge zu entdecken, die man noch nicht kannte.

Lange Dielen sind längst Allgemeingut

Wie auch in den vergangenen Jahren gibt es einen Trend hin zu breiteren und längeren Formaten. Allerdings sind selbst Parkettelemente in Längen von vier bis fünf Meter und mehr bzw. Breiten von bis zu 35 Zentimetern keine Nische mehr, denn diese Produktgattung wird immer zahlreicher besetzt. Das drückt den Preis, eigentlich völlig unnötig, denn die Auftragslage ist bei derartigen Produkten überschaubar.

Oberflächen wie handgehobelt, gebürstet, sägerau oder auch auf verschiedenste Art geprägt sind weiter auf dem Vormarsch. Der Trend zu rustikal(st)er Eiche hält an, von einigen Produzenten antiquierter Dielen übrigens gerne forciert. Denn damit kommen preisgünstige Lieferungen sperrholzgetragener Landhausdielen auf den Markt, deren Deckholz vielfach den Weg aus russischen Wäldern über chinesische Anlagen nach Benelux findet. Dort stehen reihenweise Maschinen für Ölaufträge und verschiedenste „Veredelungen“. Entsprechende Konzepte wurden so zum Beispiel von Soest, NL, gezeigt. Naturöle, Mattlacke oder auch Öl-Lack-Kombinationen bleiben je nach Vertriebsschiene, Ausrichtung oder Maschinenkonzeption beliebte Oberflächenvarianten von Holzfußböden.

Parkett wird immer farbiger. Waren im vergangenen Jahr vornehmlich Brauntöne angesagt, die zusätzlich gestützt durch die Räuchereiche oder Thermoholz alle erdenklichen Farbtiefen lieferten, wird es jetzt immer bunter. Nicht nur Orange-, Rot- oder Gelbtöne, sondern sogar violett ausgekittete Äste und Risse von Eichendielen bedienen den Trend. Die „weißen Riesen“ vom letzten Jahr werden von einer noch edleren Grautongeneration abgelöst und finden sich sogar in Edelmetallfarben wie Gold oder Silber wieder.

Das handwerkliche Applizieren von Farbe auf der Baustelle mittels Farbölsystemen wird zunehmend einfacher in der Handhabung und unterscheidet sich bei richtiger Anwendung kaum noch von industriell hergestellter Qualität.

Das Thema der leimfreien Verbindungen wird derzeit von kopfseitig verriegelnden Fold-down-Systemen mit flexiblen Federelementen bestimmt. Schulte Räume zeigte sein Masterclick-Plus, das sich durch Passgenauigkeit, Stabilität und problemlose Ausklinkbarkeit auszeichnen soll. Die Vorspannung der Dielen in Längsrichtung und über das mit der nächsten Dielenreihe fixierte Verbindungsprofil schafft Verlegesicherheit in zwei Richtungen. Man hat allerorts an der maßgenauen Führung der Elemente gearbeitet, nachdem es in der Vergangenheit immer wieder zu vermehrten Überzähnen und auch Knarrgeräuschen bei der Nutzung dieser Parkettgeneration gekommen war.

Välinge tastet sich weiter an die Ideallösung heran und Unilin, mittlerweile selbst Parketthersteller, hält mit dem neuen „Multifit“ eine sehr flexible Variante parat, die verschiedene Verlegemethoden erlaubt und dem Handwerker an Türanschlüssen etc. eine wertvolle Hilfe leisten kann. Dennoch gibt es Hersteller, zumeist alterfahrene, die an der herkömmlichen Nut-Feder-Verleimung festhalten, aus guten Gründen, wie sie sagen.

Zu den Neuheiten zählten ein mit einem speziellen brandverzögernden Lack versehenes Zweischichtparkett sowie ebenfalls von Jaso eines, das mit HDF-Träger die gleiche Produktgattung erweitert. Das aus technischen Gründen mit dünnerer Nutzschicht versehene Zweistabelement mit unregelmäßigen Deckschichtlängen verfügt über eine längsseitige Einwinkelverbindung zum besseren Fugenverschluss und ist auch aufgrund der Breitenabmessung keine Konkurrenz zu der eigenen herkömmlichen Zweischichtware. Man könnte meinen, Dreischichtparkett im Schiffsbodenmuster übernimmt allmählich die Ausbeutefunktion von Hochkantlamellenparkett bei Mosaikparkettproduzenten. Die kleinen Deckschichtelemente werden nur noch aufgelegt, weil das Holz für die Landhausdielen nicht immer die ausreichenden Abmessungen hergibt. Die preislichen unteren Eckdaten, die man auf Messen immer wieder hört, unterstützen diese Einschätzung. Die Frage lautet: Wie hebt man ein Preisniveau von unter zehn Euro wieder an, das häufig durch verantwortungslose Billiganbieter im Objektbereich geschaffen wird?

