Europa schickt (natürlich) neue Parkettnormen, an einer Novellierung der Technischen Richtlinie Gefahrstoffe (TRGS) 610, heißt es, wird gearbeitet. Und das überholte TKB-Merkblatt zum Kleben von Parkett wird schon heute mit Spannung erwartet.
„Eines unserer wichtigsten Merkblätter“, nannte Dr. Roland Krieger, Vorsitzender der Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB), das Papier mit der Nummer eins und dem Titel „Kleben von Parkett“. Dr. Thomas Brokamp, Leiter der TKB-Arbeitsgruppe Parkett und des Bona-Geschäftsfeldes Klebstoffe, stellte bei der sechsten Gesprächsrunde Fußbodentechnik von Handwerk und TKB in Frankfurt vor, was er mit Dr. Frank Gahlmann (Stauf), Dr. Matthias Hirsch (Kiesel), Michael Illing (Forbo), Ralf Heinzmann (Sika) und Thomas Tamke (Henkel) am zehn Jahre alten Merkblatt an Änderungsbedarf ausgemacht hatte.
Die Reaktionen ausdem knapp 20-köpfigen Teilnehmerkreis ließen nicht auf sich warten. Dass die Überarbeitung einer solchen Publikation stets Anlass ist, um erkämpfte Positionen zu verteidigen, unterstrich Norbert Strehle. Der Berufssachverständige und Leiter des Instituts für Fußbodentechnik in Koblenz erklärte: „Sobald jemand die Holzfeuchte relativiert, werden wir der Darstellung vehement widersprechen.“
Brokamp hatte auf die in europäischen Normen ausgeweiteten Werte für die Produktionsfeuchte hingewiesen, die oft falsch interpretiert würden. So findet sich im überarbeiteten Merkblatt nicht nur die Angabe der Einbaufeuchte von Parkett (neun Prozent mit der üblichen Toleranz von zwei Prozent für die Einzelmessung), sondern ebenso eine ausführliche Begründung, warum dieser Wert derart entscheidend ist. Strehle kündigte an, sich die aktualisierte Fassung auf jeden Fall „vorlegen zu lassen“.
Barth freut sich auf Diskussion
Bundesinnungsmeister Joachim Barth verriet ebenfalls Interesse: „Wir würden uns freuen, das Merkblatt zeitnah mit Ihnen zu diskutieren.“ Brokamp signalisierte Gesprächsbereitschaft. Diese wurde auf die Probe gestellt, als der Leiter der AG Parkett in der an die Wand projizierten Gliederung für das Merkblatt bei den Lösemittelklebstoffen angekommen war. Während Strehle die Auffassung vertrat, diese seien nicht mehr „zeitgemäß“ und gehörten „totgeschwiegen“, begründete Brokamp deren Erwähnung mit dem „Zugeständnis an Marktteilnehmer“. Damit Sie sich Ihre eigene Meinung bilden können, stellt ’bwd‘ die verschiedenen Positionen gegenüber. kr
Dr. Thomas Brokamp, Bona GmbH Deutschland Rücksicht auf den Marktanteil
Lösemittelklebstoffe nicht totschweigen

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Dr. Thomas Brokamp.
Bild: Kober
Lösemittelklebstoffe haben und hatten sehr große Bedeutung für das Kleben von Parkett. Bis vor drei Jahren lag der Marktanteil der gelösten Klebstoffe für Parkett bei bis zu 80 Prozent. Diese Produkte haben den Markt dominiert. Allen Marktteilnehmern war und ist bewusst, dass die Verwendung dieser Klebstoffe große Probleme aufwirft. Das betrifft den Arbeits-, aber auch den Verbraucherschutz. Daher hätten viele ein uneingeschränktes Verbot dieser Produkte begrüßt. Ohne ein solches Verbot haben sich aber viele Verarbeiter für die ökonomischen Vorteile dieser Klebstoffe entschieden, die sich im Wesentlichen aus einer vergleichsweise einfachen, unproblematischen Verarbeitung ergeben.
Die Klebstoffindustrie sieht hier, speziell seit der Verabschiedung der ersten Technischen Richtlinie Gefahrstoffe (TRGS) 610 im Jahr 1992, ein zu bearbeitendes Problem. Dies zeigt schon die Fülle der technisch sehr unterschiedlichen Neuentwicklungen, die seither auf den Markt gebracht worden sind: wasserarme Dispersionsklebstoffe, 2K-PUR, Pulverklebstoffe, 2K-Dispersionsklebstoffe, harte 1K-PUR-Klebstoffe, weichelastische 1K-PUR-Klebstoffe und weiche Silane-basierte SM-Klebstoffe. Alle diese Produkte sind angetreten, die Lösemittelklebstoffe zu verdrängen. Auch das erste TKB-Merkblatt „Kleben von Parkett“ von 1996 sollte diesen Prozess der Umstellung unterstützen.
Die Erfahrung der vergangenen zwei Jahre zeigt, dass die Bemühungen langsam von Erfolg gekrönt werden. Speziell die jüngste Entwicklung, die Silan-basierten SM-Klebstoffe, hat bewirkt, dass der Marktanteil der gelösten Klebstoffe 2006 weniger als 50 Prozent betragen wird – Tendenz fallend.
