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Aus der Baustellenpraxis Risse im Randbereich einer neuen Mehrzweckhalle

Beschichtung mit Hindernissen

 
Heft 11/2007
 
 Beschichtung mit Hindernissen
Fotostrecke: (5 Bilder)
1 Estrichoberfläche mit Kratzspuren des Schleifpapiers und Rückständen eines Anstrichs, mit dem der Maler die Betonwände imprägniert hat. Dabei ist Flüssigkeit auf den Zementestrich gelaufen, da die Oberfläche nicht ordnungsgemäß abgedeckt wurde. Diese Schicht wirkt dehäsiv auf die aufgebrachte Grundierung.
Bild: Bilder: Marth

Unerklärlich, aber wahr: In einer neu errichteten Mehrzweckhalle sind jeweils im Randbereich Beulen, Blasen und Risse aufgetreten. Und zwar in einer unmittelbar vorher aufgebrachten Kunstharzbeschichtung. ’bwd‘ nennt die Hintergründe.

Im Eingangsfoyer hatte der Auftragnehmer auf einer Fläche von 200 Quadratmeter Beschichtungsarbeiten erledigt. Im Randbereich zu den Wänden hatte er auf dem neuen Zementestrich auf Trennlage nach entsprechenden Untergrundvorbereitungsmaßnahmen zunächst zwei Zentimeter breite und drei Zentimeter hohe Metallwinkel angebracht/geklebt. Laut Protokoll war die Estrichoberfläche vor Verlegung mit der Eintellerschleifmaschine mit 16er-Korn bearbeitet worden.

Nach der Absaugung wurde die Fläche mit Polyurethangrundierung versehen und vollsatt abgequarzt. Auch auf die Metallwinkel wurde die Grundierung aufgebracht. Nach der Aushärtung wurde in einer Dicke von ein bis zwei Millimeter ein Polyurethanbeschichtungssystem aufgebracht. Nach geraumer Zeit kam es zu Beulen/Blasen im Bereich des Eingangs; direkt an die Metallschiene des Türrahmens angrenzend und nahe der Wand auf der fünf Quadratmeter großen Fläche – der Rest schien hiervon nicht betroffen. Es waren die folgenden Gegebenheiten zu beobachten:

◊ Die Beschichtung war eng an die Metallschiene der Türanlage angearbeitet. Beulen/Blasen, also Ablösungen, waren innerhalb der Beschichtungsebene entstanden. Zur Ermittlung der Ursache wurde es dem Sachverständigen gestattet, in diesem Bereich zerstörerische Prüfungen vorzunehmen. Der Auftragnehmer für Beschichtungen sollte alle Stellen, wo Beulen/Blasen vorlagen, sanieren/nachbessern. Dazu wurde im Bereich einer Beule/Blase an der Zwischentür im Foyer die Beschichtung durchstochen, um festzustellen, ob darunter Feuchtigkeit vorhanden ist. Doch dem war nicht so. Anschließend wurde im Prüfstellenbereich die Beschichtungsebene auf zehn mal zehn Zentimeter eingeschnitten und vom Untergrund abgenommen. Dabei zeigte sich, dass die Estrichoberfläche fast jungfräulich vorlag. Die Polyurethangrundierung haftete also nicht an der Oberfläche, daher kam es zu einem 100-prozentigen Adhäsionsbruch zwischen Grundierung sowie Estrichoberfläche. Vereinzelt waren Kratzspuren an der Oberfläche zu sehen, die beim Schleifen entstanden waren.

Angrenzend zum Prüfstellenbereich war die Beschichtungsebene festliegend. Auch hier wurde die Beschichtung eingeschnitten und vom Untergrund abgenommen. Ein 100-prozentiger Kohäsionsbruch in der oberen Estrichrandzone war feststellbar, was einen optimalen Haftverbund zwischen Grundierung und Estrichoberfläche zeigte.

◊ An einer der Wände im Foyer lag eine Fehlstelle innerhalb der Beschichtung auf 40 mal 30 Zentimeter Fläche vor. Mühelos war die angrenzende Beschichtung in diesem Bereich vom Untergrund abzunehmen. Auch hier wies die Zementestrichoberfläche Kratzspuren vom Schleifen auf. Im genannten Fehlstellenbereich wurde die Beschichtung problemlos bis zur Metallschiene, die an der Wandkonstruktion befestigt war, entfernt. Die Metallschiene hatte sich von der Fußbodenkonstruktion etwa einen Millimeter abgehoben. Die Beschichtungsebene war von der Fußbodenkonstruktion über die Metallschiene verlaufend ohne Fuge angelegt worden.

◊ Eine Überprüfung der Randbereiche ergab, dass auf beinahe allen Flächen, wo die Metallwinkel mittels Beschichtung überarbeitet worden waren, innerhalb der Beschichtungsebene Risse vorlagen. Diese waren deckungsgleich mit der Kante der Winkel auf der Fußbodenkonstruktion.