Die beiden Zertifizierer FSC und PEFC reichen sich immer noch nicht die Hand, auch das war auf vielen Ständen sichtbar und das bleibt weiterhin unverständlich. Im Vorfeld der Messe war bekannt geworden, dass die Hansestadt Hamburg das malaysische Zertifizierungssystem MTCS, das sich unter dem PEFC-Schirm befindet, endgültig anerkennt. Ansonsten scheint das Angebot an Exotenhölzern wieder etwas abgenommen zu haben. Auch hier schaffen die Farbe und die Möglichkeit der Modifikation Alternativen. Eiche bleibt nach wie vor die Holzart Nummer eins. Hier stehen wohl preisliche Anpassungen bevor, genauso wie übrigens bei den Nadelhölzern.

Wenn eine Firma Unilin sich für das Hausmessenkonzept entscheidet, hat das Folgen für Hannover. Dabei wäre ein bisschen Trommeln für die wohl erfolgreichste Fußbodengeneration der letzten zehn Jahre in der angespannten Lage durchaus notwendig gewesen.

Laminat: gebleicht, gebeizt und gelaugt

Pünktlich zur Messe vom EPFL (Verband der europäischen Laminatbodenindustrie) vorgelegte Marktzahlen 2009 sprechen bereinigt von Rückgängen von acht bis neun Prozent. Gerade das mittlere Preissegment des zu rund 80 Prozent in der DIY-Schiene gehandelten Fußbodenproduktes gerät zunehmend unter Druck. Vielleicht hat man doch zu lange in der Position des Nachahmers von Holzoptiken verharrt. Dabei ist durch die neuen Techniken des Druckens und insbesondere des Digitaldruckes „so verdammt viel möglich“, wie es der EPLF-Vorsitzende Ludger Schindler ausdrückt.

Gebleichte, gelaugte und gebeizte Dekore bestimmten das Bild. Sie lassen sich perfekt mit edlem Möbeldesign kombinieren, Grau ist auch hier die Trendfarbe in vielen Tönen. Metalliccharakter ist weiter in, und immer mehr Creativdekore bestimmen das Bild. Die kommen in den schrillsten Tönen und Optiken daher. Leistenhersteller Neuhofer hat sich dieses Themas dank eigener Digitaldrucktechnik angenommen und pfiffige Dekore auf den Fußbodenabschluss gezaubert. Formate sind bei den Laminatböden weiterhin angelehnt an den Landhausdielentrend beim Parkett, Würfelmaße und Fliesenformate gibt es ebenfalls. Das traditionelle Schiffsbodendekor scheint wieder etwas an Interesse zu gewinnen. Paisleymuster im Stile schottischer Textilien finden sich auf dem Laminatboden wieder, genauso wie Betonoptiken für die puristische Einrichtung. Schiefer und Steinoptiken sind weiterhin aktuell. Die Pulvertechnologie von Välinge, in den vergangenen Jahren bereits vorsichtig dem Publikum präsentiert, hat sich entwickelt. Es gibt auch bereits mit Kronotex den ersten großen Anbieter dieser Produktgeneration.

Resopal SpaStyling, die wasserfesten und sehr leichten Designböden mit einer ein Millimeter starken HPL-Oberfläche auf einer Trägerplatte aus Symalite, einem neuen wasserfesten Werkstoff, zeigte Boxler aus Rammingen. Die Böden zählen zwar nicht mehr ganz zu den Neuheiten, bleiben aber dennoch sehr beachtenswert.

Für Gesprächsstoff sorgte die neue Kooperation in Patentfragen von Classen und Pergo. Rechtzeitig zur Domotex wurden alle Patente zur FoldDown-Verlegung zusammengelegt und werden künftig gemeinsam vermarktet. Pergo verfügt über langjährige Patente, die zusammen mit Classen mit Blick auf die Megaloc-Generation und aufgrund vergangener Rechtsurteile in einem starken Gesamtpaket gebündelt werden sollten. Man darf gespannt sein, was aus dieser Zusammenarbeit erwächst.

