Viele Estrichexperten haben offenbar das Potenzial von Beschichtungen noch nicht erkannt. Dabei sind gerade Meisterbetriebe als Qualitätsanbieter prädestiniert, dieses technisch anspruchsvolle Geschäftsfeld für sich zu entdecken. Andererseits tummeln sich, wo es um interessante Margen geht, oftmals jede Menge Absahner mit wenig seriösem Geschäftsgebaren. ’bwd‘ sagt Ihnen, was Sie wissen müssen, damit die Chance nicht zur Pleite wird.
Ausschreibung:Scheuen Sie sich nicht, überzogenen Erwartungen eine Absage zu erteilen. Beschichtungen haben, richtig angewendet, ihre Stärken wie Erhöhung des Verschleißwiderstands oder Herstellung ableitfähiger Konstruktionen; aber es sind keine Wundermittel. Nicht alle ausschreibenden Stellen sind auf dem gleichen Kenntnisstand, was Möglichkeiten und Grenzen dieser Ausstattungsvarianten anbelangt.
Anforderung:Was muss die fertig bearbeitete Oberfläche hinsichtlich der späteren Nutzung leisten? Verfügen Sie über die entsprechende Erfahrung und das erforderliche Know-how, eine dafür geeignete Beschichtung vorzunehmen? Auch hier gilt:Eine gesunde Selbsteinschätzung ist gefragt. Im Zweifel ist es besser, sich erst in Ruhe mit den technischen Hintergründen vertraut zu machen als etwas anzubieten/zu versprechen, was am Ende so nicht zu halten ist. Lieber mal auf einen Auftrag verzichten, als teuer für falsch verstandenen Ehrgeiz bezahlen!
Information:Wo mache ich mich kundig? Zu empfehlen sind die Arbeitsblätter „Industrieböden aus Reaktionsharz“ des Bundesverbands Estrich und Belag (BEB). Auch die Arbeitsgemeinschaft Industriebau (AGI), der Deutsche Beton- und Bautechnik-Verein (DBV) sowie der Deutsche Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb) haben sich dem Thema gewidmet. Und große Hersteller bieten regelmäßig Seminare an.
Optik:Ein interessanter Aspekt, der auch Risiken birgt. Wie im Fall von oberflächenfertigen Estrichen hat mit Beschichtungssystemen eine weitere Produktgruppe aus dem Industriebau Eingang in die eigenen vier Wände gefunden. Die dekorative Gestaltung ist eine Anwendung, die größtmögliche Sorgfalt verlangt, was die optische Erscheinung angeht. Denn Fehler lassen sich kaum konzentrieren, meist muss der ganze Raum überarbeitet werden. Und natürlich ist Beschichtung nicht gleich Beschichtung. Erst technische Optionen prüfen, danach handwerkliche Akzente setzen, heißt die Devise.
Pflegeanleitung:Auch hier muss sich der Verarbeiter den Unterschied vergegenwärtigen, ob er in einer Sporthalle oder einem hochwertigen Ladengeschäft tätig ist. Wer sich bewusst für eine Optik aus dem Industriebau zu dekorativen Zwecken entscheidet, stellt entsprechende Anforderungen an die Beratungskompetenz des Anbieters. Der Kunde muss frühzeitig – vor Erteilung des Auftrags – darüber ins Bild gesetzt werden, dass Beschichtungssysteme einen gewissen Aufwand bedeuten, was Reinigung und Pflege betrifft. Je präziser die Empfehlung für den späteren Umgang mit der fertigen Fläche, desto unwahrscheinlicher sind Reklamationen, die immer Ärger für alle bedeuten.
Prüfpflicht:Auch in diesem Zusammenhang ist eine genaue Untersuchung der Untergrundsituation für den Erfolg des Auftrags unerlässlich. Bei der Beschichtung von frischen und beheizten Betonplatten, Hartstoff- und erdberührten Magnesiaestrichen ist beispielsweise äußerste Vorsicht geboten – ein Fall für Experten! Reinhold Kober