◊ Teilweise wurde im Foyer eine deutliche Verformung der Metallwinkel festgestellt. Dadurch hatten sich diese von der Wand abgelöst, so dass es zu einem Abriss des elastischen Dichtstoffmaterials zwischen Wand und Winkel gekommen war.

◊ Der Auftragnehmer für die Beschichtungsarbeiten hatte innerhalb der Beschichtung zwischen den Betonstützen Bewegungsfugen mit Profilen ausgebildet. Diese waren aber nicht durchgehend bis zur Wand angelegt, die Profile waren mit den Metallwinkeln an der Wand abgedeckt worden. Deshalb funktionierten an dieser Stelle die Fugen nicht.

◊ Die Beschichtung im Foyer der Mehrzweckhalle überprüfte der Sachverständige stichpunktartig mit einem Hohlstellensuchgerät. Nahe der Wand waren Hohlstellen auf einer Länge von acht Meter und einer Breite von 30 Zentimeter feststellbar, ebenso im Bereich der Zwischentür unweit der Metallprofile von Fenstern sowie Türen.

◊ Der Sachverständige nahm an zwei Stellen Stempelhaftzugprüfungen vor, um das abhäsive und kohäsive Verhalten der Beschichtung zum Untergrund hin zu ermitteln. Diese ergaben Werte von 1,5 bis 2,1 Newton pro Quadratmillimeter.

Ursache der Beulen, Blasen, Risse: Berücksichtigt man die exklusive und repräsentative Planung der erbauten Mehrzweckhalle, so beeinträchtigten die ermittelten Probleme vor allem hinsichtlich der zu erwartenden Nutzungsintensität die Gebrauchstauglichkeit der Beschichtung erheblich. Eine Sanierung ist auch erforderlich, da sonst die Werterhaltung nicht gewährleistet ist.

◊ Im Zuge der Untergrundvorbereitung hätte der Auftragnehmer feststellen müssen, dass eine dehäsiv wirkende Schicht im Randbereich auf der Estrichoberfläche vorlag. Es konnte keine intensive Behandlung mit Schleifteller und 16er-Korn nachgewiesen werden.

◊ Die Metallwinkel waren nicht sach-/fachgerecht angebracht, es fehlten bei der Überarbeitung mit der Beschichtung Fugen;so kam es zu Rissen. Nicht sach-/fachgerechte Untergrundvorbereitungsmaßnahmen im Randbereich waren der Grund dafür, dass es bei der Herstellung der Beschichtung

auf der Zementestrichoberfläche zu Ablösungen kam, da ein kraftschlüssiger Verbund nicht vorlag. Die Oberfläche hätte hier intensiv geschliffen und gereinigt werden müssen.

◊ Die Unterseite der abgelösten Beschichtungsschollen aus Polyurethangrundierung mit Quarzsandabstreuung und der eigentlichen Polyurethanbeschichtung (einen bis eineinhalb Millimeter dick) wies eine glänzende Oberflächenoptik auf. Verbindet sich die Polyurethangrundierung mit der Estrichoberfläche, zeigt diese nach der Abbindephase üblicherweise eine matte Oberflächenoptik. Wo innerhalb der Beschichtung Blasen, Beulen sowie Hohlstellen vorlagen, war dies jedoch nicht der Fall. Anders in den Bereichen, wo zwischen Beschichtung und Zementestrichoberfläche der Haftverbund optimal war – das belegten die entnommenen Haftzugstempel. Die Werte sind als gut/normal einzustufen.

Hauptursache war eine dehäsiv wirkende Schicht auf der Estrichoberfläche.

Vor der Beschichtung hatte der Maler die Betonwände imprägniert. Die Imprägnierung war auf die Estrichfläche gelangt und wirkte dehäsiv. Das einmalige Drüberrutschen mit dem Schleifteller reichte nicht aus, um die Schicht zu entfernen.

Sanierung: Da nur im Randbereich sowie nahe der Zwischentür Blasen, Beulen und Hohlstellen vorlagen, wird die Beschichtung an den Stellen vom Untergrund entfernt und nach der entsprechenden Vorbereitung eine Beschichtungsebene des gleichen Systems neu erstellt. Im Anschluss ist der Bereich des Foyers bis zur ersten Bewegungsfuge vollflächig anzuschleifen, eine Kopfversiegelung ist aufzubringen.

Dazu wurde vereinbart, dass die Beschichtungsebene zwei Zentimeter von der Wandkonstruktion entfernt, also im Kantenbereich der Metallwinkel, eingeschnitten wird. Die entstehende Fuge wird mit einem elastischen Dichtstoff verfüllt. Damit sind etwaige neue Spannungen in diesen Bereichen neutralisiert.

Aus sachverständiger Sicht wurde zudem empfohlen, eine weitere Bewegungsfuge innerhalb der Beschichtungsebene beziehungsweise Estrichkonstruktion anzulegen: symmetrisch zu den zuvor hergestellten Bewegungsfugen in einem Bereich des Foyers an der ersten Säulenreihe. Ralf Marth

ralf.marth@freenet.de