Korkboden trifft Vinyl

Der Korkboden steht ebenfalls erheblich unter Druck. Der traditionelle Klebekork ist mengenmäßig so weit zurückgegangen, dass er nicht mehr für repräsentative statistische Zahlen des DKV (Deutscher Korkverband) genutzt wird. Und auch Korkfertigparkett hat gelitten. Für neuen Schwung soll eine Marketingkampagne sorgen, die vom portugiesischen Korkverband APCOR und dem portugiesischen Staat mit einem Volumen von 21 Millionen Euro beschlossen wurde und die für Deutschland
den größten Batzen an Fördergeldern unter den elf ins Auge gefassten Nationen vorsieht. Kork solle emotional positiv, ansprechend und modern rüberkommen, sagt Tomas Cordes, Vorsitzender des deutschen Korkverbandes, der in diese Kampagne viele Hoffnungen setzt.

Einige Korkimporteure fangen Rückgänge im Stammgeschäft mittlerweile zunehmend mit Designvinylböden auf. Diese auf klickverbundenen Trägerplatten applizierten Beläge sind für den Wohnbereich eine zunehmend gefragte Alternative, die nicht nur chic aussieht, sondern mit der sich auch Geld verdienen lässt. Mal sehen, wie lange das so bleibt, denn die Ideenschmieden der Laminathersteller haben längst erkannt, dass auch diese Produkte Mengenpotenzial haben. Furnierböden, obwohl in Deutschland immer noch wenig gefragt, gehören seit vielen Jahren zum Portfolio der Domotex. Die Begründung für den fehlenden Erfolg war bisher immer die schwierige wertmäßige Einordnung zwischen Parkett und Laminat, genauso wie der erwartete Preisdruck auf das relativ einfach produzierbare Endprodukt. Das Preisgefüge von Parkett und Laminat wurde mittlerweile aber erheblich durchgeschüttelt, so dass diese Argumente nicht mehr greifen. Zudem hat sich der Oberflächenschutz derart verändert, dass viele technische Bedenken ausgeräumt sein dürften. Durch das ständige Verringern der Nutzschichten bei Parkett, die dem veränderten Kaufverhalten und den kürzer werdenen Nutzungszyklen von Bodenbelägen Rechnung tragen, ist die Furnierdicke für den Bodenbereich auch kein Hindernis mehr.

Walter Pitt walter.pitt@t-online.de

Domotex  Hallen 7, 8, 9 Bilderbogen I

  Hermann und Michael Schmid sind mit ihren ausgereiften Parkettprodukten seit vielen Jahren eine feste Größe im deutschen Parkettmarkt. Mit Neuheiten wie einem zweischichtigen Parkett auf HDF- Träger warteten sie diesmal auf.
Fotostrecke: (5 Bilder)
Hermann und Michael Schmid sind mit ihren ausgereiften Parkettprodukten seit vielen Jahren eine feste Größe im deutschen Parkettmarkt. Mit Neuheiten wie einem zweischichtigen Parkett auf HDF- Träger warteten sie diesmal auf.
Bild: bwd

Domotex, Hallen 7, 8 und 9 Bilderbogen II

  Hermann Haselhof und Hubert Flöss vertreiben vom westfälischen Velen aus die Rubio Monocoat-Produkte: „Vorteil unserer echten UV-Öle ist der einmalige Auftrag des Materials.“
Fotostrecke: (9 Bilder)
Hermann Haselhof und Hubert Flöss vertreiben vom westfälischen Velen aus die Rubio Monocoat-Produkte: „Vorteil unserer echten UV-Öle ist der einmalige Auftrag des Materials.“
Bild: bwd

Aufgefallen und für gut befunden

Acht bemerkenswerte Hingucker

  Ungewöhnliche Geometrie, effektvolle Oberflächenbehandlung: Gesehen bei  Margaritelli, Italien.
Fotostrecke: (8 Bilder)
Ungewöhnliche Geometrie, effektvolle Oberflächenbehandlung: Gesehen bei  Margaritelli, Italien.
Bild: bwd