Warum werden dann gelöste Klebstoffe im neuesten Merkblatt der TKB noch erwähnt? Sind diese Produkte nicht endlich tot? Dazu möchte ich folgende Punkte anführen:
1. Auch ein Marktanteil von 50 Prozent – das gilt auch, falls dieser weiter fällt – ist immer noch beachtlich. Man kann die Existenz dieser Produkte nicht ignorieren, auch wenn man es gerne möchte.
2. Nur eine offene Diskussion über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme wird letztlich den neuen, besseren Systemen zum Durchbruch verhelfen. Es ist immer noch so, dass man neue Parkettklebstoffe technisch gegen die gelösten Klebstoffe abgrenzen muss, dies geht nur in einer offenen Diskussion.
3. Weiter macht es für die Klebstoffindustrie keinen Sinn, ihre Kunden, die noch gelöste Klebstoffe verwenden, respektlos zu behandeln. So lange keine Regelungen vom Gesetzgeber angestrebt werden, ist es das Ziel der Klebstoffindustrie, auch den letzten Verwender gelöster Klebstoffe durch Argumente zu überzeugen. Und auch dies geht nur in einer offenen Diskussion.
Ich möchte noch anfügen, dass es nach meiner persönlichen Meinung mit den neuen Silan-basierten Klebstoffen keinen rational fassbaren Grund mehr gibt, noch gelöste Klebstoffe zu verwenden. Wir bei Bona und auch die anderen Klebstoffhersteller arbeiten auf jeden Fall sehr intensiv daran, unser Wissen über diese Produkte an die Verleger in Seminaren weiterzugeben. Auch das überarbeitete, neue Merkblatt dient dazu. Ich bin überzeugt, dass hiermit der Anteil an gelösten Klebstoffen am nachhaltigsten und schnellsten auf ein Niveau sehr nahe bei null gesenkt werden kann.
Norbert Strehle, Leiter des Instituts für Fußbodentechnik Erwähnung macht keinen Sinn
Einsatz von Lösemittelklebern unnötig

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Norbert Strehle.
Bild: Kober
Anlässlich der Gesprächsrunde Fußbodentechnik am 27. Juni 2006 wurde das neu überarbeitete Merkblatt „Kleben von Parkett“ vorgestellt. In dieser insgesamt sehr guten und informativen Zusammenstellung werden alle Klebstoffsysteme, darunter sehr umfangreich Kunstharz-Lösemittel-Klebstoffe, behandelt. Ein Merkblatt stellt den erreichten Stand der Technik dar – ab dem Erscheinungstermin in die Zukunft gerichtet. Auch wenn Kunst-harz-Lösemittel-Parkettklebstoffe bei den Parkettlegern eine nach meiner Auffassung nicht mehr erforderliche Akzeptanz haben und auf etwa 50 Prozent der zu klebenden Fläche zum Einsatz kommen, so erscheint es mir doch heute nicht mehr angebracht, in einem solchen Merkblatt den Kunstharz-Lösemittel-Parkettklebstoff überhaupt noch zu erwähnen.
Die kürzlich noch verschärfte Gefahrstoffverordnung lässt in Verbindung mit der Technischen Richtlinie Gefahrstoffe (TRGS) 610 nur noch in Ausnahmefällen die Anwendung von Kunstharz-Lösemittel-Parkettklebstoffen zu. Mir ist ein solcher Ausnahmefall nicht bekannt. Für alle Anwendungsfälle gibt es heute Ersatzklebstoffe. Bei meinen Vorträgen für Parkettleger stelle ich immer wieder die Frage, in welchen Anwendungsfällen ein Einsatz von Kunstharz-Lösemittel-Parkettklebstoffen zwingend notwendig sei. Obwohl ich diese Frage unzählige Male wiederholt habe, konnte mir bis heute kein Parkettleger einen Anwendungsfall nennen, wo nicht auf Ersatzstoffe zurückgegriffen werden könnte. Zutreffend ist, dass Kunstharz-Lösemittel-Parkettklebstoffe sehr breit anwendbar und anwendungssicher sind. Noch hat kein anderes Klebstoffsystem die kompletten Eigenschaften und Merkmale eines Kunstharz-Lösemittel-Parkettklebstoffes erreicht. Allerdings ist es im Einzelfall abhängig vom jeweiligen Untergrund der zu klebenden Holz- und Parkettart möglich, durch spezielle Untergrundvorbereitungsmaßnahmen jedes Parkett ohne stark lösemittelhaltige Klebstoffe zu kleben.
Dies umzusetzen, ist gerade die Verordnungsvorgabe der Gefahrstoffverordnung in Verbindung mit der TRGS 610. So gesehen entspricht die Klebung eines Parkettfußbodens mit stark lösemittelhaltigen Klebstoffen nicht mehr dem Stand der Technik, so dass es zweifellos keinen Sinn macht, dieses Klebstoffsystem in einem neuen und modernen Merkblatt zu erwähnen.